Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

Sie sehen den Datensatz 425 von insgesamt 1068.

Papst Leo IX. bestätigt (confirmamus et corroboramus) Abt Fulco von Corbie (D. Amiens) (Fulconi abbati Corbeiensis) wunschgemäß und entsprechend den Privilegien der Bischöfe von Amiens, der Erzbischöfe von Reims und seiner eigenen Vorgänger, der Päpste Benedikt (III.), Nikolaus (I.) sowie Christophorus (episcopis Ambianensibus et archiepiscopis Remensibus ... apostolicis viris antecessoribus nostris ... Benedicti, Nicholai, Christophori) den freien Besitz aller Güter seines Klosters an Gold, Silber, Feldern und Hörigen (liberam dominationem ... in auro, argento, in agris, in famulis, in quibuslibet aliis rebus) sowie die Exemtion des Klosters und all seiner genannten Zellen (nec liceat episcopo Ambianensi ... in ipso coenobio potestatem exercere, sive in cellis eiusdem monasterii), verbietet dem Bischof und all seinen Funktionären den ungebetenen Zutritt in das Kloster, belässt ihm aber das Recht, sämtliche Weihen unentgeltlich durchzuführen (prohibentes, ne ... Ambianensis episcopus potestatem habeat ... vel oeconomus ... archipresb. ... archidiac. eius, accedendi ad vestrum monasterium ... ordinationes differre non debebit ... nec aliquod ... munus exposcere), verleiht dem Kloster die freie Wahl des Abts und schreibt dessen kanonische Verurteilung im Fall von Vergehen vor (sancimus ... inter se abbatem eligere fratres ... nec ... abbatem, postquam electus fuerit, nisi in probabili crimine deprehendatur, deiici, sed canonice ... diiudicetur), gestattet Bischof und Erzbischof das Einschreiten gegen Verletzungen der päpstlichen Anordnung und den Mönchen die Appellation nach Rom (nostram sanctionem si quis violaverit, admoneatur ... ab Ambianensi episcopo ... a Remensi archiepiscopo ... Romanam sedem appellare) und verleiht Abt Fulco, weil er sich vertrauensvoll an den päpstlichen Stuhl gewendet hat (n. 623.6), den Gebrauch von Dalmatik und liturgischen Sandalen unter der Bedingung, dass der Abt jährlich einen Gesandten an den apostolischen Stuhl schickt (quia ad apostolicam sedem tam devotus ... venisti ... usum tibi dalmaticae et sandaliorum concedere ... non negligas annis singulis nuncium ad apostolicam sedem dirigere).

