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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo (IX.) dispensiert König Edward (d. Bekenner) von England (Edwardo Anglorum regi) wunschgemäß mit Billigung der (römischen) Synode (des Jahres 1050) (n. 761.17) von einer gelobten Pilgerfahrt (nach Rom) wegen dadurch für sein Reich entstehender Gefahren (quia constat periclitari regionem Anglicam ex tua discessione ... auctoritate Dei et ss. apostolorum et s. synodi absolvimus te a peccato illius voti) unter der Bedingung, dass er mit dem für die Reise zu verwendenden Geld ein Peterskloster (in Westminster) gründen oder erneuern soll (precipimus tibi ... ut expensas ... pauperibus eroges et cenobium monachorum in honore s. Petri ... aut novum construas aut vetustum augeas), bestätigt dem zu gründenden Kloster, das keinem anderen Laien als dem König selbst unterstehen dürfe (nulli laici persone nisi regi subdatur) von vornherein pauschal dessen Besitz, Freiheit und Gebräuche (nostrum ... tutamen atque iuvamen promittimus ... omnia que ... perhibuntur ... libera apostolica auctoritate precipimus, stabilimus ... corroboramus ... libertatem perpetualiter ei donantes concedimus ... leges, ceremonie et decreta) und erlässt ein Alienationsverbot.

Incipit:
Quoniam voluntatem tuam laudabilem et ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: I. Lange Version: 1) Anf. 14. Jh., London, Westminster Abbey, Muniment Book XI fol. 44; 2) 14. Jh., London, Brit. Library, Cotton Ms. Faustina A III fol. 115. II. Kurze Version: 1) 12. Jh., Cambridge, Corpus Christi College, Cod. 'CCC 161 n. 16 fol. 117v; 2) Ende 12. Jh., London, Brit. Library, Cotton Ms. Vespasian B XI fol. 90v; 3) Anf. 13. Jh., London, Brit. Library, Arundel Ms. 63 fol. 8; 4) 13. Jh., London, Lambeth Palace, Ms. 138 fol. 185v; 5) 14. Jh., London, Brit. Library, Cotton Ms. Faustina A III fol. 26v; 6) Anf. 14. Jh., London, Westminster Abbey, Muniment Book XI fol. 39; 7) 14. Jh., London, Brit. Library, Cotton Ms. Vitellius C XII vol. 2 fol. 241v; 8) 14. Jh., London, Brit. Library, Cotton Ms. Faustina A III fol. 195; 9) 14. Jh., London, Brit. Library, Cotton Ms. Titus A VIII n. 1 fol. 9v; 10) 15. Jh., Warminster, Longleat House (Marquess of Bath), n. 38 fol. 58v; 11) 15. Jh., Warminster, Longleat House (Marquess of Bath), n. 38 fol. 202; 12) 17. Jh., Cambridge, University Library, Dd 3. 83 n. 17 p. 15. Erw.: Prima Charta Edwardi regis (Kemble, Cod. dipl. aevi saxonici IV 173-181 n. 824); Tertia Charta Edwardi regis (Kemble, Cod. dipl. aevi saxonici IV 182-190 n. 825); Osbert de Clare, Vita s. Eduardi confessoris VII (Bloch, AnalBoll 41/1923 79); Urkunden Innozenz' II. (1139 April 22) (JL –) (Holtzmann, PUU in England I 245); Hadrians IV. (1157 Juni 1) (JL –) (Holtzmann, PUU in England I 320) und (1157 Juni 1) (JL –) (Holtzmann, PUU in England I 325); Ailred von Rievaulx, Vita s. Edwardi regis (Migne, PL 195, 749; Freeland, Aelred of Rievaulx, Historical Works 155f.); Alberich von Troisfontaines, Chr. 1053 (MG SS XXIII 790); Estoire de seint Edward le rei, Vers 1590ff. (Young Wallace 45ff., 67ff.); Flores Hist. 1049 und 1060 (Luard, SS rer. Brit. 95/1 566, 579f.); Richard von Cirencester, Speculum hist. IV 14, 18 (Mayor, SS rer. Brit. 30/2 229, 241). Insert: I. Lange Version: Edward's Magnus Telligraphus für Westminster (London, Westminster Abbey, Muniment Book XI fol. 44). II. kurze Version: Prima Charta Edwardi regis (Kemble, Cod. dipl. aevi saxonici IV 173-181 n. 824) 175; Osbert de Clare, Vita s. Eduardi confessoris VII (Bloch, AnalBoll 41/1923 79); Ailred von Rievaulx, Vita s. Edwardi regis (Migne, PL 195, 752; Freeland, Aelred of Rievaulx, Historical Works 157f.); Estoire de seint Edward le rei (Young Wallace 47); Richard von Cirencester, Speculum hist. IV 15 (Mayor, SS rer. Brit. 30/2 230). Drucke: I. Lange Version: Holtzmann, PUU in England I 217. II. kurze Version: Dugdale, Monasticon Anglicanum I 60;2I 293; Labbe/Cossart, Conc. IX 1189; Wilkins, Conc. Britanniae I 317; Mansi, Conc. XIX 1050; Migne, PL 143, 674; Brucker, L'Alsace II 40 (fragm. franz. Übersetzung). Reg.: J 3236 (zu 1051); Mason, Westminster Abbey Charters 79 n. 152; JL 4257. