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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. gelangt in Begleitung von 34 Bischöfen nach Straßburg und wird dort von Bischof Hermann von Straßburg empfangen, in das (im Bau befindliche) Münster geleitet, verleiht diesem ein Privileg und hält sich mehrere Tage in der Stadt auf.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Jakob Twinger von Königshofen, Chr. 1050 bzw. 1052/53 (Hegel, Chr. der deutschen Städte IX 557f., 875, 894), vgl. Daniel Specklin, Collectanées 1053 (Reuss 47ff. n. 742). Reg.: Kraus, Kunst in Elsaß-Lothringen I 352 (1050 Jan.). Lit.: Schadäus, Summum Argentoratensium templum 12; Grandidier, Essais sur l'église cathédrale de Strasbourg 29; Hunkler, Leo IX. 210f.; Spach, Saint Léon IX 20; Grandidier, Oeuvres inédites I 480, II 15, 58f.; Vautrey, Hist. de Bâle I 115; Schulte, Leo IX. 87; Glöckler, Bistum Straßburg I 162, 164f.; L'Huillier, Vie de Saint Hugues 60; Brucker, L'Alsace II 75ff.; Grandidier, Nouvelles oeuvres inédites 341ff.; Martin, Saint Léon 135; Paulus, Geschichte des Ablasses I 149; Pfleger, Kult Leos IX. 85ff., 93; Stintzi, Leo IX. Fahrten 73; Burg, L'église d'Alsace 93; Barth, Kult Leos IX. 147f., 200f.; Barth, Handbuch elsässischer Kirchen 1399.

Kommentar

Der Straßburger Stadtbaumeister des 16. Jh., Danliel Specklin (vgl. Hubert Janitschek, ADB 35, 82ff.) schildert fälschlich zum Jahr 1053 die Mainzer Synode des Jahres 1049. Daran anschließend berichtet er von der Reise Leos IX. nach Süden: Mit dem Papst zogen uff 34 bischoff und vil fürsten und herren. Als sey gen Strosburg komen, empfinge sie bischoff Hetzel ... und wurden ins münster gefürrt ... Er gab den tumherren im münster grosse freyheitten und allen stifften. Diese Nachricht übernahm Schadäus, der die freyheitten als Ablaß und freyheitten interpretierte. Dieser Autor führt weiter aus, dass das Münster zum Zeitpunkt des Papstbesuches noch im Bau war. Unter Nennung dieser Quelle geht auch Grandidier auf den Besuch ein. Er bringt dieselben Informationen wie Schadäus, korrigiert jedoch den Zeitpunkt des Besuches ohne Angabe einer Quelle in den Januar 1050. Diese Einordnung ist allerdings vom Itinerar des Papstes her unmöglich. Schulte und Pfleger stehen daher der Überlieferung kritisch gegenüber, insbesondere was die Ablassverleihung angeht, Schulte auch dem Besuch als solchem. Pfleger und Stintzi dagegen nehmen den Besuch der Dombaustelle während eines Aufenthalts Leos IX. in Straßburg als authentisch überliefert an. Als Zeitpunkt bietet sich der Spätherbst des Jahres 1049 an, als der Papst auch Jung-St.-Peter in Straßburg weihte (n. 682). Jakob Twinger wie Daniel Specklin führen den Straßburger Aufenthalt im Anschluss an das im Herbst des Jahres 1049 veranstaltete Mainzer Konzil (n. 655) an, allerdings ordnet Jakob Twinger ihn auch einmal der dritten Papstreise in den Jahren 1052/53 (p. 558), sonst 1050 (p. 557, 875, 894) zu. Jakob Twinger gibt eine Dauer von mehreren Tagen an: kam ... gein Strosburg und was do etwie dag. Da Leo IX. nach dem Mainzer Konzil eine Reise durch das Elsass unternahm (vgl. nn. 680-709) ist anzunehmen, dass er in deren Verlauf auch Straßburg aufsuchte; allerdings müsste der Aufenthalt dann in den ersten Teil des Monats November im Jahr 1049 fallen, im Dezember des Jahres befand er sich schon in Basel (n. 709); die in den Quellen gemachten Jahresangaben beruhen auf der Verbindung mit der Synode von Mainz, die chronologisch falsch eingeordnet wird. Allerdings wäre vom Itinerar Leos IX. her auch ein Besuch in Straßburg im Herbst 1050 oder um die Wende 1052/53 denkbar. – In den Verlauf dieses Aufenthalts fiele wohl auch die urkundlich nicht überlieferte, in der Literatur aber gelegentlich erwähnte Messfeier Leos IX. in der Straßburger Frauenabtei St. Stephan. Bis ins 17. Jahrhundert war ein Bild des zelebrierenden Papstes in dieser Kirche erhalten mit der – wohl mündlichen – Überlieferung der betreffenden Papstmesse, vgl. Jung, Inscriptions du monastère de Saint-Étienne à Strasbourg (Bullet. de la Soc. pour la conservation des monuments hist. d'Alsace 2/1857-58) 298; Pfleger, Kult Leos IX. 93; Clauss, Heilige des Elsaß 87; Fuchs, Léon IX dans l'iconographie 127; Barth, Kult Leos IX. 201; Barth, Handbuch elsässischer Kirchen 1491; aus Anlass dieser Messfeier Leos IX. dürfte auch die dann 1304 von einem Kanoniker von St. Stephan testamentarisch verschenkte Stola Leos IX. an die Kirche gelangt sein (Schulte, UB Straßburg III 166f. n. 532). Auch die Möglichkeit eines wiederholten Aufenthaltes des Papstes während seiner Rückreisen aus Deutschland nach Rom ist nicht auszuschließen. Zur Überlegung, dass der Kaiser dem Papst bei seiner Elsassreise teilweise Geleit gab, vgl. Müller, Itinerar 79 und Sütterle, Salier und Elsass 39.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 679, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-11-00_3_0_3_5_2_351_679
(Abgerufen am 23.07.2017).