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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo (IX.) (Leo ego Romanae sedis papa) gibt allgemein (omnibus catholicae atque apostolicae eccl. cultoribus) die Gründung des Benediktinerinnenklosters Ste-Marie in Saintes (s. Mariae Sanctonensis coenobii, quod monachabus inibi sub b. Benedicti regula degentibus ... fundaverunt) durch Graf Gottfried von Anjou und dessen Gattin Agnes (Goffridus comes Andegavensis et Agnes comitissa) bekannt, das er zugleich wunschgemäß bestätigt und unter den Schutz des apostolischen Stuhls nimmt (confirmamus et constitutionis tantae locum liberali ... iure sub nostra defensione suscipimus), und erlässt ein Perturbationsverbot.

Incipit:
Innotescat volo omnibus catholicae atque ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 18. Jh., Poitiers, Médiathèque, Coll. Fonteneau 25 p. 385; 2) 1787, Paris Bibl. nat., Ms. Moreau 24 fol. 141. Erw.: Urkunde aus der Zeit nach 1119 (Grasilier, Cartulaires inédites de la Saintonge II 71f.; vgl. Guillot, Comte d'Anjou II 88 n. C 111). Drucke: Gall. chr.2II Instr. 481; Migne, PL 143, 743; Théodore Grasilier, Cartulaires inédites de la Saintonge II (Niort 1871) 8. Reg.: Bréquigny, Table chronologique II 41; Höfler, Deutsche Päpste II 373 (1049); J 3284; Santifaller, Verbalinvokation 56 n. 31; Santifaller, LD 127; JL 4319 (1049-1054). Lit.: Brucker, L'Alsace II 359; Blumenstock, Päpstlicher Schutz 62, 66, 68f.; Fabre, Liber censuum 75; Alfred Richard, Hist. des comtes de Poitou I (Paris 1903) 252f.; Santifaller, Verbalinvokation 101; Kaiser, Bischofsherrschaft 199; Rathsack, Fuldaer Fälschungen II 629.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Wiederhold, PUU in Frankreich VI 20 (ND II 20). Die undatierte und ohne Eschatokoll überlieferte Urkunde ist in ihrem Formular auffällig. Obwohl Santifaller, LD die Formeln 32 und 86 darin angewendet findet, ist das Dokument insbesondere am Anfang nicht kanzleigemäß. So steht am Beginn nicht die Intitulatio, sondern die einzigartige Verbalinvokation Rectore omnium ordinante Deo, worauf erst die ungewöhnliche Intitulatio Leo ego Romanae sedis papa folgt, die so in keiner anderen Urkunde dieses Papstes vorkommt. Daran schließt sich der Bericht über die Gründung des Klosters und die Bitte der Gründer um päpstliche Bestätigung an, gefolgt von dieser erwünschten Konfirmation sowie einem Perturbationsverbot in ebenfalls nicht völlig unverdächtigen Wendungen. Auch die im Schlusssatz gegebene Ankündigung der Besiegelung Huius vero conscriptionis cartam, ut firmiorem obtineret vigorem, sigilli nostri impressione signari curavimus entspricht nicht dem unter Leo IX. gebräuchlichen Formular. Ein Verdachtsmoment stellt ebenfalls die spärliche und späte handschriftliche Überlieferung dar. Falls die kanzleigemäß formulierten Bestandteile des Kontexts auf eine echte Urkunde zurückgehen sollten, müsste diese vermutlich im Jahr 1049, und zwar vor dem Herbst ausgestellt worden sein, da auf der Synode von Reims Anfang Oktober Graf Gottfried wegen der der Gefangenschaft des Bischofs Gervasius von Le Mans in Konflikt mit dem Papst geraten war (vgl. nn. 627.15, 634). Die Weihe der Abtei hatte schon am 2. November 1047 stattgefunden.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †636, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-10-06_1_0_3_5_2_308_636
(Abgerufen am 25.03.2017).