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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. bestätigt dem Kloster Hohenburg (Odilienberg) (D. Straßburg), wo der Leichnam der hl. Odilia ruht (aeccl. Dei genitricis Mariae, ubi requiescit corpus s. virginis Odiliae, que dicitur Hohenburch), welches er auf seiner Reise durch das Elsass verwahrlost vorgefunden und dessen Kirche der heiligen Maria und Nikolaus er im Gedenken an seine mit dem Ort verbundenen Vorfahren geweiht hat (visitantibus nobis ... Alisatie partes ... eccl., quam velut incultam invenimus, ... in honore s. Dei genitricis et s. Nicolai dedicatum), berichtet über die von der Äbtissin Berta gemachten Schenkungen in Artzenheim, Meinoldsheim, Sessenheim, Urschenheim und Gerstheim (quod ... abba ... Berta ... ad villam Arcenheim ... Meinoldesheim, Sahsenheim, Uresheim, Gersheim contradidit), die von anderen Personen in namentlich genannten Orten gemachten Schenkungen im Elsass und zu beiden Seiten des Rheins, das gesamte Gebiet innerhalb der Heidenmauer (concedimus et confirmamus ... omnem ... montem infra septa gentilis muri) und die freie Wahl der vom Bischof von Straßburg zu weihenden Äbtissin (sanctimoniales abbatissam ... potestatem habeant ... eligere; ... et electam consecrandam episcopo adducant), reserviert das Recht der Messfeier an zwei Altären der Klosterkirche dem Ortsbischof, den Hebdomadaren der Kirche und anderen Klerikern mit Erlaubnis der Äbtissin (statuimus, ut ad duo altaria ... nemo celebret missarum sollempnia, nisi episcopus ipsius dioecesis et ebdomadarii) und ordnet die tägliche Messfeier am Odilienaltar durch einen Kaplan an (altari s. Odilie sacerdos ... cottidie ad ministrandum provideatur, qui ... capellani officio ... fungatur); verbietet jegliche Abgabenforderung vom Kloster (nullus ... a prefata eccl. aliquid exigere) und erlässt ein insbesondere auch gegen die Äbtissin gerichtetes Alienations und Perturbationsverbot (abbatissa bona monasterii nullo modo ... dispergat), gesteht die Absetzung der Äbtissin nach dreimaliger Abmahnung zu (semel aut bis vel ter commonita incorrigibilis ... deponatur) und begrenzt den Besitz der Hebdomadare der Klosterkirche im Klosterbereich auf die ihnen von der Äbtissin verliehenen Häuser (ebdomadarii nil in monte preter domos ab abbatissa ... concessas, possideant).

Originaldatierung:
Dat. XVI kal. Jan. pm. Udonis Tullensis primicerii et SAS canc. et bibl., a. d. Leonis IX papae II, ind. IV.
Incipit:
Visitantibus nobis pio respectu Alsatiae ...

