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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo (IX.) befragt den aufgrund einer Vorladung (n. 507) vor ihm erschienenen Abt Gerwin von St-Riquier (D. Amiens) über die diesem von seinem Diözesanbischof Fulco (II.) von Amiens vorgeworfenen Vergehen der unerlaubten Predigt und Beichttätigkeit, welche der Abt mit einer exegetischen Auslegung über den Nutzen der Predigt für die Umkehr der Sünder positiv für sich beantwortet, woraufhin der Papst in Kenntnis des zweifelhaften Charakters Bischof Fulcos dem Abt die strittigen Rechte verleiht, ihm die Predigt und Beichttätigkeit befiehlt sowie als deren Zeichen liturgische Sandalen verleiht, welche Abt Gerwin allerdings aus Demut ablehnt.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Hariulf, Chr. Centulense IV 27 (Lot 252f.). Reg.: – . Lit.: Corblet, Hagiographie du diocèse d'Amiens II 523f., 529f.; Hénocque, Hist. de St-Riquier I 348ff.; Brucker, L'Alsace II 121; Zimmermann, Kalendarium benedictinum I 277; Bur, Léon IX et la France 252.

Kommentar

Die Quelle informiert nach einer Schilderung des Zusammentreffens des Abts mit Leo IX. in Rom (Gervinus ... edicto papae accitus ... expetit Romam ... ubi papa potuit conspici ... pacis osculum ei praebuit) über den weiteren Verlauf der Begegnung in stilisierten Reden der beiden Prälaten. Auf die Frage des Papstes hin Gervinus proponit scripturarum exempla, welche zu der Schlussfrage des Abtes führen: si igitur peccatores convertens ... illorum animas salvo ... videatur ... an talis operatio sit cohibenda a summo pastore? Daraufhin entgegnete der pontifex Leo ... et quia Ambianorum praesulem ... Fulconem non animarum salutem sed volucrem captioni et venatui studere compererat ... venerandum abbatem his cum verbis confirmans: ... auctoritate Domini nostri et b. Petri apostoli ac nostra non solum auctoritate, sed etiam deprecatione, concedimus et imperamus, te in recipiendis scelestorum confessionibus et tradenda poenitentia, nostri officii participium tenere ... Als Symbol für das verliehene Recht s. papa simul et sandalia offert, iubens ut his Gervinus utatur ... ven. tamen abbas, custos verae humilitatis, eadem ornamenta recusavit, dicens sibi sufficere solam apostolicae licentiae auctoritatem ad exercendam ... divini verbi stipem. Inwiefern diese Darstellung den Tatsachen entspricht, ist angesichts des Schweigens anderer Quellen nicht zu entscheiden. Spannungen zwischen dem Papst und dem Bischof von Amiens sind auch in anderem Zusammenhang überliefert (vgl. nn. 623.6, 627.9), ebenso das Vorgehen Bischof Fulcos von Amiens gegen ein Kloster seiner Diözese (n. 753); von daher und nach dem Verhalten Leos IX. in diesem Fall zu schließen, könnte Hariulfs Schilderung zutreffen, allerdings machen die Ablehnung der Sandalen durch den Abt sowie die dem Papst bei der Verleihung in den Mund gelegten Ausdrücke: b. Petri ac nostra auctoritate ... deprecatione concedimus et imperamus den Bericht wieder fragwürdig. Zum einen wäre die Ablehnung eines liturgischen Privilegs durch einen Abt singulär und kaum mit dem Amt als Vertreter des Klosters und von dessen Heiligem vereinbar, zum andern sind die Formulierungen nicht kanzleigemäß und können vermutlich nicht auf ein Privileg zurückgehen. Wahrscheinlich ereignete sich der Vorfall im Umfeld der römischen Synode 1050, bei der die Anwesenheit des Abtes verbürgt ist (vgl. n. 771).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 749, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-04-00_5_0_3_5_2_421_749
(Abgerufen am 28.07.2017).