Originaldatierung:
Dat. XIV kal. Maias pm. Petri diac. bibl. et canc. SAS a. d. Leonis IX papae II, ind. III.
Incipit:
Convenit apostolico moderamini pia religione ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 11. Jh., Paris, Bibl. nat., Ms. lat. 17764 fol. 14; 2) 11. Jh., Paris, Bibl. nat., Ms. lat. 17762 fol. 9, Ende: fol. 40; 3) 12. Jh., Paris, Bibl. nat., Ms. lat. 17763 fol. 61; 4) 11.13. Jh., Paris, Bibl. nat., Ms. lat. 17764 fol. 38v; 5) 13. Jh., Paris, Bibl. nat., Ms. lat. 17759 fol. 6; 6) 15. Jh., Paris, Bibl. nat., Ms. lat. 17760 fol. 6 (fragm.); 7) 17. Jh., Paris, Bibl. nat., Ms. lat. 17142 fol. 287; 8) 17. Jh., Amiens, Arch. dép., 9 H 9 fol. 497; 9) 17. Jh., Paris, Bibl. nat., Coll. Baluze 141 fol. 30; 10) 18. Jh., Paris, Bibl. nat., Coll. de Picardie 53 fol. 43v. Erw.: Fulco von Corbie, Brief an Erzbischof Gervasius von Reims (Falkenstein, Alexander III. und Corbie 190); Fulco von Corbie, Brief an Alexander II. (Delisle, Recueil des Hist.2XIV 535); Urkunden Alexanders III. (1171 Sept. 6) (JL 11903) (Ramackers, PUU in Frankreich NF IV 262), Clemens' III. (1188 Mai 5) (JL 16223) (Ramackers, PUU in Frankreich NF IV 470), Cölestins III. (1194 Juli 18) (JL 17141) (Ramackers, PUU in Frankreich NF IV 506), Innozenz' III. (1198 Dez. 18) (Potthast 484) (Hageneder/Haidacher, Register Innocenz' III. I 709 n. 484), Honorius' III. (1217 Febr. 13) (Potthast 5458a; Pressutti, Regesta Honorii III. I 59 n. 336) und Gregors IX. (1238 Juni 30) (Potthast –; Auvray, Registres de Gregoire IX II n. 4439). Faks.: Morelle, De l'original à la copie 96 (Eschatokoll aus dem Chartular). Drucke: D'Achéry, Spicilegium IV 417,2III 349; Labbe/Cossart, Conc. IX 998; Hardouin, Acta conc. VI/1 974; Coleti, Conc. XI 1367; Cocquelines, Bull. Rom. I 375; Mansi, Conc. XIX 684; Migne, PL 143, 641; Tomassetti, Bull. Rom. I 606; Morelle, Statut d'un grand monastère franc: Corbie 221 (franz. Übersetzung). Reg.: Bréquigny, Table chronologique II 46; Höfler, Deutsche Päpste II 374 und 375 (1051 April 18); J 3205; Kopczynski, Arengen 37; Santifaller, Elenco 359; Santifaller, LD 123; vgl. Pfaff, Liber censuum 240 n. 521; JL 4212. Lit.: Will, Restauration I 58f.; Braun, Liturgische Gewandung 256, 398; Drehmann, Simonie 23, 75; Schreiber, Kurie und Kloster I 156, 190f.; Hofmeister, Mitra und Stab 17; Ganahl, Kirchliches Verfassungsrecht 66f.; Parisella, Dimicatio contra Simoniam 109f.; Wühr, Wiedergeburt Montecassinos 427; Lemarignier, Exemtion 331; Salmon, Mitra und Stab 34; Pierre Zurfluh, L'héraldique des abbéscomtes de Corbie (Corbie. Abbaye royale. Volume du XIIIe centenaire [Lille 1962], 413-442) 419; Capitani, Immunità 198; Robison, Humberti Cardinalis 75f.; Santifaller, Apprecatio 297; Chantal Zoller-Devroey, Le domaine de l'abbaye Saint-Pierre de Corbie en Basse-Lotharingie et en Flandre au Moyen Âge (RBPH 54/ 1976, 427-457 und 1061-1097) 440ff., 1064; Oury, Gérard de Corbie 309; Lohrmann, Kirchengut 176; Morelle, Formation d'une juridiction, 600ff.; Rathsack, Fuldaer Fälschungen II 425, 446f.; Falkenstein, Alexander III. und Corbie 94ff., 101, 113ff. 120, 126, 130, 190; Morelle, De l'original à la copie 96f.; Morelle, Moines de Corbie 200ff., 210 und passim; Caron, Corbie 149f.; Falkenstein, Papauté et abbayes françaises 97, 101ff., 128, 163f., 184; Morelle, Statut d'un grand monastère franc: Corbie 219ff.; Van Meter, Eschatological Order 157; Munier, Léon IX 133; Riches, Bishop Gerard of Cambrai 125f.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Ramackers, PUU in Frankreich NF IV 10ff., 41 und Morelle, Moines de Corbie 207f., 214ff. Bei den genannten Vorurkunden handelt es sich um jene Benedikts (III.) (855 Okt. 7) (JL 2663; Böhmer/Herbers, Papstregesten n. 374) (Migne, PL 115, 693 und Bd. 129, 1001), Nikolaus' (I.) (863 April 28) (JL 2717) (Migne, PL 119, 815) sowie Christophorus' (903 Dez. 26) (JL 3532) (Migne, PL 131, 46). Die in den Drucken gemachten Angaben der Datierung im dritten Pontifikatsjahr und der vierten Indiktion sind aufgrund des Ausweises der handschriftlichen Überlieferung zu korrigieren in das zweite Amtsjahr und die dritte Indiktion; die Zuordnung des Dokuments ins Jahr 1050 und nicht 1051 geht aus der Tatsache hervor, dass Petrus Diaconus es datierte, der Ende 1050 verstarb. Auch Fulco von Corbie ordnet in seinen beiden Briefen das Privileg vor der Synode von Vercelli (n. 803), also im Jahr 1050, ein. Der Streit zwischen dem Kloster und dem Ortsbischof, bzw. dessen Archidiakon, war schon 1049 ausgebrochen und von Fulco von Corbie vor die Reimser Synode Leos IX. getragen worden. Dort hatte der Papst die Klosterprivilegien mündlich bestätigt und den Abt nach Rom befohlen (n. 623.6). In Italien stellte er ihm dann 1050 dieses Dokument aus, das vom Bischof von Amiens nicht akzeptiert wurde. Daher befasste sich die Synode von Vercelli (n. 803) erneut mit dem Vorgang. In der Urkunde sind nicht alle Besitzungen des Klosters angeführt, sondern nur die sechs von diesem gegründete Zellen: Busla-Mézière, Braches, Thennes, Naours, Huise und Thiennes (Busco, Braczo, Taneta, Maurdi, Uscia, Thenis). Die darin vollzogene Exemtion des Klosters ist in ihrem Umfang nicht völlig eindeutig. Dem Bischof von Amiens wird jede Einflussnahme auf den Besitz des Klosters untersagt, er und seine Vertreter dürfen nur nach Aufforderung durch den Abt das Kloster oder dessen Besitzungen besuchen und keinen Einfluss auf die Abtwahlen nehmen; allerdings verbleibt dem Bischof auf der anderen Seite das Weiherecht über das Kloster und er ist als erste Instanz vor dem Reimser Erzbischof und dem apostolischen Stuhl bei das Kloster betreffenden Streitigkeiten genannt. Falkenstein versteht dieses Privileg unter Hinweis auf das Recht des Abts, Pontifikalien zu tragen, als Exemtion, während Morelle, Moines de Corbie bei der Interpretation vorsichtiger ist; volle Exemtion liegt seiner Meinung nach nicht vor, da nur Fulco persönlich, aber nicht seine Nachfolger, Empfänger der Vorrechte sind. Zudem könne der Bischof die ihm verbliebenen Rechte ebenfalls als eine Unterstellung des Klosters auslegen. Die Urkunde sei daher beiderseits für weitere Interpretation offen. Die Ausstellung der Urkunde am Monte Gargano bzw. bei der Synode von Siponto, wie Oury und Munier wollen, ist eher unwahrscheinlich (vgl. n. 748). An ihrer Echtheit besteht kein Zweifel.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 753, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-04-18_2_0_3_5_2_425_753
(Abgerufen am 23.05.2017).