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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. bestätigt dem Kloster S. Pietro in Ciel d'Oro bei Pavia unter dem vom Papst geweihten (a nostra apostolica sede consecratus es) (n. †222) Abt Balduin (Balduino ... abbati monasterii s. Petri, quod dicitur Caelum Aureum, positum iuxta Ticinensem urbem) wunschgemäß die Rechte und Besitzungen, welche es zur Zeit der Klostergründung durch den (Langobarden) König Liudprand und des Papstes Leo (I.) als Grabkloster des heiligen Augustinus innehatte (confirmamus ad honorem ... s. Augustini cuius ... corpus in vestra eccl. ... reconditum est ... modo quo fuit temporibus Liuprandi regis ... et Leonis s. recordationis papae); verbietet die Belästigung des Klosters sowie die Ausübung bischöflicher Funktionen im Klostergebiet ohne Erlaubnis des Abts (corroborantes decernimus, ut nullus episcopus ... pro aliqua ordinatione seu pro synodo sive consecratione ... missarumque celebratione ... venire presumat) und gestattet den Mönchen, jedes beliebige Amt anzunehmen (liceat monachis ... cuiuscumque voluerint honoris gradum suscipere) sowie die freie Wahl des vom Papst zu weihenden Abts (abbates ... de ipsa congregatione cum consilio fratrum ... ad benedicendum ... nobis ... deferantur); bestätigt allen dem Kloster unterstehenden Kirchen das österliche Taufrecht sowie die Erlaubnis, das Chrisma von beliebigen Bischöfen einzuholen (baptismum ... celebrari statuimus; chrisma ... a quocumque ... presule ... possunt suscipere), gestattet den Äbten den Gebrauch von Dalmatik, liturgischen Sandalen samt Strümpfen und Handschuhen sowie das Recht, sich auf Reisen eine Schelle vorantragen zu lassen (confirmamus et corroboramus ... usum dalmatice, sandalium cum udonibus ... necnon cirothecarum et etiam licentiam in itinere feriendi tintinnabulum), und erlässt ein Perturbations und Alienationsverbot.

Originaldatierung:
Dat. VII kal. Sept. pm. Petri diac. bibl. et canc. SAS a. d. Leonis IX papae II, ind. IV.
Incipit:
Desiderium quod religiosorum prepositorum et ...

