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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. bestätigt dem Kloster St-Dié in dem Galiläa genannten Vogesental (tibi s. Deodate et per te servitoribus tuis ... in valle sita que dicitur Galilea) (D. Toul), das er auf dem Rückweg von der Mainzer Synode (n. 655) während der Vakanz des Touler Bistums besucht hat (cum rediremus a synodo Magontinensi ... contigit nos ad eccl. tuam ... venire ... sitam in valle Vosago que dicitur Galilea ... dum adhuc vacaret Tullensis episcopatus), alle Geschenke und Einnahmen und den gesamten Besitz als Gemeingut der Brüder (dignum duximus indulgere beneficium ... census ... oblationes ... fratres in commune habeant), das Recht der freien Wahl des Propsts, der für das Kloster die Funktionen des Bischofs habe (praelatus ..., quem illa congregatio ex sese unanimiter elegerit ... qui et idem eorum episcopus), sowie die freie Wahl des Bischofs für Weihen; verbietet, das Kloster ohne Erlaubnis der Kongregation zu betreten, erlaubt zur Korrektur der Brüder dem Propst nötigenfalls auch fremde Kanoniker heranzuziehen, und erlässt ein Alienations und Perturbationsverbot.

Originaldatierung:
Dat. XVI kal. Dec. pm. Petri diac., bibl. et canc. SAS, a. d. Leonis IX papae I, ind. III, millesimo quadragesimo nono.
Incipit:
Quia divinae dignationis nutu, non ...

Überlieferung/Literatur

Angebl. Orig.: 11./12. Jh., Épinal, Arch. dép., G 241 n. 1. Kop.: 1) 14. Jh., Épinal, Arch. dép., G 2688 fol. 17v; 2) 17. Jh., Saint-Dié, Médiathèque Victor Hugo, Ms. 9 p. 133; 3) 17. Jh., Saint-Dié, Médiathèque Victor Hugo, Ms. 51 p. 135; 4) 17./18. Jh., Épinal, Arch. dép., G 241 n. 2; 5) 17./18. Jh., Épinal, Arch. dép., G 241 n. 3; 6) 17./18. Jh., Épinal, Arch. dép., G 241 n. 4; 7) 17./18. Jh., Épinal, Arch. dép., G 235 fol. 4; 8) 17./18. Jh., Épinal, Arch. dép., G 234 (nicht zugänglich); 9) 18. Jh., Nancy, Soc. Arch. Lorraine, Ms. 235 fol. 18v (nicht zugänglich). Erw.: Urkunden Clemens' (III.) (1092 Aug. 11) (JL 5334) (Pflugk-Harttung, Acta I 53); Paschals II. (1109 April 10) (JL 6232) (Migne, PL 163, 256); Calixts II. (1123 April 3) (JL 7051) (Migne, PL 163, 1284); DHV. (1114 Jan. 13) (Stumpf-Brentano, Reichskanzler 3099) (Sommier, Hist. de Saint-Diez 366); DFI. 183 (1157 Okt. 24) (Böhmer/Opll, Regesten Friedrichs I n. 488) (Appelt, MG Dipl. X/1 306); Richer von Senones, Gesta II 14 (MG SS XXV 276); DHVI. (1196 Juni 28) (Böhmer/Baaken, Regesten Heinrichs VI. n. 528; Stumpf-Brentano, Reichskanzler 5013) (Johann Friedrich Böhmer, Acta imperii selecta. Urkunden deutscher Könige und Kaiser [Innsbruck 1870] I 188). Drucke: Martène/Durand, Thesaurus I 169; Sommier, Hist. de Saint-Diez 343; Brouilly, Défense de l'église de Toul pr. 4; Calmet, Hist. de Lorraine I pr. 422;2II pr. 278; Migne, PL 143, 632; Duhamel, Pape Léon IX 256; Duhamel, Pape Léon IX 88; Boudet, Chapitre de St-Dié II 206, auch Ders. im Bullet. de la Soc. philomatique vosgienne 51/1925, 206; Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 256f. (fragm.). Reg.: Georgisch, Regesta I 376 n. 24; Bréquigny, Table chronologique II 44; Höfler, Deutsche Päpste II 373; J 3195; Pflugk-Harttung, Päpstliche Originalurkunden 496 n. 40; Santifaller, Elenco 357; Santifaller, Geschichte der Beschreibstoffe 91 n. 37; Parisse, Bullaire n. †28; Santifaller, LD 122; Dahlhaus, Rota 66 