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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo (IX.) feiert Messe für seinen verstorbenen Archidiakon Petrus und führt umfangreiche Bittgebete für diesen durch.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Alexander von Canterbury, Liber ex dictis b. Anselmi, Miracula 46 (Southern/Schmitt 249). Reg.: – . Lit.: – .

Kommentar

Alexander erzählt die ihm von Anselm von Canterbury berichtete Wundergeschichte, derzufolge einige Zeit nach dem Tod des römischen Archidiakons Petrus (archidiac. Romanae eccl. nomine Petrus), in dem wohl der päpstliche Kanzler Petrus Diaconus zu sehen ist (vgl. nn. 822, 878), auch dessen Bruder, der römische iudex Stephan verstorben sei. Dieser habe im Jenseits wegen Besitzvergehen an den Kirchen der hl. Agnes und des hl. Laurentius schlimmes zu erleiden gehabt. In noch schlimmeren Verhältnissen habe er jedoch seinen Bruder, den Archidiakon Petrus angetroffen, welcher propter ... avaritiam poenis deputatus war. Dessen Erlösung von seinen Strafen sei nur möglich, wenn d. papa für ihn sacrae communionis hostiam obtulerit, et precibus constanter ... institerit. Auf die Fürbitte des von ihm zu Lebzeiten sehr verehrten hl. Praeiectus sei der Iudex Stephan daraufhin nochmals für 30 Tage in das Leben zurückgekehrt, um seine früheren Vergehen auszugleichen. Als Beglaubigung für seine Geschichte habe er eine ihm im Jenseits vom hl. Laurentius zugefügte Verletzung vorgezeigt (vgl. Lebbe, Shadow Realm between Life and Death 70ff.). Der Papst [Leo] aber habe auf seinen Bericht hin pro suo archidiac. ... intentius orare coepit et quidquid is qui reversus fuerat dicebat pro eo fieri debere persolvit. Ein Archidiakon Petrus ist genannt im Schisma 1044 nn. †303, †304 und in n. 814 auf der Reise von 1050 nach Deutschland; aber auch noch 1057 tritt ein Kleriker desselben Namens und Titels auf in n. 1392. Allerdings handelt es sich dabei möglicherweise um mehrere Personen. Ein Pfalzrichter Stephanus ist in n. 1046 im März 1053 in Leos IX. Begleitung bezeugt, tritt aber auch noch 1056 für Viktor II. bei der Burg Vitice auf (n. 1248) (vgl. Hirschfeld, Gerichtswesen der Stadt Rom 534f.). Die Zuordnung zu Leo IX. in der Quelle ist aber eindeutig: tempore b. Leonis papae fuit quidam archidiac.. Die gesamte Schilderung ist sicherlich als Wundergeschichte zu bewerten, und kann aufgrund der Lebensdaten der beteiligten Personen kaum für den Pontifikat Leos IX. zutreffen, doch basiert die Legende möglicherweise auf tatsächlich durchgeführten päpstlichen Bittgebeten für den verstorbenen Kleriker (vgl. n. 1156). Da der päpstliche Kanzler und Diakon Petrus gelegentlich als Archidiakon bezeichnet wird, ist die Geschichte evtl. auf diesen zu beziehen. Zu dessen Bruder, Richter Andreas, vgl. n. 761.15.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 824, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-10-10_1_0_3_5_2_496_824
(Abgerufen am 13.12.2017).