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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. erteilt den Pisanern ein Privileg, in welchem er sie auffordert, die Insel Sardinien zurückzuerobern.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Bernard Marango, Chr. della città di Pisa (Tartini in SS rer. Ital. I 324); Breviarium Pisanae Hist. (Muratori, SS rer. Ital. VI 168); Ranieri Sardo, Chr. di Pisa (Banti, FSI 99/1963 17); vgl. Roncioni, Istorie Pisane Lib. II (ASI 6/1844) 82. Reg.: Tronci, Memorie istoriche della citta di Pisa 19. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 110f., 140f.; Hunkler, Leo IX. 198f.; Mas Latrie, Traités de paix I 9; Will, Restauration I 70f.; Delarc, Pape alsacien 296; Brucker, L'Alsace II 110ff., 129; Martin, Saint Léon 122f.; Besta, Sardegna medioevale I 61ff.; Guggenberger, Deutsche Päpste 56; Heywood, Pisa 23ff.; Alfaric, Pape alsacien 58f.; Garreau, Saint Léon IX 105; Horwege, Bruno von Egisheim 108; Hettinger, Beziehungen des Papsttums zu Afrika 196.

Kommentar

Während Ranieri Sardo zum Jahr 1050 von der Eroberung Sardiniens durch den Sarazenenkönig Muğāhid und der darauf folgenden Rückeroberung der Insel durch Pisaner Truppen chon voluntà della s. Chiesa che del brivilegio ohne Nennung eines Papstnamens berichtet, nennt Bernard Marango ausdrücklich papa Leone IX. alemanno, der den Pisanern ein Privileg ausgestellt habe, das diese berechtigte, die Insel zu erobern und zu besitzen con ogni iusto titulo. Tronci machte daraus die Erzählung von der Absendung eines Legaten Leos IX. nach Pisa, welcher dessen Bürger zu dem Kriegszug nach Sardinien aufforderte (vgl. n. †893) und der Stadt die Insel im Namen des Papstes bereits vor der Rückeroberung schenkte. Wie Besta zeigt, ist diese gesamte Erzählung in späterer Zeit entstanden, um die Herrschaft Pisas über die Insel zu legitimieren. Ebenso handelt es sich bei einer Urkunde Leos IX. für Pisa, an die Vorsteher der Stadt gerichtet, um eine offensichtliche neuzeitliche Fälschung. Die nur aus der Schrift des Ottavio Angelo D'Abramo (1730, Pisa, Bibl. cap., Cod. 52 fol. 398; Reg.: Kehr, Pisaner Fälschungen 330 n. 55 [ND Ders., Ausgewählte Schriften 253 n. 55]; IP III 358 n. †18) bekannte Urkunde von 1053 Mai, Rom, Lateran (Dat. Lat. mense Madio pont. nostri a. V – Scientes nos) (vgl. Brucker, L'Alsace II 110ff.; Horwege, Bruno von Egisheim 108) ist, wie Kehr, Pisaner Fälschungen passim ausführlich darlegt, eine freie Erfindung des im 18. Jahrhundert wirkenden Pisaner Kanonikers. D'Abramo fälschte nicht nur die Urkunden Leos IX. und Viktors II. (n. †1175), sondern Papstbriefe von Gelasius I. bis Benedikt XIII. (1725 !) sowie zahlreicher weltlicher Herrscher, um damit den Ruhm seiner Heimatstadt zu fördern.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †724, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-00-00_4_0_3_5_2_396_724
(Abgerufen am 29.03.2017).