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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. gibt allgemein bekannt (omnibus s. eccl. filiis), dass er entsprechend einer Entscheidung der Synode von Mainz (n. 655.10), welche er mit Heinrich III. (in synodo Moguntina, in qua nobis consedit ... filii nostri Heinrici secundi Romanorum imp. ... maiestas) und vielen Bischöfen und Äbten feierte, Hugo als Erzbischof von Besançon bestätige und Bertald (Bertaldum) als Intrusus ablehne. Er berichtet, nach der synodalen Verurteilung der Simonie habe Erzbischof Hermann von Köln als Anwalt (causidicum ... Coloniensem archiepiscopum Herimannum) Bertalds der Synode vorgetragen, dieser sei nach dem Tod des Erzbischofs Hector vom burgundischen König Rudolf (III.) (rege Burgundionum Rodulfo ... Hectorem) investiert und von seinen Suffraganen geweiht worden (investituram se eiusdem archiepiscopatus accepisse ... a suffraganeis episcopis consecratum fuisse), habe als Erzbischof amtiert und sogar vom Papst (Benedikt VIII.) das Pallium erhalten (a Romano pontifice palleum cum privilegio acceperit ad ... confirmationem), sei jedoch vom Grafen (Otto) Wilhelm (von Burgund) (comite Willelmo) vertrieben worden, der an seiner Stelle Walter, dem Vorgänger des nun amtierenden Hugo (expulsum a Walterio antecessore Hugonis), das Erzbistum übergab; daraufhin habe als Vertreter des ebenfalls anwesenden Erzbischofs Hugo der Metropolit Adalbert von (Hamburg) Bremen (Bremensem archiepiscopum Albertum ... causidicum) erwidert, Bertald sei, da nicht kanonisch erwählt (pro eo quod nec clerus nec populus eum elegerit), nie Bischof gewesen, habe den bischöflichen Stuhl niemals eingenommen und nie als Bischof gewirkt, sondern das Amt für viel Geld gekauft (quia magnam pecuniam, ut episcopus fieret, regi dedisset); Hugo dagegen, Kantor beim Tod seines Vorgängers (Walter), sei kanonisch und gegen seinen Willen gewählt (clero et populo electum et etiam invite) und habe in seinen 18 Amtsjahren von Bertald keine Anfechtung erfahren und sein Amt unangefochten ausgeübt. Der Aufforderung des Konzils, Beweise für seine Behauptung vorzulegen, habe Bertald nicht nachkommen können, weshalb die Synode mit Zustimmung des Kaisers seine Klage zurückgewiesen, ihn im Fall weiterer Belästigungen des burgundischen Metropoliten mit dem Anathem bedroht und die Ansprüche Hugos bestätigt habe; der Papst verleiht letzterem mit Zustimmung der Versammlung den apostolischen Schutz und als Insignien der erzbischöflichen Würde Vortragekreuz und Pallium (placuit ... universo synodo, nostro apostolico tutamine eundem Hugonem archiepiscopum muniri debere ... cum episcopali officio etiam archiepiscopalia insignia eidem Hugoni ... concedimus et confirmamus, crucem videlicet ac palleum).

Originaldatierung:
Dat. XIV kal. Nov. pm. Petri diac. bibl. et canc. SAS a. d. Leonis IX papae I, ind. III.