n. 7a; Tock, Diplomatique française I 170, 334, vgl. Boye, Quellenkatalog 85; JL 4197. Lit.: Sommier, Hist. de St-Diez 57ff.; Brouilly, Défense de l'église de Toul 101ff.; Languille, Hist. d'Alsace 165f.; Höfler, Deutsche Päpste II 61ff.; Hunkler, Leo IX. 157, 283f.; Chanzy, Précis chronologique 70; Duhamel, Pape Léon IX 186f.; Delarc, Pape alsacien 236f.; Steindorff, Heinrich II 101; Pflugk-Harttung, Komma 435; Arthur Benoît, L'empereur Henri VI dans les Vosges. Saint-Dié-Bryères (Juin 1196) (Bullet. de la Soc. philomatique vosgienne 11/1885.6 119-135) 122; Brucker, L'Alsace II 46, 61f., 81ff.; Sackur, Cluniacenser II 322; Hauck, Kirchengeschichte III 602; Martin, Hist. de Toul I 205; Martin, Saint Léon 110; Parisot, Origines 165; Boudet, Chapitre de St-Dié I 62ff., 80; Marot, L'élévation des reliques 31; Scherlen, Hunaweier 287; Bloch, Klosterpolitik 195, 210f.; Perrin, Recherches 285f.; Santifaller, Elenco 155, 158; Stintzi, Leo IX. Fahrten 74; Paulin, Leo IX. und Lothringen 102f.; Barth, Kult Leos IX. 149, 212f.; Oppermann, Rheinische Urkundenstudien II 144; Choux, Recherches 6, 127, 146; Stintzi, Léon IX et l'Alsace 111; Paulin, Leo und Lothringen 34; Ronsin, Saint-Dié 23, 34; Brakel, Heiligenkulte 258, 263, 274; Santifaller, Neugestaltung 37; Rück, Urkunde des Basler Bischofs Rudolf für St-Dié 93; Vrégille, Hugues de Salins I 185, II 835; Gussone, Thron und Inthronisation des Papstes 227; Bernard, Offices versifiés 90; Bazelaire de Lesseux, Observations sur l'exercise d'avouerie 97; Dahlhaus, Rota 52; May, Ego 35; Parmentier, Église et société en Lorraine 19, 21, 36, 50, 57ff., 62, 68; Munier, Léon IX 132, 184, 275; Parmentier, L'Église de Saint-Dié 7ff.; Larger, Peintures murales de St-Dié 7ff.; Scholz, Politik 430; Parmentier, Léon IX et St-Dié 651f.; Dahlhaus, Das bischöfliche Wirken 59f.; Fray, Villes de Lorraine 391ff.; Schrör, Metropolitangewalt 96; Dahlhaus, Urkunde, Itinerar und Festkalender 14; Johrendt, Anfänge des Kapitels von St. Peter im Vatikan 90.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Meinert, PUU in Frankreich I 119ff., 135f., 169, Perrin, Recherches 286 und Parisse, Bullaire n. 28. Die lt. Boudet 64f. völlig kanzleigemäße Urkunde ist seltsamerweise an den Klosterheiligen gerichtet: tibi s. Deodate, was jedoch nicht weiter auffällig ist, da dasselbe auch auf das kurz danach für Woffenheim ausgestelle Privileg zutrifft (n. 699). Dennoch ist die Echtheit heftig umstritten. Schon für Calmet war das Schriftstück suspekt, Brouilly lieferte dafür eine ausführliche Begründung. Unter Bezug auf die Anmerkung von Waitz zu Richers Gesta (MG SS XXV 276), der die Urkunde ohne Angabe von Gründen als "charta spuria" bezeichnete, ordnete Martin 205 sie als "manifestement fabriquée" ein. Dem widersprach Boudet 63ff. unter Hinweis auf die seiner Ansicht nach in allen Teilen kanzleigemäße Abfassung, die innere Stimmigkeit und die frühe Erwähnung in den angeführten anderen Urkunden. Dagegen nahm Perrin unter Hinweis auf die von Boudet eingestandenen äußeren Anomalien sowie auf die Tatsache, dass Clemens (III.) vom Leo-Privileg als einem nur vom Hörensagen bekannten Dokument, das anscheinend den Brand des Klosterarchivs 1065 (Sommier 90f.) nicht überstanden hat, spricht, und die Urkunde erstmals in dem Paschalis-Privileg von 1109 Anklang findet, eine Fälschung kurz vor diesem Datum an. Das Privileg Clemens' III.