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 128f.; Hunkler, Leo IX. 282f.; Brucker, L'Alsace II 39ff.; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2 1069; Guggenberger, Deutsche Päpste 58; Paulus, Geschichte des Ablasses I 71ff., 120f.; Bloch, Osbert de Clare, Vita s. Eduardi confessoris 49ff.; Mann, Popes VI 167f.; Harmer, Anglo-Saxon Writs 287ff.; Scholz, Sulcard of Westminster 69ff.; Barlow, English Church 301f.; Lucchesi, Vita di S. Pier Damiani I 63; Krause, Über den Verfasser 82f.; Harvey, Westminster Abbey 24; Labande, Pèlerinages anglais 309; Gresser, Konzilien 27.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Harmer, Anglo-Saxon Writs 290, Mason und Holtzmann, PUU in England I 93, 98, 114f., 151, 185f., 192, 217f.; III 49, 63, 82. Die Urkunde existiert in zwei verschiedenen Versionen; ihre längere Form ist von Holtzmann ediert und in zwei handschriftlichen Kopien überliefert. Alle anderen Angaben beziehen sich auf die Kurzform (zitiert ist das Dokument in Westminster Abbey n. 12756, vgl. Holtzmann, PUU in England I 185). Die vollständig enthaltene längere Version weist zusätzlich lediglich ausführlichere Aussagen über die Besitzungen auf. Die Kurzfassung ist inseriert in das genannte Diplom Edwards von England, dessen Vita von Osbert de Clare sowie diejenige Ailreds von Rievaulx und das Speculum hist. des Richard von Cirencester, eine eigenständige Tradition existiert nicht. Die gesamte Überlieferung geht zurück auf das Insert in das (zu Beginn des 12. Jahrhunderts) gefälschte Diplom Edwards vom Jahr 1065. Dort ist der Papstbrief eingebettet in eine Rahmenerzählung, derzufolge Edward nach seiner Wahl zum König eine Romreise gelobt habe, was in Anbetracht der äußeren Bedrohung seines Landes aber auf den Widerstand der Fürsten gestoßen sei. Diese hätten ihn gedrängt, statt der Pilgerreise ein Peterskloster zu gründen. Um diese Abänderung des Gelübdes vom Papst bewilligen zu lassen, habe der König eine Gesandtschaft an das römische Konzil (von 1050) (n. 761.1) geschickt. Diese sei mit der erwünschten päpstlichen Erlaubnis zusammen mit einem Privileg für das zu restaurierende Kloster zurückgekommen. Allerdings taucht diese Geschichte in den frühen Nachrichten über Westminster noch nicht auf, sondern erst in Quellen nach Beginn des 12. Jahrhunderts. Vermutlich wurde in den gefälschten Diplomen Edwards die Neugründung erstmals mit der aus älteren Chroniken bekannten Gesandtschaft an den Papst aus dem Jahr 1050 (n. 761.1,17) und dem angeblichen Privileg für das Kloster verbunden (vgl. Harmer 287ff.). In dem Privileg selbst ist erwähnt, dass es im Zusammenhang mit einer Synode ausgestellt sein will (auctoritate ... s. synodi absolvimus und in der langen Fassung: huius synodalis ... precepti). Holtzmann ist der Ansicht, dass die Poenformel echt sei (was er aus dem Verleich mit n. 618 erschließt) und nimmt an, eine echte Urkunde für Westminster sei evtl. beim Reimser Konzil 1049 ausgestellt worden. Allerdings weist die Rahmenhandlung eindeutig auf die römische Synode von 1050 hin und das Argument der Parallele in der Poenformel mit einer 1049 ausgestellten Urkunde ist ebenfalls nicht stichhaltig, da entsprechende Übereinstimmungen ebenso zu anderen Privilegien Leos IX. vorkommen. Die Mitteilungen aus dem Königsdiplom wurden von Osbert von Clare, Ailred von Rievaulx, Richard von Cirencester, den Flores Hist., der Estoire de seint Edward und Alberich von Troisfontaines aufgegriffen. In der Tertia Charta (angeblich von 1066, doch auch zu Beginn des 12. Jahrhunderts gefälscht) berichtet König Edward nochmals von dem Auftrag Leos IX., demzufolge er das Kloster erneuert habe; nach dem Tod dieses Papstes seien ihm allerdings Bedenken an seinem Vorgehen gekommen, woraufhin er eine erneute Gesandtschaft an Nikolaus II. geschickt, der die Absolution von seinem Gelübde und Westminster erneut bestätigte habe.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †763, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-04-29_4_0_3_5_2_435_763
(Abgerufen am 29.03.2017).