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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. weiht das Kloster Oelenberg (bei Reiningen) (D. Basel), schenkt Romanus-Reliquien und verleiht ein Privileg, worin die Unterstellung unter die päpstliche Jurisdiktion sowie der Basler Bischof als Konsekrator der Mönche festgelegt wird.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Privileg Alexanders III. (1181 Febr. 11) (JL 14370) (Trouillat, Mon. de Bâle II 20); Basler Proprium sanctorum (Synopsis constitutionum et ordinationum synodalium dioecesis Basiliensis ...) 77, 100 (nicht eingesehen). Reg.: GP II/2 267 n. *1; Munier, Léon IX 280 (1052/3); vgl. Pfaff, Liber Censuum 233 n. 478. Lit.: Hunkler, Leo IX. 28f., 160; Grandidier, Oeuvres inédites II 40, 58; III 128ff.; Glöckler, Bistum Straßburg I 163, II 407f.; Vautrey, Hist. de Bâle I 115; Schulte, Leo IX. 85; Brucker, L'Alsace II 263f.; Grandidier, Nouvelles oeuvres inédites IV 21ff.; Clauss, Historischtopographisches Wörterbuch 821; Stintzi, Elsässische Klöster 35; Pfleger, Kult Leos IX. 83; Clauss, Heilige des Elsaß 85; Büttner, PUU des Elsaß 10 (ND 234); Stintzi, Leo IX. Fahrten 79; Sittler, Comtes d'Eguisheim 26; Barth, Kult Leos IX. 147, 199; Burg, L'église d'Alsace 93; Stintzi, Léon IX et l'Alsace 112f. (vgl. die Bilder nach 104); Larose, Origines du St-Léon 34f.; Dubled, L'avouerie 79; Barth, Handbuch elsässischer Kirchen 1018ff., 1108f.; Rück, Urkunden der Bischöfe von Basel 36; Brakel, Heiligenkulte 272; Metzger, Saint Léon 4; Schwineköper, Christus-Reliquien 262; Legl, Grafen von Dagsburg-Egisheim 197f.; Zimmermann, Léon IX et le Sundgau 287f.; Jordan, Léon IX et son postérité 623f.

Kommentar

Papst Alexander III. erwähnt in seiner Urkunde, dass die Kirche bei Reiningen, sicut privilegia praedecessorum nostrorum piae recordationis Leonis ... declarant, ad iurisdictionem b. Petri pertineat ...; demzufolge muss diesem Papst ein Privileg Leos IX. vorgelegt worden sein. Nun beruht aber die frühe Geschichte der Propstei Oelenberg (vgl. n. †727) auf der aus dem dortigen Nekrolog (Manfred Krebs, Die Nekrologfragmente des Chorherrenstiftes Oelenberg [ZGO 92/1940, 241-255], v. a. 250f.) entnommenen Nachricht, dass das Kloster von einer Heilwidis gegründet worden sei, deren Sohn Udalricus, deren Mutter Richardis hieß; die Überlegungen der oben angeführten Literatur laufen darauf hinaus, diese Heilwidis mit der Mutter Leos IX. zu identifizieren und ihr einen weiteren Sohn, einen sonst unbekannten Papstbruder Udalricus, zuzuschreiben. Dagegen hat Hlawitschka, Anfänge des Hauses Habsburg 106f. polemisiert und die im Nekrolog genannte Gründerin Oelenbergs als die 1126 verstorbene Großnichte des Papstes, die Egisheimerin Heilwidis, identifiziert. Falls Hlawitschkas durchaus plausible Überlegungen zutreffen, kann die Propstei erst nach dem Tod Leos IX. gestiftet sein; dann muss es sich bei dem verlorenen Privileg für Oelenberg um eine Fälschung handeln. Auch die Tatsache, dass der vierte Propst von Oelenberg im Jahr 1194 amtierte (Krebs 244) spricht gegen eine Gründung schon vor der Mitte des 11. Jahrhunderts. Ob die im Liber Censuum (Fabre/Duchesne I 179, II 120) erwähnte jährliche Abgabe einer Goldmünze als Rekognitionszins ebenfalls auf dem Privileg Leos IX. basiert, lässt sich nicht entscheiden. Aufgrund des durch Hlawitschka erwiesenen späteren Ansatzes für die Klostergründung (vgl. n. †727) ist auch die Weihe des Kloster Oelenberg durch Leo IX. nicht möglich. Die einzige Quelle dafür, das Basler Proprium sanctorum aus dem 17. Jahrhundert, ist auf Anregung und unter Mitarbeit des Lützeler Abts Bernhardin Buchinger entstanden und in seinem Quellenwert ähnlich anfechtbar, wie die in den Werken dieses Abtes überlieferten Weihenotizen (vgl. nn. †694, †705-†708); zu Buchinger vgl. Rebetez, Bâle 532f. Daher ist auch schon Schulte der Nachricht gegenüber skeptisch; das von Barth, Kult Leos IX. 199, erwähnte Gemälde der Weihe durch den Papst dürfte ohne historischen Wert sein und ebenso kann die Romanus-Reliquie in späterer Zeit auf anderem Weg an den Ort gelangt sein.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †704, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-11-20_3_0_3_5_2_376_704
(Abgerufen am 05.12.2016).