-Wiberts bestätigt nur den päpstlichen Schutz, während erstmals in der Urkunde Paschals II. unter Bezug auf jene Leos IX. von Exemtion die Rede ist (Choux 146). Unter Verweis auf Perrin lehnt auch Choux 127 die Echtheit des Stücks ab mit der zusätzlichen Begründung, dass die Rota offensichtlich gefälscht sei. Dieser Ansicht folgen auch Parisse und Rück. Dagegen nimmt Vrégille mit Boudet die Authentizität der Urkunde an. Für eine Fälschung spricht jedoch über die angeführten Gründe hinaus zusätzlich die Tatsache, dass in der Urkunde von einer Vakanz des Touler Bistums (dum adhuc Tullensis episcopatus vacaret) die Rede ist; dieser Satz steht in Kontrast zu anderen Aussagen Leos IX., der sich auch nach seiner Erhebung zum Papst als Bischof von Toul verstand (vgl. n. 422). Nach der Ansicht von Dahlhaus, Rota wurde das angebliche Original aufgrund einer am 16. November 1049 tatsächlich von Leo IX. für St-Dié ausgestellten Urkunde erstellt und ist bis auf weite Teile der Dispositio authentisch, was die weitgehend korrekten Aussagen erklärt. Allerdings stehen die Aussagen, die eine Exemtion des Klosters andeuten, in scharfem Kontrast zu den Aussagen der Fälschung von 1051 (n. †863), die vermutlich ebenfalls auf einem Privileg Leos IX. für St-Dié beruht, welches er noch als Bischof von Toul erlassen hatte. Da zu obigem Datum wahrscheinlich eine Urkunde für St-Dié ausgestellt wurde, sind in der Literatur (Martin, Brucker, Müller, Itinerar 78f.; Paulin, Stintzi, Barth, Vrégille, Hugues 149) gelegentlich geäußerte Überlegungen wohl zutreffend, der Papst habe an diesem Tag das Kloster besucht, um dort die Kanonisation des hl. Deodatus durchzuführen. Dies ist umso wahrscheinlicher, als Leo IX. bei der römischen Synode 1049 die Heiligsprechung hatte beschließen lassen (n. 540.13) und er selbst ein Officium auf den Heiligen komponiert hatte (n. 434). Zudem ging das Kloster möglicherweise auf eine Gründung seines Großvaters Ludwig (von Dagsburg-Roucy, Grafen in Reims) und dessen Schwiegermutter Herzogin Beatrix zurück. Darüber hinaus wurden nach Barth 213 in dem Kloster späterhin die von Leo IX. benutzten Sakralgeräte verehrt: Kelch, Rauchmantel u. a. Die Übergabe der Urkunde durch den Papst an die Kanoniker war bis 1944 im Kloster bildlich dargestellt und hat sich durch ein Foto im Inventaire des Monuments Français erhalten (Parmentier, Église et société en Lorraine nach 32; Parmentier, L'Église de Saint-Dié 6). Die Behauptung im Rubrum zu dieser Urkunde des Livre rouge (Kopie 1) (privilegium d. Leonis papae propositi quondam eccl. nostrae), die bereits in einer liturgischen Handschrift des 13. Jahrhunderts aus St-Dié auftaucht (qui fuit praepositus eccl. nostrae) (vgl. Sommier 55f.) wird auch von Parmentier wieder vertreten und ist möglicherweise mit dem Artikel des LMA (Michel Parisse, Saint-Diè, VII 1148f.) so zu interpretieren, dass ein Kathedralkanoniker von Toul zugleich Propst in St-Dié war und dies dann auf Leo IX. vor seinem Touler Episkopat zugetroffen hätte. Zur Wiederbegründung des Klosters durch den Großvater mütterlicherseits des Papstes, Ludwig von Dagsburg vgl. Viellard, Documents de Belfort 89.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †689, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-11-16_1_0_3_5_2_361_689
(Abgerufen am 27.03.2017).