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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. bestätigt anlässlich der Weihe des Stephanus-Altares (n. 683) dem Kloster St. Cyriacus in Altdorf im Elsass auf Intervention seines Vetters Adalbero, Kanoniker in Toul (eccl. s. Cyriaci positae in Alsatiae loco, qui dicitur Altumcoenobium ... petitio patruelis nostri Adalberonis Tullensis eccl. canonici ... Altorfii nomine) (D. Straßburg), das schon von seinem Vorfahren Eberhard begonnen, dessen Sohn Hugo Raucus vollendet und von Bischof Erkenbald von Straßburg in Anwesenheit des Abts Majolus von Cluny den heiligen Bartholomäus und Gregor (I.) geweiht worden war (Eberhardus comes ... filius autem eius Hugo ... raucus ... caepit aedificare ecclesiolam in honore apostoli Dei Bartholomaei et summi praesulis Gregorii ... consecravit episcopus Argentinensis Erchenbaldus ... in praesentia ... abbatis Maioli Cluniacensium), alle von Graf Hugo verliehenen Besitzungen, insbesondere den Zehnt von Altdorf und der Gegend um den Burgberg (von Girbaden), die von Kaiser Otto (III.) verliehenen Münz, Zoll, Markt und Schankrechte sowie die Benediktinerregel (decimas istius villae, que dicitur Altorff, unaque omnis montani ruris quod adjacet circa Burchberg ... corroboramus et confirmamus ... omnia quae a parentibus nostris illae eccl. et ad altare s. Cyriaci tradita sunt ... monetam, teloneum, mercatum, tabernam sicut data sunt a pio imp. Othone ...; statuimus ... quando dedicavimus ... altare s. Stephani ..., ut nulla ... persona a monastico istud mutet locum, sed semper sub regula s. Benedicti permaneat).

Originaldatierung:
Dat. IV Kal. Dec. pm. Petri diac. bibl. et canc. SSA a. d. Leonis IX papae I, ind. III.
Incipit:
Ad apostolatus nostri curam procul ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 1462 November 5, Straßburg, Arch. dép.; 2) 16. Jh., Straßburg, Arch. dép., H 165 fol. 1; 3) 17. Jh., Colmar, Bibl. mun., Ms. Chauffour n. 102 fol. 13; 4) 1748, Straßburg, Arch. dép., H 4 fol. 4; 5) 18. Jh., Straßburg, Arch. dép., H 9 fol. 3 (fragm.). Erw.: Urkunde Cölestins III. (1192 Juni 8) (JL 16900; GP III 28 n. 4) (Migne, PL 206, 950); Notitia Altorfensis, Fragment "Locus erat in Alsatia" (Holder-Egger, MG SS XV/2 993f.); Jacob Wimpfeling, Argentinensium ep. catal. 35, 43f.; Jacob Wimpfeling, Epitoma Germanicarum 26 fol. 13v. Drucke: Schöpflin, Alsatia dipl. I 164; Grandidier, Hist. d'Alsace I pr. 255; Sattler, Altdorf 249; Brucker, L'Alsace II 189 (franz. Übersetzung); Sieffert, Altdorf 107 (deutsche Übersetzung). Reg.: J 3201; Wentzcke/Hessel/Krebs, Regesten der Bischöfe von Straßburg I 252 n. 166; GP III 27 n. 1 und 86 n. 2; Santifaller, Elenco 358; Santifaller, LD 123; JL 4206. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 64f.; Spach, Saint Léon IX 13; Grandidier, Oeuvres inédites I 320ff., 331; Sécretan, L'origine de Gérold 246, 256; Steindorff, Heinrich II 101; Schulte, Notae Altorfenses 209ff.; Schulte, Leo IX. 79ff.; Sattler, Altdorf 15ff., 27, 44f.; Brucker, L'Alsace I 336, II 189ff.; Heilig, Die Benedictinerabtei Altdorf (1890) (nicht eingesehen); Sackur, Cluniacenser I 221f., II 322; Hauck, Kirchengeschichte III 605; Lerche, Privilegierung 197; Clauss, Historischtopographisches Wörterbuch 10ff.; Waas, Leo IX. und Muri 247, 249; Scherlen, Heiligkreuz 20f.; Scherlen, Egisheim. Dorf und Stadt 29, 42f.; Bloch, Klosterpolitik 189f., 195, 198ff., 222f.; Stintzi, Elsässische Klöster 133; Pfleger, Kult Leos IX. 82; Santifaller, Elenco 157; Renn, Luxemburger Grafenhaus 55; Crozet, Consécrations pontificales 19; Stintzi, Leo IX. Fahrten 77; Barth, Kult Leos IX. 198; Sieffert, Altdorf 34, 40, 67; Larose, Origines du St-Léon 24f.; Barth, Handbuch elsässischer Kirchen 37; Brakel, Heiligenkulte 258ff., 281f.; Robison, Humberti Cardinalis 75f.; Vrégille, Hugues de Salins I 184; Fried, Laienadel und Papst 392f.; Vrégille, Hugues 148; Schwineköper, Christus-Reliquien 257; Horwege, Bruno von Egisheim 12; Iogna-Prat, Agni immaculati 379; Legl, Grafen von Dagsburg-Egisheim 25, 33, 38, 53f., 187f., 210ff., 335, 393f., 406, 414f., 522; Biller/Metz, Anfänge der Adelsburg 249; Seibert, Abtserhebungen 112f.; Munier, Léon IX 31, 132, 182f., 273f.; Hummer, Reform and Lordship 70; Legl, Herkunft Leos IX. 66f.; Oberste, Leo IX. und das Reformmönchtum 418, 429; Rudrauf, Châteaux en Alsace 545f.; Sütterle, Salier und Elsass 105.