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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. weiht in Anwesenheit der Erzbischöfe Halinard von Lyon, Georg von Kalocsa in Ungarn und Hugo von Besançon, der Bischöfe Azelin von Sutri, Friedrich von Genf, Guido von Chalon-sur-Saône und Walter von Mâcon (Halinardus Lugdunensis archiepiscopus, Georgius Colociensis eccl. Ungrorum episcopus, Kilinus Sutriensis episcopus, Fredericus Genuensis, Guido Cabilonensis, Gualterus Matiscensis, Hugo Bisuntinus) sowie einer großen Menschenmenge einen Friedhof und in der Stephanskirche den Stephansaltar zu Ehren von Christi Himmelfahrt, der Jungfrau Maria, des Protomartyrers Stephan, des Evangelisten Johannes sowie der Martyrer Vinzenz und Agapit (consecratum est altare s. Stephani a d. Leone IX papa in honore Dominicae ascensionis, et s. Dei genitricis ... Mariae, et b. protomartyris Stephani, et s. Johannis evangelistae, et bb. martyrum Vincentii et Agapiti), wobei er Reliquien der heiligen Stephanus, Agapit und Vinzenz im Altar birgt; anschließend hält er eine Predigt, in deren Verlauf er die jährliche Feier der Weihe in allen Kirchen der Diözese festlegt, eine jährliche Wallfahrt initiiert und allen Wallfahrern einen Ablass in der Höhe eines Drittels ihrer Pönitenz verspricht, nimmt den Weihetag und dessen Vigil sowie alle Wallfahrer in den Schutz eines Gottesfriedens (ut vigilia et dies dedicationis in treugaia Dei in perpetuum haberentur, et omnes illi qui ad eamdem dedicationem ... convenirent), legt fest, dass sieben als Kardinäle zu bezeichnende Kanoniker des Domstifts auszuwählen seien, die an dem von ihm geweihten Altar in Dalmatik, Mitra, Sandalen und Pontifikalhandschuhen Messe feiern sollen, von denen der Dekan bei der Messe zusätzlich den Ring (anulo) verwenden dürfe; niemand aber dürfe dort ohne Dalmatik, welche entweder bei der Weihe oder speziell vom apostolischen Stuhl verliehen werde, die Liturgie feiern; an genannten Festtagen sollen auch Priester, Diakon und Subdiakon Mitra, Sandalen und Pontifikalhandschuhe verwenden, was ihnen an anderen Tagen untersagt sei; verbietet mit apostolischem Bann (bannum apostolicum) die Verletzung des von ihm geweihten Friedhofs und verdammt mit Zustimmung der genannten Bischöfe alle, die obige Bestimmungen missachten.

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 856; Kalendereintrag im Sakramentar Erzbischof Hugos (1060) zum 19. April (Vrégille, Hugues de Salins III 144); Bericht über das Auffinden der Agapit-Reliquie (André Castau, Catalogue général des manuscrits des Bibliothèques publiques de France XXXII Besançon [Paris 1897] 54; Vrégille, Hugues de Salins III 131-134, 134); Kopie aus dem 14. Jh. einer Weihenotiz (Vrégille, Hugues de Salins III 113); Cartulaire de Romainmôtier (Pahud, Cartulaire