Überlieferung/Literatur

Angebl. Orig.: 12. Jh., ca. 47 x 62 cm, Straßburg, Arch dép., G 12. Kop.: 18. Jh., Rom, Arch. Vat., Fondo Garampi XVIII fol. 236 (fragm.). Faks.: Pflugk-Harttung, Specimina II Tafel 114 (fragm.); Catalogue de l'exposition (1954) n. 27 im Anhang; Millénaire de la naissance 47; Krafft, Bene Valete 250 (fragm.). Drucke: Dionysius Albrecht, History von Hohenburg oder St. Odilien-Berg (Schlettstadt 1751) prob. 8; Schöpflin, Alsatia dipl. I 166; Würdtwein, Nova Subsidia VI 215; Grandidier, Hist. d'Alsace I pièc. just. 261; Gall. chr. V instr. 471; Migne, PL 143, 663; Spach, Saint Léon IX 17ff. (franz. Übersetzung); Joseph Meinrad Gyss, Der Odilienberg (Rixheim 1874) 219 (fragm.); Chartes originales antérieures à 1121 conservees dans le département du Bas-Rhin, hg. von Michel Parisse/Michèle Courtois (Cahiers du CRAL [Nancy 1979]) 74. Reg.: Bréquigny, Table chronologique II 48; J 3228; Pflugk-Harttung, Päpstliche Originalurkunden 565 n. 844; GP III 34 n. †1; Santifaller, Elenco 364; Catalogue de l'exposition (1954) 12 n. 27; Santifaller, LD 124; JL 4244. Lit.: Gall. chr. V 839; Höfler, Deutsche Päpste II 119f.; Spach, Saint Léon IX 12, 17ff.; Grandidier, Oeuvres inédites I 118ff.; Steindorff, Heinrich II 135; Diekamp, Päpstliches Urkundenwesen 568, 572f.; Vautrey, Hist. de Bâle I 111f., 115; Schulte, Leo IX. 85f.; Pflugk-Harttung, Scheinoriginale 432f.; Brucker, L'Alsace II 197ff.; Martin, Saint Léon 134f.; Lerche, Privilegierung 156, 172, 195; Wagner, Standesverhältnisse elsässischer Klöster 54f., 57; Clauss, Historischtopographisches Wörterbuch 813ff.; Waas, Leo IX. und Muri 245ff.; Waas, Vogtei und Bede I 153; Scherlen, Egisheim 93, 102; Scherlen, Egisheim. Dorf und Stadt 31, 43; Bloch, Klosterpolitik 190, 215, 229; Meisen, Nikolauskult 85, 507; Alfaric, Pape alsacien 61; Pfleger, Kult Leos IX. 80f., 89f.; Büttner, Studien zur Geschichte des Stiftes Hohenburg 110, 118ff., 131 (ND 209, 215ff., 223); Santifaller, Elenco 151, 157; Büttner, PUU des Elsaß 9f. (Reprint 234); Will, Reliquienaltäre 412; Crozet, Consécrations pontificales 20; Stintzi, Leo IX. Fahrten 77; Stintzi, Léon IX et l'Alsace 109, 112; Sittler, S. Léon et la trêve 122; Larose, Origines du St-Léon 25f.; Fichtenau, Arenga 104; Dubled, L'avouerie 27, 79; Barth, Handbuch elsässischer Kirchen 288, 1178, 1548f.; Garreau, Saint Léon IX 95, 107; Brakel, Heiligenkulte 267; Robison, Humberti Cardinalis 75f.; Santifaller, Apprecatio 297; Schwineköper, Christus-Reliquien 261; Legros, Mont Ste-Odile 134f.; François Pétry/Robert Will, Mont Ste-Odile (o. O. 1988) 93; Legl, Grafen von Dagsburg-Egisheim 211f.; Biller/ Metz, Anfänge der Adelsburg 246f.; Fürstenberg, "Ordinaria loci" 335; Munier, Léon IX 132, 136; Wood, Proprietary Church 370; Iogna-Prat, Maison de Dieu 381f., 386, 389; Saint-Sorny, Chartes de Bruno de Toul 137; Iogna-Prat, Léon pape consécrateur 368f., 373ff.; Dahlhaus, Urkunde, Itinerar und Festkalender 16.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. GP. Zur erwähnten Kirchweihe Leos IX. vgl. n. 846. Die Urkunde beginnt mit dem monogrammatisch gestalteten Papstnamen, wobei E und O übereinander auf dem Längsschaft des L angebracht sind. Die Gestaltung des Monogramms weicht aber von allen anderen Versionen ab (vgl nn. †648, 789, 798, †800, 840, 856, 858, †860, †863, 879, 880, 905, 919, 929, 937, 938, 950, 952, 955, 957, 959, 965, 975, 1023), was auch an der die gesamte Urkunde beherrschenden Zitterschrift liegen mag. Ebenso sind Rota, Benevalete-Monogramm und Komma außergewöhnlich gestaltet, das Datum schließlich ist in vier Zeilen zwischen Rota und Benevalete-Monogramm geschrieben. Aufgrund formaler Abweichungen und der Sprunghaftigkeit innerhalb der Dispositio erkannten Pflugk-Harttung und Büttner, Studien die Urkunde als Fälschung des 12. Jahrhunderts, allerdings nach einem echten Privileg Leos IX., was aus der Schriftgestaltung, der monogrammatischen Schreibweise des Papstnamens der Intitulatio, Datum und echtem Siegel hervorgeht. Insbesondere als falsch betrachtet Büttner die Passagen über den Besitz innerhalb der Heidenmauer, den Besitz der Hebdomadare und die Absetzbarkeit der Äbtissin; als nachträglich beigefügt dürfte weiterhin die zweite Besitzliste der Urkunde anzusehen sein, die Rosheim, Dorlisheim, Avolsheim, Sässolsheim, Blaesheim, Schaeffersheim, Oberehnheim, Illkirch, Ingmarsheim, Niederehnheim, Egisheim, Sigolsheim, Eley, Sundhausen, Ergersheim, Niederschopfheim, Gerstheim, Mittelbergheim, Dinglingen und St-Nabor umfasst (Rodesheim,Tororlfesheim, Avelsheim, Sahselsheim, Bladensheim, Scafersheim, Ehenheim, Illenchirchen, Imgemarsheim, Ehenheim, Egensheim, Sigoliesheim, Alege, Sunthusen, Argersheim, Scopfheim, Gersheim, Bercheim, Tullingen, salica terra ad s. Naborem). Ebenso wirkt die Besitzbegrenzung für die Hebdomadare am Schluss der Urkunde nachgetragen. Hinsichtlich der auch anderweitig mehrfach von Leo IX. verfügten Messreservation an von ihm geweihten Altären ist in dieser Urkunde auffällig, dass der Papst die von ihm durchgeführte Weihe der Altäre nicht erwähnt, worauf ansonsten größter Wert gelegt wird. Zudem gibt es auffällige Ähnlichkeiten mit den Privilegien für Altdorf und Andlau (nn. 957, 687). Nach GP handelt es sich um eine im 12. Jahrhundert entstandene Fälschung zugunsten des Konventes gegen Äbtissin und Hebdomadare aufgrund eines echten Privilegs und der beiden für Altdorf und Andlau. Das von GP angegebene Actum in Toul findet sich in der Urkunde nicht, es dürfte sich um einen Lesefehler aus der Angabe, dass der Datar Udo Primicerius von Toul ist, handeln.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †847, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-12-00_8_0_3_5_2_519_847
(Abgerufen am 25.05.2017).