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. GP. Das Kloster ist eine Gründung der Famile des Papstes, vgl. Vita Leonis IX (Wibert-Vita) I 1 (Krause, MG SS rer. Germ. 70/2007, 90) und Richer von Senones, Gesta IV 23 (MG SS XXV 312). Die Urkunde wurde erstmals von Brackmann (GP III 27 n. 1) verdächtigt, dem Sieffert 34 vorsichtig folgt. Protokoll und Eschatokoll entsprechen denjenigen anderer Leo-Privilegien, die Arenga stimmt fast wörtlich mit dem Privileg für Bleurville (n. 840) überein, das Datum hat nichts auffälliges – abgesehen von der Tatsache, dass die Urkunde relativ spät nach dem Besuch in Altdorf (n. 683) (vom Itinerar her wohl auf der Reichenau, vgl. nn. 711-†714) ausgestellt ist, während etwa die nach diesem Besuch stattgefundenen Weihen in Andlau (n. 686) und Woffenheim (n. 697) schon wesentlich früher ihren Niederschlag in Privilegien gefunden hatten (vgl. nn. 687, 699). Die Erwähnung der Weihe eines Stephanusaltares, welche andere Quellen über den Aufenthalt Leos IX. in Altdorf nicht kennen (n. 683), wird ebenfalls nicht als Fälschungsindiz heranzuziehen sein, eher die umständliche Formulierung, welche der Papst dazu fand: quando dedicavimus per nos metipsos altare s. Stephani. Ebenso fragwürdig ist die umfangreiche Schilderung der Gründungsgeschichte des Klosters, welche unter anderem durch die distanzierte Beschreibung seiner Gründer, der Grafen Eberhard IV. und Hugo III. von Nordgau, hervorsticht, deren Verwandtschaft mit dem Papst in der Urkunde nicht eigens betont wird (a parentibus nostris conditum); insbesondere fällt auf, dass Graf Hugo zwar mehrfach namentlich genannt wird, ohne ihn jedoch als Großvater (nicht Vater wie GP III 26 und Barth, Handbuch 36 angeben) des Papstes zu kennzeichnen. Das würde darauf hindeuten, dass der mutmaßliche Fälscher zwar die Abstammung des Papstes von den Klostergründern aus der anderen Bestätigung Leos IX. für Altdorf (n. 957) kannte, aber nicht die genaue Art dieser Verwandtschaft. Auch die Bestätigungsliste, welche neben den Schenkungen Graf Hugos jene Ottos III. (das die Schenkung erwähnende Diplom ist nicht erhalten, aber bestätigt von Friedrich I. 1153, DFI. 46, Appelt, MG Dipl. X/1 76; Böhmer/ Opll, Regesten Friedrichs I n. 158; Stumpf-Brentano, Reichskanzler n. 3659) und die Benediktinerregel umfasst, ist vor allem dadurch auffällig, dass Besitzliste und Sanctio ineinander verschränkt sind. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Besitzliste mit der Bemerkung corroboramus et confirmamus begonnen und ebenso auch wieder beendet wird und nur wenige Worte dazwischen stehen. An der ungewöhnlichen Bestätigung der Benediktinerregel will Sieffert (p. 34) – wenn überhaupt – die Fälschung festmachen: sie könnte in den Jahren 1225-1235 in einer Auseinandersetzung mit den Zisterziensern entstanden sein. Das Diktat der Passage unterscheidet sich von der entsprechenden Formulierung im zweiten Privileg Leos für das Kloster (n. 957). Hervorzuheben sind weiterhin die weitgehend wörtlichen Übereinstimmungen mit dem Fragment "Locus erat in Alsatia", welches die Privilegien Leos IX. für Altdorf erwähnt, aber vor der Weihe des Klosters (im Jahr 974) chronologisch völlig falsch ansetzt.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †715, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-11-28_1_0_3_5_2_387_715
(Abgerufen am 26.05.2017).