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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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In Vertretung des von Rom abwesenden Papstes (Leo IX.) antwortet Kardinal Humbert von Silva Candida auf die Anfrage des Bischofs Eusebius (Bruno) von Angers (Humbertus Eusebio. Pro absente nostro papa ... consultationi tuae breviter respondeo) (vgl. n. 817).

Incipit:
Doleo ergo cordis ab imo ...

Überlieferung/Literatur

Erw.: Humbert von Silva Candida, Brief an Bischof Eusebius Bruno von Angers (Francke, Zur Charakteristik des Cardinals Humbert 614f.; Brucker, L'Alsace II 143, franz. Übersetzung), 393 (vgl. n. 817). Reg.: – . Lit.: Sudendorf, Berengar 83f.; Brucker, L'Alsace II 143ff.; Bröcking, Französische Politik Leos IX. 61f., 76; Schwabe, Abendmahlstreit 16f.; Saltet, Réordinations 186ff.; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2 1059f.; Michel, Humbert und Kerullarios I 49; Schebler, Reordinationen 221f.; Ladner, Theologie und Politik 54; Michel, Papstwahlpactum 307f.; Santifaller, Elenco 168; Capitani, Studi per Berengario 154ff.; Hoesch, Kanonistische Quellen 14, 27, 42; Montclos, Lanfranc et Bérenger 15, 95ff., 107f.; Festa, Dibattito sull'eucaristia III 150ff.; Laudage, Priesterbild 172; Cowdrey, Papacy and the Berengarian Controversy 115; Dischner, Humbert 11, 143, 162f.; D'Agostino, Primato 100, 143.

Kommentar

In dem Brief Humberts nimmt die Antwort auf die Scheidungsanfrage, die vermutlich das Kernproblem des Schreibens Bischof Eusebius Brunos (n. 817) darstellte, nur einen geringen Stellenwert ein. Dafür rückt der heftige Tadel an dem Empfänger (veniat apostolico sedi de te non bona opinio) für den antwortenden Kardinal in das Zentrum. Die dem Bischof gemachten Vorwürfe umfassen vorrangig dogmatische Abweichungen im Zusammenhang mit der Kontroverse um Berengar (hereseos diceris ... de eucharistia), von dem der Empfänger sich nicht distanziert habe (ne cum Berengaro tu stercorianista dici), und eine dem Schreiber vorliegende Kampfschrift des Eusebius Bruno an den gefangenen Bischof Gervasius von Le Mans (die nicht überliefert ist), in welcher der Papst mit dem Vorwurf, er habe Bischöfe reordiniert und das Buch des "Johannes Scotus" verdammt, verleumdet sowie der apostolische Stuhl ungebührlich beschimpft werde. Die den apostolischen Stuhl verleumdenden Aussagen sind in Humberts Antwort nicht zitiert, doch dürften sie mit den über Berengar überlieferten Vorwürfen übereinstimmen, der angeblich Romanam eccl. ... haeretico vocabulo denotavit ... papam Leonem ... pariter infimavit (Durand von Troarn, Liber de corpore et sanguine Domini, Migne, PL 149, 1422), was Bernold von Konstanz noch präziser formuliert: Romanos pontifices et s. Romanam eccl. ... blasphemare praesumpsit ... s. Leonem papam non pontificem sed pompoficem et pulpificem appellavit (De veritate corporis, Huygens 379). Statt solcher Vorwürfe und hochtrabender Gedanken empfiehlt Humbert dem Bischof von Angers: stude non plus sapere quam oportet, et simplex praedicator simplicis veritatis ... existe. Nach kurzen Aussagen über das kanonische Ehescheidungsverbot (vgl. n. 817) schließt der Kardinal wenig freundlich: mihi doleam de infamia tua et cupiam te in visceribus Jesu Christi. Datieren lässt der Brief sich durch die darin erwähnte Synode von Vercelli vom Herbst 1050 und die Zeit der Scheidung des Grafen Gottfried Martell von Anjou, die nach dem Januar 1049 (LoPrete, Adela of Blois 43) vollzogen wurde. Aufgrund der darin angesprochenen Berengar-Problematik dürfte nach der Synode von Vercelli (n. 803) keine allzu lange Frist verstrichen sein. Da Humbert den Papst auf der Deutschlandreise 1050/51 nicht begleitet hat, dürfte der Brief in diese Zeit fallen. Johannes von Bayon, Hist. Mediani monasterii II 53 (Belhomme 246) erklärt, Leo IX. habe Humbert ad vices suas supplendas [Romae] retinuit. Er weist dem Kardinal somit eine stellvertretende Funktion zu, die anderweitig allerdings auch Erzbischof Halinard von Lyon ausübt (n. 979).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 818, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1050-00-00_11_0_3_5_2_490_818
(Abgerufen am 24.07.2017).