Incipit:
Gratias agentes Deo et Domino ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: . Kop.: 1) 11./12. Jh., London, Brit. Library, Cotton Ms. Claudius C. VI fol. 168 (olim: 164). Faks.: Vrégille, Hugues, Planche X. (Foto von fol. 169 mit Unterschriftenliste und Bestätigungszeichen). Erw.: Hermann von Reichenau, Chr. 1049 (Additamentum) (MG SS V 128). Drucke: Gall. chr. XV Instr. 9; August Theiner, Über Ivos vermeintliches Decret (Mainz 1832) 89; August Theiner, Disquisitiones criticae in praecipuas canonum et decretalium collectiones (Rom 1836) 203; Richard, Hist. des diocèses I 622; Migne, PL 143, 621; Delarc, Pape alsacien 224 (franz. Übersetzung); MG Const. I 97; Morghen, Programma della riforma gregoriana VIII; Vrégille, Hugues de Salins III 82; Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 261. Reg.: Höfler, Deutsche Päpste II 373; Regesta dipl. hist. Danicae II/1 12 n. 39; J 3187; Stumpf-Brentano, Reichskanzler 2376; Goerz, Mittelrhein. Regesten I 379 n. 1336; Böhmer/ Will, Regesten der Mainzer Erzbischöfe I 173 n. 49; Finke, PUU Westfalens (Westfälisches UB V/1) 10 n. 30; Janicke, UB Hildesheim 84 n. 84; Dobenecker, Regesta historiae Thuringiae 789; Rosenfeld, UB Naumburg I 43 n. 51; May, Regesten der Bischöfe von Bremen I n. 235; Heidingsfelder, Regesten der Bischöfe von Eichstätt 69 n. 188; Santifaller, Elenco 355; Oediger, Regesten I 236 n. 819; Zoepfl/Volkert, Regesten der Bischöfe von Augsburg 163 n. 280; Ortmanns, Minden 135 n. 20; Christensen/Nielsen, Diplomatarium Danicum I/1 196 n. 494; GP IV 89 n. 112; GP VI 56 n. 79, GP VI 142 n. 2; Hans-Josef Weiers, Studien zur Geschichte des Bistums Münster im Mittelalter (Köln 1984) 128 n. 10; GP VII 56 n. 142; Lübke, Regesten der Slaven n. 696 (IV 250); Diestelkamp/Rotter, Urkundenregesten I 61 n. 95; Gall. Pont. I 46 n. 27; GP IX 16 n. 18, GP IX 71 n. 12, GP IX 118 n. 21, GP IX 155 n. 25; GP V/2 33 n. 44 und GP V/2 218 n. 28; Chauvin, Conséquences diplomatiques 50 n. 2; Weissthanner/Thoma/Ott, Regesten der Bischöfe von Freising I n. 210; vgl. Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. 1167; JL 4188. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 57ff.; Hunkler, Leo IX. 153; Binterim, Deutsche Concilien III 406ff.; Sécretan, L'origine de Gérold 291; Delarc, Pape alsacien 223ff., 228; Steindorff, Heinrich II 97ff.; Brucker, L'Alsace II 48f., 56ff.; Hauck, Kirchengeschichte III 602f., 614; Hacke, Palliumverleihungen 48, 113, 116f., 125, 143; Martin, Saint Léon 107f.; Drehmann, Simonie 16f., 27f., 73f.; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2 1031ff.; Schwartz, Bistümer Reichsitaliens 51, 279; Guggenberger, Deutsche Päpste 51f.; Tangl, Teilnehmer 138; Schmid, Kanonische Wahl 86f.; Kehr, Vier Kapitel 46f., 55 (ND Ders., Ausgewählte Schriften 1241, 1249); Niewisch, Beiträge 70f.; Huyghebaert, Léon IX et la lutte 422f.; Büttner, Mainzer Synode 1049 53ff.; Ryan, Cardinal Humbert De s. Romana ecclesia 210; Morghen, Programma della riforma gregoriana 73ff.; Vrégille, Dijon 19; Diener, Itinerar Hugos von Cluny 398; Hoffmann, Von Cluny zum Investiturstreit 191f.; Fohlen, Hist. de Besançon I 230f., 241f., 247ff.; Capitani, Immunità 200; Fuhrmann, Pseudoisidorische Fälschungen II 342; Kundert, Erzstift Besançon 444; Martí Bonet, Roma y las Iglesias 198, 229; Vrégille, Hugues de Salins I 16ff., 177ff.; Vrégille, Hugues de Salins et la restauration 29; Waldemar Schlögl, Die Unterfertigung deutscher Könige von der Karolingerzeit bis zum Interregnum durch Kreuz und Unterschrift (Kallmünz 