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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. bestätigt dem Kloster St-Oyendde-Joux (sacrae congregationi religiosae monasterii s. Eugendi et per vos in eodem monasterio) (D. Lyon) auf Bitte des (Abts Jotsald) (religiositas tua nostro suggerit apostolatui) zahlreiche genannte Besitzungen (in den Erzbistümern Lyon und Besançon), den Gauen Austadiorum, Bar, Latisense, Nevers und Vienne sowie in den Grafschaften Gap, Avignon, Arles, Uzès, Genf und Albanensi, Guscia und der Provence (munimus, stabilimus, sanccimus ... confirmantes res: in pago Austadiorum ... Barrensi ... Latisense ... Nibernense ... Viennensi ... in comitatu Wapiciense ... Avioniense ... Aralatense ... Uzedii ... in Guscia vel in Provincia ... in Genevensi seu Albanensi comitatibus) und erlässt ein Perturbationsverbot.

Originaldatierung:
Dat. VI id. Sept. pm. Petri diac. bibl. et canc. SAS a. d. Leonis IX papae II, ind. IV.
Incipit:
Convenit apostolico moderamini pia religione ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 11. Jh., Montmorot/Lonsle-Saunier, Arch. dép., 2 H 1, 17 (nicht auffindbar; Foto Artem 958) (fragm.); 2) 1492, Besançon, Bibl. mun., Ms. 766 fol. 11v (fragm.); 3) 17. Jh., Berlin, StBibl., Preußischer Kulturbesitz Ms. Phillipps 1757/II fol. 19; 4) 17./18. Jh., Brüssel, Bibl. royale de Belgique, Ms. 8287-8290 fol. 96v (fragm.). Drucke: Bernard de Vrégille, Les droits de l'archevêque sur Besançon (9e14e siècles) (Besançon 1977 masch.) 58 (nach dem angeblichen und im Text weithin identischen Original eines Papstes Johannes); Gérard Moyse, Deux couples de privilèges pontificaux du XIe siècle pour Saint-Claude. Léon IX (1050) et Jean (faux), Pascal II (mars et avril 1100) (L'acte pontifical et sa critique, hg. von Rolf Grosse [Studien und Dokumente zur Gallia Pontificia 5, Bonn 2007] 31-50) 39. Erw.: Inventar (1492) in Besançon, Bibl. mun., Ms. 766 fol. 11v, vgl. Wiederhold, PUU in Frankreich I 15 (ND I 15); 15. Jh., Paris, Bibl. nat., Ms. nouv. acq. lat 1558 fol. 2. Reg.: Vrégille, Hugues de Salins II 856f.; Tock, Diplomatique française I 170, 334; Moyse, Deux couples de privilèges 36 n. 4. Lit.: Wiederhold, PUU in Frankreich I 15 (ND I 15); Vrégille, Hugues de Salins II 856; Vrégille, Hugues de Salins et la restauration 35; René Locatelli, Le renouveau de Saint-Claude aux XIe et XIIe siècles (Soc. d'Émulation du Jura. Traveaux présentés 1983 et 1984, 393-422) 403; Dahlhaus, Rota 18, 63; Locatelli, Chemins de la perfection 46ff.; Moyse, Deux couples de privilèges 31f.; Vrégille, Léon IX et Bourgogne 334f.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Moyse und Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 292f. In dem angeführten Inventar (Kopie 3) ist eine Urkunde Leos IX. für St-Claude (das später St-Oyendde-Joux genannt wurde) erwähnt: bulle de privilege ouctroyez à l'église de Sainct Claude par pape Léon neufviesme de ce nom, contenant poly spirituel et temporel et confirmation de privilege, signe du pape et des cardinalx. Wiederhold will die erwähnte Urkunde nicht ohne weiteres dem in der Quelle angeführten Leo IX. zuweisen; Unterzeichnungen der Kardinäle in Besitzbestätigungen kommen in dessen Pontifikat auch noch nicht vor, es sei denn, es handle sich um Konzilsdokumente. Außerdem ist die Liste der Besitzungen ungewöhnlich lang und umfangreich; die Kopie 1) wird von Moyse als das Scheinoriginal der Urkunde eines Johannes-Papstes für St-Oyend identifiziert (Moyse, Deux couples de privilèges 36 n. †1), das aufgrund der Urkunde Leos IX. für das Kloster gefälscht worden und deshalb mit diesem in allen erhaltenen Teilen identisch sei. Für die Urkunde Leos IX. ist neben den beiden Erwähnungen in Archivkatalogen des 15. Jahrhunderts (Kopien 3 und 4) nur ein sicherer Textzeuge überliefert in der Abschrift des Père Chifflet (Kopie 2), der das Dokument nach dem Original transskribiert hat, was sein Hinweis auf Rota und Benevalete-Monogramm zu bestätigen scheint. Chifflet bezeichnet aber die Urkunde in AASS Juni I 649 Anm. f. als Textzeuge für die Urkunde eines Johannes-Papstes zugunsten Abt Claudius' von St-Oyendde-Joux. Die Auffälligkeiten der Besitzliste weiß Locatelli durch früheren Besitz des Klosters zu erklären. Plausibler ist allerdings die auch von der Handschrift Berlin durchgeführte Zuordnung zu einem Leo-Papst. Dafür spricht auch die dem Kanzleiformular dieser Zeit entsprechende Urkunde sowie der Umstand, dass Leo (IX.) als Zeitgenosse des Abtes Jotsaldus, des (Königs) Henrici (III.) sowie eines Nandradus in der Chronik von St-Claude angeführt ist, während ein Papst namens Johannes in diesem Dokument nicht genannt wird (Ulysse Robert, Chronique de Saint-Claude [XIIe siècle] [BECh 41/1880, 561-569] 568). Zudem war Abt Jotsald von St-Claude 1051/52 Begleiter Hugos von Cluny als Legat Leos IX. in Ungarn (n. 936). Auf die Tatsache, dass Leo IX. tatsächlich ein Privileg für das Kloster ausgestellt hat, deutet auch die korrekte Datierungszeile hin, die darauf verweist, dass das Stück im Verlauf der zweiten Nordreise des Papstes ausgegeben wurde, als er sich nach dem Konzil von Vercelli in die Gegend des Klosters aufmachte.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 810, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-09-08_1_0_3_5_2_482_810
(Abgerufen am 19.08.2017).