Regestendatenbank - 182.315 Regesten im Volltext

RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

Sie sehen den Datensatz 470 von insgesamt 1068.

Papst Leo IX. bestätigt dem Kloster S. Salvatore in Isola bei Borgonuovo (Monteriggione) (D. Volterra) unter Abt Bonactus (filio Bonatto, abbati monasterii s. Salvatoris in insula, positi apud burgum novum) wunschgemäß und auf Intervention der mit ihm verwandten Markgräfin Beatrix (von Tuszien) (inclinati precibus tuis ... interventu neptis nostre, Beatricis ducatricis) den apostolischen Schutz (sub scuto nostre apostolice sedis constituimus... sub tutela et defensione nostrae apostolicae sedis) sowie den gesamten Besitz, belegt Zuwiderhandelnde mit dem Anathem, verbietet die Weihe des Abtes oder eines Mönchs durch einen simonistischen oder verbrecherischen Bischof (ne ullus umquam abbas vel monachus eiusdem monasterii a symoniaco ordinetur vel capitali crimine polluto), räumt für diesen Fall die freie Wahl des Konsekrators ein und erlässt ein Perturbations und Alienationsverbot.

Originaldatierung:
Dat. XIV kal. Augusti pm. Petri, diac., bibl. et canc. SAS a. d. Leonis IX papae II, ind. III.
Incipit:
Convenit apostolico moderamini, pia religione ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: ca. 45 x 70 cm, Siena, Arch. di stato, Diplomatico Monastero S. Eugenio 1050 Juli 19, casella 10. Kop.: 1) 1196, Siena, Arch. di stato, Diplomatico Monastero S. Eugenio 1050 Juli 19, casella 10; 2) und 3) 18. Jh., Siena, Bibl. com., Cod. B VI 10 fol. 169v (olim: 171v) und 175v (olim: 177v) (fragm.). Faks.: Pflugk-Harttung, Specimina I Tafel 19 (fragm.); Krafft, Bene Valete 250 (fragm.). Drucke: Pflugk-Harttung, Acta II 72; Paolo Cammarosano, Abbadia a Isola (Castelfiorentino 1993) 227 n. 23. Reg.: Kaltenbrunner, PUU in Italien 650 n. 3216a; Pflugk-Harttung, Iter Italicum 187 n. 104; Pflugk-Harttung, Päpstliche Originalurkunden 497 n. 44 und 565 n. 841; Lisini, Inventario del Diplomatico 516; IP III 310 n. 1; Schneider, Regestum Senense 17 n. 46; Falce, Bonifacio di Canossa II 127 n. 62; Kopczynski, Arengen 37; Santifaller, Elenco 362; Santifaller, Geschichte der Beschreibstoffe 91 n. 42; Kurze, Der Adel und das Kloster San Salvatore 533 n. 22; Capitani, Imperatori e monasteri 478; Goez, Reformpapsttum in der Toscana 219, 223; Santifaller, LD 123; Dahlhaus, Rota 67 n. 13; Goez, Beatrix von Canossa 199 n. 4h; JL 4231. Lit.: Blumenstock, Päpstlicher Schutz 62; Kehr, Petrus diaconus 502ff. (ND Ders., PUU in Italien I 441ff.); Kehr, Scrinium 82f. (ND Ders., Ausgewählte Schriften 142f.); Falce, Bonifacio di Canossa I 204f.; Bloch, Klosterpolitik 232, 235, 237; Santifaller, Elenco 156, 158; Constable, Monastic Tithes 215; Boesch-Gajano, Tradizione vallombrosane 170; Kurze, Der Adel und das Kloster San Salvatore 473ff.; Capitani, Imperatori e monasteri 440, 443f.; Goez, Reformpapsttum in der Toscana 219f., 223, 227; Dahlhaus, Rota 19f.; Ceccarelli Lemut, I Canossa e i monasteri 147f.; Goez, Beatrix von Canossa 19, 125ff., 131, 147; Frech, Urkunden Leos IX. 172; Hägermann, Papsttum am Vorabend des Investiturstreits 184.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Kaltenbrunner, PUU in Italien 642, Kehr, Bolle negli archivi senesi 10 (58), 17 (65) (ND Ders., PUU in Italien I 460, 467), IP und Goez 199. Die Urkunde ist im Original und einer Originalnachbildung überliefert, die nur in der Rota und der im Duktus des Hauptkörpers geschriebenen Datierung von der Vorlage abweicht. Die erste Zeile ist in vergrößerter Zierschrift abgefasst, der Rest in fränkischer Minuskel. Der Papstname ist monogrammatisch dargestellt, und zwar in der Form, dass E und O auf dem vertikalen Balken des L platziert sind (Litterae columnatae) (vgl. Frenz, Graphische Symbole 403) (vgl. nn. †648, 789, †800, 840, †847, 856, 858, †860, †863, 879, 880, 905, 919, 929, 937, 938, 950, 952, 955, 957, 959, 965, 975, 1023). Auf der Plica findet sich der nach Kehr, Petrus diaconus vom Chef der päpstlichen Kanzlei selbst verfasste rätselhafte Vers Ante meus flavis, auf der Rückseite der Urkunde zwei an Ovids Tristien I 8, 1 angelehnte Verse: In caput ante suum labentur flumina retro Quam sese scripto conferat Oddo mihi. Nach Kehrs Überlegungen handelt es sich bei dem Oddo, über dessen Schreibkünste Petrus Diaconus sich lächerlich macht, um den Primicerius Udo von Toul, der evtl. schon zur Zeit der Ausstellung des Dokumentes als Nachfolger des alten Kanzlers vorgesehen war. Ausgestellt wurde das Privileg 1050 während des päpstlichen Aufenthaltes in der Toskana im Verlauf der Reise nach Vercelli. Hervorzuheben ist die Intervention der als Nichte des Papstes bezeichneten Canusiner Markgräfin (vgl. n. 557), die um Mitte Juli den Papst begleitet haben muss (vgl. n. 797). Inhaltlich wird das Kloster samt seinen Besitzungen in den Schutz genommen; nach den Überlegungen von Kurze und Goez erfolgte diese Maßnahme vorrangig gegenüber der Gründerfamilie. Die antisimonistische Bestimmung entspricht der Denkweise des Papstes. Nachurkunden mit überwiegend wörtlicher Wiederholung sind die Urkunden Nikolaus' II. (1060 Jan. 17) (JL 4427; IP III 310 n. 2) (Pflugk-Harttung, Acta II 90) und Alexanders II. (1062 Dez. 31) (JL 4493; IP III 311 n. 3) (Pflugk-Harttung, Acta II 96). An der Echtheit besteht kein Zweifel.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 798, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-07-19_1_0_3_5_2_470_798
(Abgerufen am 13.12.2017).