1978) 103ff.; Vrégille, Hugues 144ff.; Locatelli, Élections épiscopales à Besançon 95ff.; Goetting, Bistum Hildesheim 3: Bischöfe 267; Horwege, Bruno von Egisheim 84f.; Wolter, Synoden 411ff.; Dahlhaus, Rota 24; Locatelli, Chemins de la perfection 39; Laudage, Gregorianische Reform 22f.; Johrendt, Reisen der Reformpäpste 88; Schieffer, Enzyklika 121; Galland, Bourgogne 92; Hehl, Mainzer Kirche in ottonischsalischer Zeit 277; Dahlhaus, Privileg Alexanders II. 641; Munier, Léon IX 130; Browe, Abendmahlsprobe im Mittelalter 246; Schrör, Iussit eum papa Rome residere 44f.; Wendehorst, Bistum Eichstätt 60; Scholz, Politik 430, 435; Kupper, Léon IX, l'Empire et l'Église 277; Vrégille, Léon IX et Bourgogne 338; Rebetez, Bâle 539; D'Agostino, Primato 127; Sütterle, Salier und Elsass 200; Schrör, Metropolitangewalt 104ff.; Jasper, Synoden Papst Leos IX. 612f.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Wiederhold, PUU in Frankreich I 6 (ND I 6), Holtzmann, PUU in England I 80 und GP IV 89 n. 112 sowie Vrégille, Hugues de Salins II 831f., III 82, Gall. Pont. und Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 259. Die Papsturkunde trägt die Unterschrift des Kaisers, danach folgen 42 Bischöfe: der Reisebegleiter des Papstes Johannes von Porto, zwei weitere Römer, die Brucker 49 als Petrus Diaconus und den Subdiakon (Skriniar) Johannes versteht, wovon ersterer alle auf dieser Papstreise erlassenen Privilegien datiert hat, letzterer durch die Urkunde für Montier-en-Der (n. 602) als Begleiter des Papstes nachgewiesen ist. Zu denken ist vielleicht auch an die beiden Kurienangehörigen namens Johannes, die in der Fälschung für St-Arnou in Metz genannt sind (Johannes scriniarius und Johannes archidiac., vgl. nn. †648, †649); allerdings handelt es sich dann in beiden Fällen bei den Zeugen nicht um Bischöfe, sondern um römische Kuriale, wodurch die Anzahl der Bischöfe auf die in anderen Quellen genannten 40 käme. Da sie aber in der Zeugenliste sehr weit vorn stehen, sind vielleicht doch zwei italische Bischöfe gemeint. Es folgt Erzbischof Bardo als Ortsbischof von Mainz mit seinen Suffraganen Bischof Burchard I. von Halberstadt, Albert von Prag (wo allerdings ein Severus Bischof war), Rudolf von Paderborn, Sibicho von Speyer, Gebhard I. von Eichstätt, Arnulf von Worms, Adalbero von Würzburg, Hezel von Straßburg, Dietrich von Konstanz, Heinrich von Augsburg, Ascelin (Hartwig) von Bamberg, Abelin (Stephan) von Oldenburg (eigentlich Suffragan von Bremen) und Azelin von Hildesheim, Erzbischof Balduin/Balding von Salzburg mit seinen Suffraganen Gebhard von Regensburg und Nitger/Nizo von Freising und zwei Bischöfe aus dem Gebiet der Liutizen; um welche Bischöfe es sich dabei handelt, ist unklar. Die ältere Literatur ging davon aus, dass mit dem Eintrag Duo episcopi Leuticiorum eigentlich Udo episcopus Leucorum, also Bischof Udo von Toul, der Nachfolger Leos IX. in diesem Amt gemeint sei, der aber erst später Bischof wurde (vgl. n. 872), und noch Hefele/Leclercq waren der Ansicht, es seien duo [missi] episcopi Leucorum gemeint. Dagegen zeigte Steindorff 94, dass die Nennung auf zwei Missionsbischöfe aus dem Gebiet der Liutizen zu beziehen ist, von denen einer eventuell Bischof Gottschalk von Havelberg war. Die Liste setzt sich fort mit dem lt. Schwartz, Bistümer Reichsitaliens 27 von Leo IX. eingesetzten Bischof Hermann von Città di Castello, Erzbischof Hermann II. von Köln mit den Suffraganen Benno (Bernulf) von Utrecht, Bruno von Minden, Alberich von Osnabrück, Robert von Münster, Dietwin von