Überlieferung/Literatur

Angebl. Orig.: ca. 1150, ca. 44 x 69 cm, Mailand, Arch. di stato, Museo diplomatico, Cartella 17 n. 355/685. Kop.: 1) 1200, Mailand, Arch. di stato, Museo diplomatico, Cartella 17 n. 355/685; 2) 14. Jh., Piacenza, Arch. di stato, Raccolta di atti costitutivi della antica communità, Registrum parvum fol. 179v; 3) 17. Jh., Pavia, Bibl. dell'Univ., Ms. Ticinesi 32 fol. 22v; 4) 17. Jh., Mailand, Arch. di stato, Fondo di religione, cart. 6129 fol. 16; 5) 17. Jh., Pavia, Bibl. dell'Univ., Ms. Pavesi 182, fol. 631 (fragm) (nicht eingesehen). Erw.: Urkunde Alexanders II. (1070 Nov. 6) (JL 4679; IP VI/1 195 n. 6) (Pflugk-Harttung, Acta II 111). Faks.: Pflugk-Harttung, Specimina II Tafel 114 (fragm.); Krafft, Bene Valete 250 (fragm.). Drucke: Pflugk-Harttung, Acta II 73; Schroth-Köhler, Fälscherwerkstatt 169; Ettore Falconi/ Roberta Peveri, Il "Registrum magnum" del comune di Piacenza II (Mailand 1985) 294. Reg.: Giuseppe Robolini, Notizie appartenenti alla storia della sua patria I-IV (Pavia 1823-1833) II 111, 255; J 3218; Pflugk-Harttung, Päpstliche Originalurkunden 565 n. 843; IP VI/1 194 n. 5; Kopczynski, Arengen 56; Santifaller, Elenco 362; Capitani, Imperatori e monasteri 477; Santifaller, LD 123; JL 4233. Lit.: Delarc, Pape alsacien 295; Brucker, L'Alsace II 129; Maiocchi/Casacca, Cod. dipl. ordinis s. Augustini Papiae I XXIII; Braun, Liturgische Gewandung 368, 398; Bloch, Klosterpolitik 240ff.; Capitani, Imperatori e monasteri 469f.; Carlrichard Brühl, Der ehrbare Fälscher. Zu den Fälschungen des Klosters Pietro in Ciel d'Oro zu Pavia (DA 35/1979, 209-218) 216; Schroth-Köhler, Fälscherwerkstatt 71, 73ff.; Kölzer, Studien 91; Giovana Forzatti Golia, Le strutture ecclesiastiche in età medievale (Diocesi di Pavia [Brescia 1995] 117-155) 120; Ansani, Scisma delle due badesse 50; Dahlhaus, Urkunde, Itinerar und Festkalender 16.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Kaltenbrunner, PUU in Italien 634, 636, 638f., Kehr, PUU in Parma 15 (ND Ders., PUU in Italien II 231), IP, Falconi/Peveri und Schroth-Köhler, Fälscherwerkstatt 169. Die Originalnachbildung zeigt alle Merkmale der echten Urkunden Leos IX. Der Papstname ist in monogrammatischer Schreibweise dargestellt, wobei E und O übereinander auf dem vertikalen Balken des L platziert sind (Litterae columnatae) (vgl. Frenz, Graphische Symbole 403) (vgl. nn. †648, 789, 798, 840, †847, 856, 858, †860, †863, 879, 880, 905, 919, 929, 937, 938, 950, 952, 955, 957, 959, 965, 975, 1023), das Schriftbild entspricht demjenigen anderer Urkunden dieses Papstes, im Eschatokoll ist eine korrekte Rota von einem nicht kanzleigemäßen Benevalete begleitet, während das Komma nur in Form von drei Haken, ohne großen Abschlussbogen dargestellt ist. Die Datierung durch Kanzler Petrus entspricht der sonst üblichen, allerdings stimmt die 4. Indiction nicht mit dem übrigen Datum überein, denn diese begann nicht am 26. August, sondern erst am 1. September 1050. Allerdings ist dieser Rechenfehler nicht schwerwiegend. Gravierender sind einzelne Beobachtungen im Schriftbild, die den Eindruck aufkommen lassen, dass eine Vorlage möglichst genau wiedergegeben werden soll (Rota; Benevalete; Komma; die vor und hinter Rota, sowie hinter dem Benevalete ausgeführte Datumszeile). Schroth-Köhler stellte fest, dass von derselben Hand auch DHII. 251 (Bresslau/Bloch, MG Dipl. III 289) stammt. Obige Beobachtungen belegen, dass Leo IX. dem Kloster eine Urkunde ausgestellt hatte, welche nach Schroth-Köhler 75 vermutlich nicht nur für deren interpolierte Version, sondern auch für die Fälschung auf Johannes XV. (986 Jan. 25) (JL 3826; IP VI/1 193 n. †2; Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. †657) (Zimmermann, PUU I 561), die mit dieser Urkunde fast wörtlich übereinstimmt, als Vorlage diente. Welcher Papst Leo in der Urkunde angesprochen ist, kann nicht endgültig entschieden werden, da Urkunden eines Papstes diesen Namens vor Leo IX. nicht überliefert sind. Auffälligerweise steht an der entsprechende Stelle des Privilegs Johannes' XV.: Johannis papae. Der Text des Privilegs folgt in weiten Teilen der LD Formel A 89, weicht von dieser jedoch weiter ab als die Urkunde Gregors V. (996 Okt. 11) (JL 3871; IP VI/1 194 n. 4; Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. †773) (Zimmermann, PUU II 652). Alle drei gefälschten Papsturkunden stehen in einem inneren Zusammenhang, wobei die Leo-Urkunde den beiden anderen als Vorlage diente, jedoch vermutlich in ihrer echten Form. Inhaltlich auffällig an der Urkunde Leos IX. ist das Taufrecht, welches Eugen III. dem Kloster erstmals in einer echten Urkunde verliehen hat (1148 Juli 7) (JL 9280; IP VI/1 199 n. 20) (Pflugk-Harttung, Acta III 88), die gehäufte Verleihung von Pontifikalien, insbesondere udones, cirotheca und tintinnabulum sowie die hypertrophe Gestaltung der Sanctiones. Weiterhin ist die Formulierung, welche den Ortsbischof von allen Amtshandlungen im Kloster ausschließt, in dieser Form – mit Aufzählung der einzelnen Weihen – ungewöhnlich, ebenso der Satz, der allen Mönchen die Ausübung beliebiger Ämter gestattet. Diese Rechte wurden wohl im 12. Jahrhundert im Streit mit dem Bischof in eine echte Urkunde Leos IX. interpoliert, welche der Papst auf dem Weg zur Synode von Vercelli für das Kloster ausgestellt hatte.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †800, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-08-26_1_0_3_5_2_472_800
(Abgerufen am 25.09.2017).