de Romainmôtier 104); Ordo canonicorum (Besançon, Bibl. mun., Ms. 711) fol. 224 (zitiert bei Vrégille, Hugues de Salins II 1191f.).; Urkunde Alexanders IV. (1256 März 31) (Potthast –; Charles Bourel de la Roncière/de Loye/Coulon, Registres d'Alexandre IV I [Paris 1902] 400 n. 1345). Reg.: Georgisch, Regesta I 373 n. 14 (zu 1048 Okt. 3); Höfler, Deutsche Päpste II 372; J p. 373; Forel, Régeste 97 n. 363; (Lullin/Le Fort,) Régeste Genevois 57 n. 202; Martin, Bullaire de Lyon n. 251; Chevrier/Chaume, Chartes II 251; Gall. Pont. I 48 n. 33 und 91 n. 2; Munier, Léon IX 278; Iogna-Prat, Léon pape consécrateur 380; JL I p. 538. Lit.: Chifflet, Tournus 357f.; Richard, Hist. des diocèses I 247ff.; Goecke, Landfriedensaufrichtungen 40; Delarc, Pape alsacien 330f., 372; Steindorff, Heinrich II 130, 134; Brucker, L'Alsace II 178ff., 205, 242; L'Huillier, Vie de Saint Hugues 69; Bröcking, Französische Politik Leos IX. 62f.; Sackur, Cluniacenser II 323f.; Martin, Saint Léon 128f.; Braun, Liturgische Gewandung 257; Drehmann, Simonie 35, 80; Schwartz, Bistümer Reichsitaliens 264; Paulus, Geschichte des Ablasses I 150f.; Bloch, Klosterpolitik 196; Stintzi, Leo IX. der Papst 30ff.; Crozet, Consécrations pontificales 20f.; Sittler, Leo IX. und der Gottesfriede 119; Sittler, Léon IX et la trêve de Dieu 122; Klewitz, Kardinalskolleg 33; Diener, Itinerar Hugos von Cluny 398; Saxer, Culte de Marie Madeleine 63; Salmon, Mitra und Stab 90; Bligny, L'église de Bourgogne 41f.; Hoffmann, Gottesfriede 81; Garreau, Saint Léon IX 106; Fohlen, Hist. de Besançon II 267f., 277; Brakel, Heiligenkulte 267, 277; Kundert, Erzstift Besançon 437; Ganzer, Römisches Kardinalskollegium 157; Sirch, Mitra und Tiara 77; Vrégille, Hugues de Salins I 205ff., 383, 429, 441, 499f., 525, 566, 569; Krause, Über den Verfasser 80f.; Vrégille, Hugues de Salins et la restauration 29, 33; Binz, Genève 73f.; Vrégille, Hugues 67, 79, 151f., 163ff., 289, 368f., 386f.; Horwege, Bruno von Egisheim 101f.; Locatelli, Chemins de la perfection 36; Kohnle, Abt Hugo 73f.; Beumann, Pontifikalinsignien 12ff. (ND Ders., Kirche und Reich 332ff.); Black-Veldtrup, Kaiserin Agnes 332; Hirschmann, Stadtplanung 383; Schilling, Guido 360f., 375f.; Raimond Étaix/Bernard de Vergille, Un sermon bisontin du XIe siècle pour la fête de la dédicace (Sacris erudiri 38/1998-9, 359-371) 360, 362 und passim; Galland, Bourgogne 91; Lohrmann, Papsttum und Burgund 63ff.; Dahlhaus, Privileg Alexanders II. 641; Munier, Léon IX 135; Stroll, Calixtus II 9, 35; Lauwers, Cimetière 148; Iogna-Prat, Maison de Dieu 378f., 382f.; Cantarella, Papato e riforma 39; Vrégille, Léon IX et Bourgogne 3340f.; Iogna-Prat, Léon pape consécrateur 366f., 369, 371, 374; Dahlhaus, Urkunde, Itinerar und Festkalender 13; Chauvin, Conséquences diplomatiques 37, 51.