Lüttich, Erzbischof Hugo von Besançon mit seinem Suffragan Dietrich von Basel, Erzbischof Eberhard von Trier und dessen Suffragane Adalbero von Metz und Dietrich von Verdun, Erzbischof Hunfried von Magdeburg mit den Bischöfen Hunald von Merseburg, Tankward von Brandenburg, Eppo von Naumburg und Bruno von Meissen, Erzbischof Adalbert von (Hamburg) Bremen mit seinem dänischen Suffragan Bischof Walo von Ripen und aus dem Sprengel von Aquileia Bischof Dietwin von Concordia (Heinricus ... Romanorum imp. ... Iohannes Portuensis epi. Hii duo Romani, Bardo Magontinus ... Burcardus Alvestedensis ... Albertus Pragensis . Ruodolfus Padebrunensis ... Sibico Spirensis ... Gebeardus Eistetensis ... Arnulfus Warmaciensis ... Adalbero Wirziburgensis ... Hescelo Strazburgensis ... Theodericus Constanciensis ... Heinricus Augustensis ... Ascelinus Bauenbergensis ... Stephanus Antiquae Urbis ... Ascelinus Eldinensis ... Balduinus Salseburgensis ... Gebeardus Ratisponensis ... Nito Frisingensis ... Duo episcopi Leuticiorum, Herimannus de Castello Felicitatis ... Herimannus Coloniensis ... Benno Traiectensis ... Bruno Mindensis ... Albericus Osenbrugensis ... Rodbertus Mimigardevordensis ... Tetuinus Leodicensis ... Hugo Crisopolitanus ... Theodericus Basileensis ... Hebreardus Treverensis ... Adalbero Metensis ... Theodericus Verdunensis ... Hunfredus Magdeburgensis ... Hunaldus Merseburgensis ... Tancoardus Brandeneburgensis ... Eppo Nuenburgensis ... Bruno Misnensis ... Albertus Bremensis ... Walo Iburgensis Danorum episcopus. Tetuinus Concordiensis ep. de Aquileia). Die in der Urkunde angekündigte Unterschrift des Papstes (hanc vero paginam ... propriae manus subscriptione et ipsi corroboravimus) fehlt, jedenfalls taucht der Name Leos in der Unterschriftenliste nicht auf, was Dahlhaus, Rota 24 dazu veranlasst, in den vom Papst eigenhändig eingetragenen Schlusszeichen Rota, Monogramm und Komma diese Bestätigung zu sehen. Auffälligerweise treten die beiden an dem Streit beteiligten Prälaten nicht selbst vor der Synode auf, obwohl sie anwesend sind, sondern lassen sich durch den Erzbischof von Köln bzw. den von Hamburg in ihrem Verfahren vertreten. Es ging darin um die Nichtigkeitserklärung der Besançoner Wahl von 1016, aus der Bertald als Erzbischof hervorgegangen war und die Benedikt VIII. und Heinrich II. bestätigt hatten (Vrégille, Hugues de Salins I 17). Beides wurde von der Synode wortlos übergangen. Wegen politischer Schwierigkeiten hatte Bertald sich nicht auf seinem Stuhl halten können; nach den Aussagen Hugos auf dem Konzil hatte er sein Amt nie ausgeübt und es simonistisch erworben. Dass die Synode, welche nach Aussage des Papstes in der Urkunde selbst sowie anderen Quellen (vgl. n. 655.3), Beschlüsse gegen die Simonie gefasst hatte, darauf nicht einging, ist bemerkenswert. Ihr Beschluss basierte anscheinend vor allem auf der Tatsache, dass die Wahl Bertalds im Unterschied zu jener Hugos nicht kanonisch (durch Klerus und Volk) war. Daneben dürften noch praktische Erwägungen eine Rolle gespielt haben, da Hugo offenbar 18 Jahre im Amt war, Bertald dagegen nie. Zudem hatte Hugo den Papst auf seiner Reise im Herbst 1049 begleitet (vgl. nn. 611, 618, 622, 626, 627, 642, 644, 645, 647, 655). Bemerkenswerterweise unterzeichnet der Erzbischof selbst das zu seinen Gunsten ausgefertigte Privileg. An dessen Echtheit besteht kein Zweifel.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 658, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-10-19_5_0_3_5_2_330_658
(Abgerufen am 23.01.2017).