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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo (IX.) (Leo s. Romanae eccl. episcopus, servus servorum Dei) beauftragt Erzbischof Halinard von Lyon, Bischof Pontius von Valence und Graf Guigo (von Graisivaudan) (Halinardo Lugdunensi archiepiscopo, Poncio episcopo eccl. Valentine, Guigoni comiti) mit dem Schutz der Besitzungen des vom hl. Bernhard an der Isère gegründeten und dem römischen Stuhl geschenkten Klosters (St-Barnard) in Romans in der Erzdiözese Vienne (precepimus vobis ... ut prohibeatis iniustas invasiones ... de abbatia nostra, que dicitur Romana quam s. Barnardus condidit super fluvium Isaram in archiepiscopatu Viennensi in honore s. Petri ... consecravit et s. Petro et Romane eccl. in heriditate donavit) und der Unterstützung der Kanoniker bei der Rekuperation der Kirchen St-Étienne in Bathernay und St-Genet in Vinay sowie ihnen entfremdeter Güter in den Bistümern Lyon, Vienne, Valence und sonst überall (volumus ... ut adiuvetis ... canonicos ... ut possint recuperare bona ... eccl. s. Stephani de Basterniaco et s. Genesii de Vinniaco ... in episcopatu Lugdunensi ... Viennensi ... Valentinensi); Erzbischof Leodegar von Vienne (Leudegario archhiepiscopo Viennensi) wird angehalten, die Adressaten zu ermahnen und die von seinen Vorgängern der Abtei entzogenen Güter zu restituieren (nn. 761.12), damit das Kloster den Besitz genießen kann, welchen die Päpste Eugen (II.) und Paschalis (I.) dem Erzbischof Bernhard bestätigt haben (sicut Eugenius papa atque Pascalis supradicto Barnardo archiepiscopo ... concesserunt), und bestätigt die mit einem Rekognitionszins verbundene römische Freiheit unter Wahrung der Rechte der Vienner Kirche (sub Romana libertate ... salva debita subiectione eccl. Viennensi).

Incipit:
Precipimus vobis ex parte sancti ... Actum Rome pm. Petri sacri palatii canc., in eccl. Salvatoris que apellatur Constantiniania, in publica synodo LXXII pontificum, V non. Mai. Bene valete.

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 12. Jh., Valence, Arch. dép., 3 G 520 (Cart. de Romans) fol. 9v; 2) 1790, Château des Clermonts (Drôme), Coll. Giraud-Jordan (Kopie von 1; nicht eingesehen; zitiert nach Gall. Pont.); 3) 1728, Grenoble, Bibl. mun., R. 9102 fol. 24 (nicht eingesehen; zitiert nach Gall. Pont.). Erw.: n. †782. Drucke: Charvet, Hist. de la sainte église de Vienne 292 (franz. Übersetzung); Giraud, Essai historique pr. 4; Chevalier, Cartulaire 111; Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 275 (fragm.). Reg.: Martin, Bullaire de Lyon n. 249; Chevalier, Régeste dauphinois I 1882; Boye, Quellenkatalog 86; Santifaller, Elenco 360; Chevrier/Chaume, Chartes II 251; Schilling, Guido 626, vgl. 651 n. 37; Gall. Pont. III/1 265 n. †8 und 339 n. †5; JL 4220. Lit.: Gall. chr. XVI 303; Giraud, Essai historique 45ff.; Perrossier, Recherches sur les évêques (14/1880) 383ff.; Gundlach, Arles und Vienne 174f.; Bloch, Klosterpolitik 210, 214; Boshof, Traditio Romana 23f.; Szabó-Bechstein, Libertas 91f.; Anton, Frühe Stufen der Kirchenreform 265; Dahlhaus, Rota 43; Schieffer, Freiheit 56f.; Schilling, Guido 170ff., 174ff., 181, 183ff., 187ff., 196ff., 200f., 209ff., 213, 215, 217ff., 234f., 238, 622f.; Schilling, Gregor VII. und Romfreiheit 16ff. und passim; Schrör, Iussit eum papa Rome residere 44f.; Vrégille, Léon IX et Bourgogne 333f.