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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. berichtet anläßlich seines Aufenhalts in seiner Bischofsstadt Toul zur Hebung der Reliquien des Bischofs Gerhard von Toul (ad transferendum de tumulo gloriosum corpus s. ... praedecessoris nostri Gerardi) (vgl. nn. 827-829) über die von Primicerius Udo bei der Synode von Vercelli vorgetragene Bitte um ein Privileg für dessen Kirche (apud Vercellas in apostolica sinodo ... adierit nostram praesentiam ... Udo, primicerius s. Tullensis eccl.) (vgl. n. 803) und bestätigt demgemäß und auf Intervention Graf Rainards (von Toul) (Rainardi comitis) den Kanonikern des Domkapitels Ste-Marieet-St-Étienne von Toul (Tullensi eccl. gloriosi protomartyris Stephani ... canonicis eiusdem sedis ... s. Mariae ... et b. prothomartyre Stephano famulantibus), aus deren Kirche er zum Papst gewählt wurde und deren Leitung er noch ausübt (de qua ad hoc apostolicum onus electi sumus ... quamque adhuc tenebamus sub nostrae ... provisionis ordinatione), mit apostolischer Autorität die Freiheit ihrer Häuser innerhalb und außerhalb der Stadt von jeglicher weltlicher Gerichtsbarkeit (confirmamus ... mansiones vestras ... ab omni banno et iustitia saeculari liberas), die Freiheit ihrer Besitzungen von Vogtei und allen Abgaben, sowie die Rechte an Dingen und Personen, wo immer letztere sich aufhalten, wie Kaiser, Könige und Bischof Gerhard sie verliehen haben (neque ... advocatiam ... exigat, quo imp. et reges et gloriosus ... s. Gerardus ... reliquerunt liberas), und das Recht des freien Besitzes ihrer Hörigen, wohin diese auch gehen (vestros homines ... liceat ... vobis ... libere possidere), verleiht den Kanonikern das Recht, einen vom Bann freien Wächter für die Weinberge am Berg Saint-Michel (bei Toul) (custodiam vinearum Barri) sowie für jede andere Herrschaft, wo sie den Zehnt besitzen, einzusetzen; er bestätigt weiterhin genannte Rechte und Besitzungen, welche teilweise aus der Seelgerätstiftung des Bischofs Gauzlin stammen (confirmamus ... quam ... praesul Gauzelinus tradididt vobis ob sui commemorationem anniversarii), die Teilhabe der Stiftsleute am Stadtbann und deren Freiheit von jeder Gewalt außer jener der Kanoniker (homines vestri ... usum banni communem ... habeant, nec ulli iustitiae saeculari nisi vestrae sunt subditi), sowie diesen die Möglichkeit, Diener aus allen diözesanen Einrichtungen für sich zu rekrutieren (si indigentia ministrorum ... vobis evenerit, liceat ... in curia episcopi vestri quoslibet assumere vel in quolibet ... episcopatus coenobio).

Originaldatierung:
Dat. Tulli in maiori ecclesia pm. Udonis Tullensis ecclesiae primicerii, canc. et bibl. SAS, XI kal. Nov., a. D. incarn. ML, ind. IV, a. apostolatus d. Leonis IX papae II.