Kommentar

Eine von Leo IX. selbst bei der Altarweihe in diesem hinterlegte Weihenotiz wurde 1674 bei einer Öffnung des Altars gefunden, ist jedoch nicht erhalten. (Vrégille, Hugues II 865f.). Ausführlich überliefert ist die Weihehandlung in der Papsturkunde, kurz erwähnt in dem etwa gleichzeitigen (Vrégille, Hugues de Salins I 525) Fundbericht über die Agapit-Reliquie, detailliert nacherzählt in der Weihenotiz, deren Abschrift aus dem 14. Jahrhundert stammt, die jedoch nach Castaus (55) und Vrégilles (II 868ff.) Ansicht am Ende des 11. Jahrhunderts verfasst oder überarbeitet wurde; das Chartular von Romainmôtier tradiert das Datum, der Ordo canonicorum Weihe, Datum und einen Hinweis auf die Privilegien. Das genaue Datum, allerdings ohne Jahresangabe, ist in der Weihenotiz überliefert: V non. Oct. (Vrégille, Hugues de Salins III 113; in der Edition Castaus ist zusätzlich das Jahr genannt: A. ab. incarn. MXLVIII), weniger präzise ist die Angabe im Chartular von Romainmôtier: eccl. s. Stephani ... Bisontiensis ... ab ipso s. papa dedicata est, quod ... VII die huius rei completum est; der Satz bezieht sich auf die Vorgänge in Romainmôtier, wo der Papst sich am 27. September 1050 aufgehalten hatte (n. 816). Die Weihe in Besançon fand demnach am 7. Tag nach jenem Ereignis statt, am 3. Oktober 1050. Zum selben Datum führt der Ordo canonicorum die Weihe an. Das Zitat aus dem Chartular sagt allerdings aus, dass der Papst nicht nur den Altar, sondern die gesamte Kirche geweiht habe, was auch der Fundbericht über die Agapit-Reliquie behauptet, doch ist ansonsten nur von der Altarweihe die Rede; in der Notiz ist auch die Weihe des Friedhofs noch erwähnt: cimiterium, quod ipse ibidem sacraverat. Die ausführlichsten Nachrichten über den Aufenhalt des Papstes finden sich in der Weihenotiz, die weitgehend mit der Papsturkunde übereinstimmt. Beide Dokumente nennen dieselben anwesenden Bischöfe; die Notiz führt jedoch alle Heiligen an, denen der Altar dediziert wurde – während das Privileg nur vom Stephansaltar redet – und nennt als im Altar geborgene Reliquien das Haupt des hl. Agapit, den Arm des hl. Stephan und zwei Dornen, mit denen der hl. Vinzenz gefoltert wurde. Die Stephans und Agapitreliqiue sind auch in der Bulle angeführt, letztere zusätzlich im Fundbericht. Problematisch ist der in der Weihenotiz angeführte Ablass; in der Mitte des 11. Jahrhunderts ist dieser noch nicht üblich. Daher nimmt Vrégille (II 868ff.) an, dass der Papst bei der Feierlichkeit den Gläubigen eine Generalabsolution erteilt habe, die bei der Redaktion der Urkunde Ende des 11. Jahrhunderts als Ablass ausgelegt worden sei. Von Bedeutung ist weiterhin die Tatsache, dass Leo IX. den Weihetag als Festtag für die gesamte Diözese konstituierte, was er auch für die von ihm geweihte Kirche in Reims festgelegt hatte (n. 766), und die Pilger unter den Schutz des Gottesfriedens stellte (vgl. nn. 621, 766). Wie im Zusammenhang mit anderen von ihm durchgeführten Weihen überträgt der Papst auch nach Besançon die Institution von sieben Kardinälen, wie sie im Lateran gebräuchlich war. Diese dürfen an dem von ihm geweihten Altar mit Dalmatik, Mitra, Sandalen und Pontifikalhandschuhen Messe feiern (laut der Weihenotiz), während das (sicher korrektere) Privileg Leos IX. nur Dalmatik und Sandalen als liturgische Gewänder erwähnt. Doch auch der Ordo canonicorum überliefert, dass der Papst die Feier der Liturgie mit Mitra und Sandalen angeordnet habe: habeantes mitras in capite Romano more. Induti etiam omnes sandalis sicut constitutum est per manum d. Leonis papae (Vrégille II 1191f.). In der einige Monate nach der Weihe ausgestellten Papsturkunde (n. 856) ist demnach nur ein Teil der Gewänder angeführt oder die Tradition der privilegierten Kirche hat einige weitere liturgische Gewänder hinzu erfunden. Die Feiertage, an welchen die liturgischen Privilegien wirksam sein sollten, sind die von Leo IX. in dem Privileg (n. 856) genannten. Noch im 17. Jahrhundert wurde in Besançon ein Messgewand aufbewahrt, welches der Papst bei der Durchführung der Weihe getragen und anschließend der Kirche geschenkt hatte (Vrégille I 211, II 871). Zu Georg von Kalocsa vgl. Csóka, Benediktinisches Mönchtum in Ungarn 47, 75f. Vrégille, Hugues Planche IX zeigt die "Rose" des von Leo IX. geweihten Altares, dazu ebd. 166.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 820, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-10-03_1_0_3_5_2_492_820
(Abgerufen am 24.06.2017).