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Wiederhold, PUU in Frankreich III 15 (ND I 259) und Font-Réaulx, Lettres pontificales 70. Die Adressaten werden um Unterstützung des Konvents bei den Rekuperationen gebeten, weil die entfremdeten Güter in ihren Diözesen bzw. in ihrem Herrschaftsbereich liegen. Gründer des Klosters war Erzbischof Bernhard von Vienne (ca. 810-842 vgl. Giraud, Essai historique XLIff., 1ff.), der auch Ambronay gegründet hat (n. 765). Nach der Aussage des Reskriptes soll bereits der Gründer die Abtei dem apostolischen Stuhl kommendiert haben, was allerdings lt. Giraud 7f. und 46 auf einem Irrtum des Konvents beruht. Die erste Erwähnung einer Kommendation des Klosters durch den Gründer an die römische Kirche findet sich in einer Anordnung Erzbischof Leodegars von 1049 Mai 9 (Giraud, Essai historique pr. 194) (Et quia locus idem a Roma Romanis est dictus et a s. Bernardo s. Petro et Romanae eccl. est donatus ...). Wie Schilling nachweisen konnte, entstammt die Behauptung der Tradition des Klosters an den hl. Petrus durch den Gründer einer zweiten verfälschenden Überarbeitung des Urkundentexts, welche über die auch in n. †782 vorliegenden Interpolationen hinausgeht (zu äußeren Verdachtsmomenten vgl. ebda.). Wie in jenem Dokument wurden auch hier die Rechte, welche das Eigentum des hl. Petrus beweisen sollen (libertas Romana, Zinspflicht, Beteiligung des Papstes an der Propstwahl) eingefügt; auf Verfälschung deuten weiterhin das Recht auf den Nießbrauch der Schenkungen an die römische Kirche sowie die Bezeichnung des Vienneser Eigenklosters als abbatia nostra durch den Papst hin; auch die Intitulatio entspricht nicht dem Formular. Trotz dieser Fälschungsindizien sind auch Hinweise auf eine echte Vorlage im Urkundentext vorhanden; als solcher ist der Appell an die Adressaten anzusehen, das Kloster bei den Rekuperationen zu unterstützen. Kaum denkbar ist auch die päpstliche Billigung von Privathäusern der Kanoniker in der Zeit nach der gregorianischen Reform. Aus der echten Vorlage stammt auch eine der beiden namentlich genannten Kirchen, nämlich St-Genet in Vinay, die 1051 März 25 tatsächlich restituiert wurde (Chevalier 115), während die Nennung der um die Mitte der 90er Jahre strittigen Besitzung St-Étienne in Bathernay einen Rückschluss auf den Zeitpunkt der Fälschung erlaubt. Die beiden in dem Dokument genannten alten Papsturkunden sind nicht erhalten (Paschalis [I.] [JE ; Gall. Pont. III/1 263 †*1] und Eugen [II.] [JE ; Gall. Pont. III/1 263 †*2]) und wohl aufgrund der Schreiben (JE 2549 und JE 2563) für das Bistum Vienne erfunden. Über Gundlach hinausgehend, der die Romaneser Tradition als Fälschung der Mitte des 11. Jahrhunderts verdächtigt hatte, konnte Schilling die Verfälschung des Urkundenbestandes (nn. 767, 769-†782) und dieses (ursprünglich in echter Vorlage vorhandenen) Dokumentes in mehreren Schritten seit ca. 1090/95 nachweisen. Schilling, Gregor VII. und die Romfreiheit geht jetzt davon aus, dass die Aussage über die libertas Romana bereits in der echten Vorlage Leos IX. enthalten war, jedoch ohne Bezug zur römischen Kirche, sondern unter deren Assoziation als ein Wortspiel der Romanensis libertas. Die – nicht ganz korrekte Datierung (Petrus als sacri palatii canc.) – diente als Vorlage bei der Fälschung der Datierung von n. †788.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †783, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-05-03_8_0_3_5_2_455_783
(Abgerufen am 23.10.2017).