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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. besucht mit großem Gefolge auf Einladung Herzog Gerhards von Oberlothringen das Kloster Busendorf (D. Metz), weiht eine Heiligkreuzkapelle samt Altar und den Kirchhof, beschenkt die Kirche und erlässt ein Privileg, in welchem er das Kloster bestätigt, dem Herzog die Vogtei mit den Einkünften von einem Drittel der Gerichtsfälle überlässt, sowie ein Perturbationsverbot ausspricht und eine Regelung über Ehen zwischen den Hörigen der Abtei Busendorf und jenen des Herzogs von Lothringen sowie der Abteien Mouzon (D. Reims) und Rettel (D. Trier) trifft.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Notitiae fund. Bosonisvillae (MG SS XV/2 978ff.); Privileg Bischof Bertrams von Metz (1179-1212) (Hartmut Müller, Quellen und Urkunden zur Geschichte der Benediktinerabtei St. Sixtus in Rettel [Jb für westdeutsche LG 10/1984, 1-66] 17 n. 19; vgl. Meinert, PUU in Frankreich I 111). Reg.: Parisse, Bullaire n. 45; GP X/1 308 n. *2; Munier, Léon IX 272; Iogna-Prat, Léon pape consécrateur 380 (1049 ?); vgl. Parisse, Règlements d'avouerie 161 n. 5; JL 4194α. Lit.: Calmet, Hist. de Lorraine II 167f.; François/Tabouillot, Hist. de Metz II 130ff., 140; Gall. chr. XIII 753, 925f.; Höfler, Deutsche Päpste II 56; Hunkler, Leo IX. 150; Cazin, Notre-Dame de Rabas 34; D'Arbois, Monastères en Lorraine 37; Brucker, L'Alsace I 344f., II 46f.; Bloch, Klosterpolitik 198ff., 207f., 229; Henri Tribout, Cartulaire de l'abbaye de Bouzonville (RevMab 23/1933, 133-141, 233-246) 136ff.; Perrin, Recherches 450ff., 468ff., 725ff.; Paulin, Leo IX. und Lothringen 101f.; Paulin, Leo und Lothringen 34; Morhain, Léon IX et Metz 91ff.; Hlawitschka, Anfänge des Hauses Habsburg 79ff.; Brakel, Heiligenkulte 257f.; Nicolas Dicop, Bouzonville et son abbaye (Metz 1978) 35ff., 42ff., 72; Fried, Laienadel und Papst 392f.; Boshof, Kirchenvogtei 70f., 94ff.; Schwineköper, Christus-Reliquien 223f., 259; Erkens, Trier 122f.; Dahlhaus, Rota 50; Schäfer, Studien zu Poppo von Stablo 70f.; Bönnen, Toul 82; Dahlhaus, Aufkommen der Rota 419; Munier, Léon IX 180f., 183; Lauwers, Cimetière 148; Iogna-Prat, Maison de Dieu 383ff., 389; Iogna-Prat, Léon pape consécrateur 371, 374f.

Kommentar

Unter dem Titel Notitiae fundationis monasterii Bosonisvillae sind fünf Fragmente aus dem 12. Jahrhundert ediert, welche sich mit der frühen Geschichte des Klosters befassen. In den Fragmenten I (MG SS XV/2 978) und V (MG SS XV/2 980) ist der Besuch des Papstes erwähnt, qui altare s. crucis pontificalibus decoravit donis, monachis et caeteris atrio eiusdem loci degentibus pacem firmam bannavit (p. 978); Commendavit autem isdem papa praesentem locum comiti (p. 980). Das Fragment I überliefert außerdem, dass Herzog Dietrich II. später (nach 1100) diese kartam Leonis papae et avi sui Gerhardi fecit legi (p. 979); die Urkunde des Bischofs berichtet... cum d. Leo papa IX eccl. s. Crucis Bosonisvillae dedicavit ... concessere eccl. homines et feminas ipsius cum hominibus ducis Lotharingiae et b. Xisti et b. Mariae de Mosum mutua licet contrahere matrimonia. Das Fragment V erzählt vom Besuch des Papstes (qui magno conventu episcoporum, abbatum, monachorum, clericorum susceptus honorifice, oratorium et altare s. Crucis muneribus ditavit magnifice, atrium eiusdem loci visitando, multis comitantibus, circuivit ... ibidem pacem firmam indixit) und anschließend von der Vogteiregelung, die aber schon 1043 getroffen worden sei. Das ist nicht möglich, wenn sie vom Papst zusammen mit Herzog Gerhard erlassen ist, wie Fragment I andeutet. Boshof, Kirchenvogtei denkt daher an einen früheren Besuch des späteren Papstes als Bischof von Toul, den die Quelle aber in seiner Funktion als Papst nennt. Doch kann dann nicht der Herzog Gerhard, sondern muss dessen Vater Graf Gerhard gemeint sein (vgl. Perrin, Recherches 472ff.). Vielleicht lösen sich die Schwierigkeiten dadurch, dass eine Regelung der Vogtei 1043 durch den Sohn des Klostergründers, des Grafen Adalbert, (Graf Gerhard) durchgeführt wurde, welche beim Papstbesuch in einer Urkunde von Papst und Herzog ihren Niederschlag fand. Auch die Aussage der Bischofsurkunde, der Papst habe die Kirche geweiht, ist nicht korrekt, denn die Weihe einer Klosterkirche (evtl. Vorgängerkirche) hat lt. Fragment I schon 1033 Bischof Dietrich von Metz durchgeführt (zu den Stiftern des Klosters vgl. Rudolf Wagner, Die Stifter der einstigen Benediktinerinnenabtei Unterliezheim von 1026 [ZS des historischen Vereins für Schwaben 96/2003, 7-26] 11ff. und passim). Bischof Bertram hat offenbar angenommen, der Aufenthalt des Papstes in Busendorf sei mit dessen Weihe verbunden gewesen; das ist ca. 150 Jahre nach dem Geschehen durchaus plausibel. Geschenkt hat der Papst dem Kloster vielleicht Reliquien des heiligen Pankratius, denn die von Busendorf abhängige Kirche Brettnach war diesem Heiligen geweiht, dessen Verehrung Leo IX. lt. Pfleger, Kult Leos IX 85ff. in Deutschland eingeführt hatte (Morhain 93). Ein Datum für den Aufenthalt Leos IX. ist in den Quellen nicht genannt, jedenfalls ist er einer der beiden Reisen in den lothringischen Raum zuzuordnen; vermutlich ist er in Zusammenhang mit der Weihe in Rabas (vgl. n. 651) zu sehen, das nicht allzu weit von Busendorf entfernt auf dem Weg von Metz liegt. Für beide Besuche bieten sich 1049 zwei Zeiträume an: einmal zwischen dem 7. und 14 September (auf der Reise von Trier nach Toul), dann nach dem 12. Oktober im Anschluss an den Aufenthalt in Metz, was wohl die wahrscheinlichste Lösung darstellt. Für die zweite Reise 1050/51 lässt sich eine genauere hypothetische Frist nicht bestimmen.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 652, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-10-13_1_0_3_5_2_324_652
(Abgerufen am 23.01.2017).