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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. weiht einen Auferstehungsaltar, einen Urständaltar und die ganze Urständkapelle (im späteren Kloster Allerheiligen) in Schaffhausen (D. Konstanz), segnet und bestätigt den Ort.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Brief Abt Adalberts von Allerheiligen in Schaffhausen an Papst Calixt II. (1120 Febr. 23-April 18) (Franz Ludwig Baumann/Gerold Meyer von Knonau/Martin Kiem, Urkunden von Allerheiligen in Schaffhausen 93); Ann. Scafhusenses 1052 (MG SS V 388); Vita Eberhardi Nellenburgensis (AASS April I) 670; Ann. s. Blasii 1052 (MG SS XVII 276); Güterbeschrieb von ca. 1150 (Baumann/Meyer von Knonau/Kiem, Urkunden von Allerheiligen in Schaffhausen 125); Das Buch der Stifter des Klosters Allerheiligen (Karl Schib, Beilage zum Jahresbericht 1933/34 der Kantonsschule Schaffhausen 1-31, 5f.; Heinz Gallmann, Das Schaffhauser Stifterbuch des Klosters Allerheiligen zu Schaffhausen [Berlin-New York 1994] 11, 28*31*; Heinz Gallmann, Das Schaffhauser Stifterbuch [Konstanz 1995] 46); Das Leben des Grafen Eberhart III. von Nellenburg 13 (Franz Joseph Mone, Quellensammlung zur badischen LG I [Karlsruhe 1848] 87); Aegidius Tschudi, Liber Heremi 1052 (Morell, Geschichtsfreund 1/1843, 132); Aegidius Tschudi, Chr. Helveticum (Stadler/Stettler I 72). Reg.: J p. 376 (1052 Nov. 22); GP II/2 10 n. *1; Munier, Léon IX 280 (1052/3); Iogna-Prat, Léon pape consécrateur 381 (1052, Schaffausen); JL I p. 543. Lit.: Carl Borromäus Alois Fickler, Quellen und Forschungen zur Geschichte Schwabens und der Ostschweiz (Mannheim 1859) XXXVIIf.; Die ältesten Urkunden von Allerheiligen in Schaffhausen 7f.; Brucker, L'Alsace II 268; Gisi, Leos IX. Familienbeziehungen 8; Müller, Itinerar 95; Hirsch, Acta Murensia 429; Brackmann, PUU der Schweiz 422 (ND PUU in Deutschland 112); Hirsch, Studien 517ff.; Waas, Leo IX. und Muri 242, 256; Waas, Vogtei und Bede I 153ff.; Bloch, Klosterpolitik 195, 198f., 207f., 229; Das Buch der Stifter des Klosters Allerheiligen (Karl Schib VIIf.); Hirsch, Päpstlicher Schutz 394f.; Büttner, Klosterreform 101ff.; Tüchle, Dedicationes Constantienses 73, 84; Mayer, Fürsten und Staat 200; Tüchle, Kirchengeschichte Schwabens I 191; Stintzi, Leo IX. Lebensweg 56; Barth, Kult Leos IX. 168; Hallinger, Gorze-Kluny I 586; Heinrich Büttner, Zur frühen Geschichte von Allerheiligen in Schaffhausen (Schaffhauser Beiträge 36/1959, 30-39); Hils, Grafen von Nellenburg 60ff.; Brakel, Heiligenkulte 271, 276; Karl Schib, Die Rolle des Hochadels bei der Gründung von Stadt und Kloster Schaffhausen (FS Walter Drack [Zürich 1977] 170-178) 171; Fried, Laienadel und Papst 392f.; Schwineköper, Christus-Reliquien 262ff.; Walter Ulrich Guyan, Ein Glanzpunkt in der Schaffhauser Geschichte. Der Besuch von Papst Leo IX. am 22. November 1049 (Schaffhauser-Mappe 1982, 47-49); Borst, Mönche am Bodensee 119ff.; Elisabeth Schudel, Allerheiligen in Schaffhausen (Helvetia sacra III/1 2. Teil [Bern 1988] 1490-1535) 1490f.; Maurer, Eberhard 287ff. und passim; Gallmann, Schaffhauser Stifterbuch 31f., 46; Gamper, Quellen des Klosters Allerheiligen 27; Wiech, Amt des Abtes 127; Gamper, Rechts und Wirtschaftsverhältnisse 129f.; Munier, Léon IX 180f., 183, 281; Zotz, Päpstlicher Auftrag 270f.; Engelbert, Wilhem von Hirsau 170; Zotz, Religiöser Aufbruch und adlige Conversio 165f.

