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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. ruft die Bewohner des Ortes Subiaco im Kloster (D. Tivoli) zusammen, lässt sich Urkunden vorlegen, welche er als Fälschungen erkennt und größtenteils verbrennen lässt, stellt eine Besitzbestätigung aus, und hält eine Ansprache, in welcher er das Kloster als capud [!] omnium monasteriorum per Italiam preist.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Chr. Sublacense (Morghen 8f.); Mirzio, Cronaca Sublacense 157f. Reg.: Mas Latrie, Trésor de chronologie 1281; IP II 92 n. *28 und IP II 99 n. *1 (1050 ?); JL I p. 541 (1051 Okt.). Lit.: Di Meo, Annali VII 316; Höfler, Deutsche Päpste II 132f.; Will, Restauration I 91; Spach, Saint Léon IX 21; Delarc, Pape alsacien 363f.; Martin, Saint Léon 148f.; Guggenberger, Deutsche Päpste 59; Mann, Popes VI 110; Chr. Sublacense (Morghen XVI); Bloch, Klosterpolitik 248; Wittmer, Leo IX.; Schwarzmaier, Subiaco 95f.; Laudage, Ritual und Recht 311; McQuillan, Political Development 40.

Kommentar

Im Anschluss an die Weihe Abt Humberts (n. 758) fährt das Chr. Sublacense fort: [Leo IX] Sublacianos ad se convocavit in monasterio ... monumenta cartarum notavit falsissima et ... ante se igne cremari fecit ... reconfirmavit monasterio Sublacu et totam abbatiam...; gemeint sind mit Sublacianos die Bewohner des castellum, nicht jene des Klosters. Warum der Papst die Vorlage der Urkunden verlangte, wird nicht gesagt, doch ist eventuell ein Zusammenhang mit der Flucht des Abts (n. 756) anzunehmen. Ob die Fälschungen von den Mönchen angefertigt wurden (Mabillon, Ann. OSB IV 482) oder zu deren Schaden (Allodi/Levi, Regesto Sublacense IX, Morghen, Chr. Sublacense 9 n. 1) lässt sich aufgrund der Quelle nicht entscheiden, doch ist anzunehmen, dass nicht das Kloster Urkunden zum eigenen Nachteil verwahrte. Ausführlicher gestaltet der späte Mirzio die Szene; diesem zufolge beschwerte sich der Konvent darüber, dass die Bürger von Subiaco falsche Dokumente fabriziert hätten (falsas ... confinxerant scripturas), um antiquum servitutis iugum a cervicibus excutere. Laut dieser Erzählung ließ der Papst sich die Urkunden des Klosters und jene der Bürger vorlegen, verdammte letztere und ließ sie verbrennen; ob diese relativ späte Interpretation der Quelle 1) zutrifft, kann nicht mit Sicherheit entschieden werden, doch klingt sie plausibel. Wahrscheinlich bezieht sich die Passage auf die Burg Subiaco, welche der Papst mit n. 931 dem Kloster nach längerer Entfremdung restituiert. Das Verbrennen falscher Privilegien ordnet Leo IX. auch anderweitig an. Nach der Verbrennung der falschen Urkunden erfolgt die Bestätigung der Klosterbesitzes pontificali ... precepto; es muss fraglich bleiben, ob damit n. 931 gemeint ist, da dies die Darstellung der Chronik in Konflikt mit dem Ablauf der Vorgänge bringen würde (vgl. Kommentar n. 758); allerdings deutet der Wortlaut auf eine schriftliche Privilegierung, nicht eine mündliche Bestätigung. Der Respekt, welchen Leo IX. dem Kloster in der abschließenden Ansprache zollt, gründet in dessen Funktion als erster Gründung des Mönchsvaters Benedikt.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 759, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-04-00_11_0_3_5_2_431_759
(Abgerufen am 21.01.2017).