Incipit:
Si utilitatibus sanctae matris ecclesiae ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 14. Jh., Nancy, Arch. dép., 2 F 5 fol. 6; 2) 17. Jh., London, Brit. Library, Harley Ms. 4465 fol. 565v; 3) 1710, Nancy, Arch. dép., 2 F 1 n. 5; 4) 18. Jh., Nancy, Arch. dép., G 1384 p. 2 (fragm.); 5) 18. Jh., Nancy, Arch. dép., G 1386 p. 76 (fragm.); 6) 18. Jh., Nancy, Arch. dép., G 1388 p. 61 (fragm.). Erw.: Urkunden Bischof Peters von Toul (1182) (Nancy, Arch. dép., 2 F 5 fol. 14); Bischof Matthias' von Toul (1200) (Picart, Hist. de Toul pr. 99); Gesta ep. Tullensium (MG SS VIII 645; Calmet, Hist. de Lorraine2I pr. 222f.). Drucke: Picart, Hist. de Toul pr. 121; Calmet, Hist. de Lorraine I pr. 435;2II pr. 293; Migne, PL 143, 656; Choux, Bulles de Léon IX 11. Reg.: Georgisch, Regesta I 379 n. 14 (1051 Okt. 24); Bréquigny, Table chronologique II 52; Höfler, Deutsche Päpste II 375 (1051 Okt. 22); J 3224; Duvernoy, Documents des Archives de Meurtheet-Moselle 22 n. 71; Pfister, Bullaire de Toul 188 n. 2; Santifaller, Elenco 363; Parisse, Bullaire n. †32; Santifaller, LD 124; Choux, Cathédrale de Toul 268; JL 4240. Lit.: Duhamel, Pape Léon IX 265; Delarc, Pape alsacien 335f.; Steindorff, Heinrich II 135; Brucker, L'Alsace II 186; Martin, Hist. de Toul I 204; Martin, Saint Léon 132f.; Parisot, Origines 270f.; Lerche, Privilegierung 200, 209; Bloch, Klosterpolitik 209ff., 230; Santifaller, Elenco 151; Goez, Papa qui et episcopus 51f., 58; Santifaller, Apprecatio 297; Parisse, Noblesse lorraine I 532; Vrégille, Hugues de Salins I 214; Beumann, Reformpäpste als Reichsbischöfe 31; Vrégille, Hugues 170; Dahlhaus, Rota 18; Schieffer, PUU für deutsche Domkapitel 142f.; Bönnen, Toul 52, 57, 298, 537; Wagner, Gorze 218; Johrendt, Reisen der Reformpäpste 61; Scholz, Politik 430; Dahlhaus, Das bischöfliche Wirken 52; Saint-Sorny, Chartes de Bruno de Toul 137.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Meinert, PUU in Frankreich I 100f., 113 und Choux, Bulles de Léon IX 11. Die bisher als im Text abweichende Kopie dieser Urkunde betrachtete Handschrift von 1558 in Nancy, Arch. dép., G 1338 fol. 1 (fragm.) ist lt. Dahlhaus, Das bischöfliche Wirken 52 als eigenständige Urkunde zu betrachten, vgl. n †805. Die Kopien 2) und 3) tragen die Verschreibung Leonis VIII. Auch die Angabe des Actum ist nicht üblich. Auffällig ist außerdem der ausführliche Schreibstil der Urkunde mit den Hinweisen auf die Synode von Vercelli und die Translation Gerhards von Toul, die allesamt richtig eingeordnet sind. Der Anfang des Schriftstücks stimmt wörtlich mit einem weiteren Privileg für Toul (n. †885) überein. Im Inhalt bezieht es sich weitgehend auf ein Diplom Bischof Gerhards von Toul vom 10. Oktober 971, das allerdings eine Fälschung aus dem letzten Viertel des 11. Jahrhunderts aufgrund des Privilegs Leos IX. für Poussay (n. 616) ist (Choux, Recherches 29). Das Verhältnis zwischen Stift und Stadt, wie das Privileg es regelt, ist für das 11. Jahrhundert anachronistisch; vielmehr ergaben sich diese Probleme erst im 12. Jahrhundert. Choux, Bulles de Léon IX 13 konnte wörtliche Übereinstimmungen mit einem Diplom des Touler Bischofs Peter aus dem Jahr 1182 aufzeigen und nimmt dementsprechend an, dass die Urkunde während des Episkopats dieses Bischofs (1165-1191) als Beleg für die Ansprüche des Kapitels gefälscht wurde. Die bestätigten Besitzungen finden sich in den Orten Pagny-sur-Meuse und Tantonville (Paterniaco ... Tontonis villa).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †831, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-10-22_3_0_3_5_2_503_831
(Abgerufen am 28.03.2017).