Kommentar

Die Weihe passt im Jahr 1052, in welches sie von allen Quellen gelegt wird, nicht zum Itinerar des Papstes, wohl aber im Jahr 1049; daher wird in der neueren Literatur das Weihedatum in dieses Jahr gelegt (noch Gisi und Stintzi reden unreflektiert von 1052). Das Datum ist in den Ann. Scafhusenses gegeben: ... Leo IX 10. kal. Dec. altare in honore dominice resurrectionis consecravit ..., die Ann. s. Blasii vermerken nur die Altarweihe; erst der späte Aegidius Tschudi weicht von dem Datum ab: 23. tag ougstmonats (Chr. Helveticum) und 10. kal. Sept. (Liber Heremi), wie auch die lateinische Vita des Klostergründers: ... anno MLII die XXIII Aug. ... Das Buch der Stifter sowie die Lebensgeschichte des Grafen Eberhard melden außer der Weihe des Auferstehungsaltars die Konsekration eines Geburtsaltars und eines Himmelfahrtsaltars sowie der gesamten Kapelle; dem stimmt Hils 63 zu. Hirsch, Privilegien 518, Waas 242, Schib VIII und Schudel 1491 gehen von der Ausstellung eines Gründungsprivilegs bei diesem Anlass aus (mit Aussagen über die Erblichkeit der Vogtei), was aufgrund der Weihenotiz der Ann. Scafhusenses (locum suis s. benedictionibus initiavit et confirmavit) wahrscheinlich ist, aber nicht zwingend angenommen werden muss (vgl. Hirsch, Privilegien 520). Die Annahme Müllers, Itinerar 95, der Wehlt, Reichsabtei 99 folgt, es handle sich bei der Weihe 1052 um Kloster Schafhausen bei Alzey, beruht allein auf dem Hinweis bei JL I p. 543 und ist damit hinfällig. Die in dem Brief eines Propstes von St. Maria in Pfaffen-Schwabenheim (bei Alzey) im 15. Jahrhundert (Darmstadt, StArch., C 1 A Nr. 134 fol. 79 = Copiale saec. XV) erwähnte Weihe dieses Klosters durch den Papst (vgl. GP IV 247f.) war nach dem Itinerar des Papstes im Oktober 1049 oder um die Jahreswende 1052/53 möglich; allerdings handelt es sich bei dieser Tradition bestimmt um eine Fiktion, entstanden aufgrund des historischen Umstandes, dass die Gründerin dieses Klosters, Hedwig (Witwe Eppos von Nellenburg) die Mutter des Klostergründers von Allerheiligen in Schaffhausen und Verwandte des Papstes war, der die Gründung ihres Sohnes in Schaffhausen geweiht hat. – Fragwürdiger sind die weiteren von Hans Oswald Huber in seiner Chronik (um 1580) behaupteten Weihen durch Leo IX. Im Anschluss an die Notiz von der Weihe dreier Altäre in Schaffhausen (zu 1052) wird hier (Schaffhausen StArch., Abschriften 4 Bd. 1, 1-87, Carl A. Bächtold, Schaffhauser Beiträge zur vaterländischen Geschichte 8/1906, 85-145, 85) erklärt: idem pontifex eo tempore consecravit capellam in Lapide im Stain et etiam Capellam in castro Herwelingen. Ist einerseits die Weihe der Burgkapelle in Herblingen (bei Schaffhausen, D. Konstanz) historisch fragwürdig und die Existenz einer Burg an diesem Ort in so früher Zeit nicht gesichert (Johann J. Rüeger, Chr. der Stadt und Landschaft Schaffhausen [Schaffhausen 1884. 1892] I 422; Tüchle, Dedicationes Constancienses 71, 73; Tüchle, Kirchengeschichte Schwabens I 389), so ist die Weihe in Lapide andererseits nicht einmal genau zu lokalisieren; wäre evtl. an den Ort Stein am Rhein zu denken, so identifiziert der Herausgeber der Quelle die Kapelle am anderen Rheinufer gegenüber von Schaffhausen. Daher sind die beiden zusätzlichen, über die Altarweihe in Schaffhausen selbst hinausweisenden Weihenotizen dieser Quelle zwar nicht völlig auszuschließen, aber doch historisch zweifelhaft.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 710, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-11-22_1_0_3_5_2_382_710
(Abgerufen am 27.03.2017).