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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. gibt allgemein bekannt (omnibus christianae religionis cultoribus), dass er auf Intervention des (Grafen) Gelduin (von Breteuil) (vir ... nobilis ac religiosus nomine Gilduinus, in partibus Galliarum praepotens et dives) dessen Privileg für das von diesem auf den Rat Bischof Drogos (von Beauvais) (Drogonis eiusdem regionis episcopi) restaurierte Kloster Breteuil (D. Beauvais) unter Abt Evrard (monasterium ... s. Dei genitricis ... situm est in Belvacensi regione ... infra castrum eiusdem Gelduini quod Britolium nuncupatur ... abbatem nomine Eurardum) (D. Beauvais) mit genannten Besitzungen, Hörigen und Rechten (theloenum et bannum et latronem) sowie der Erlaubnis, weitere Schenkungen aus Allod oder Lehen zu empfangen und dem Verzicht auf seine Gerichtsbarkeit an genannten Orten sowie das Gastungsrecht bestätige (denuntiamus et interdicimus ... ne quisquam huic ... constitutioni vim aut calumniam inferre presumat) und ein Alienations und Perturbationsverbot erlasse.

Originaldatierung:
Dat. III non. Oct. pm. Petri diac. bibl., canc. SAS a. d. Leonis IX papae I, ind. III.
Incipit:
Quia nos propitia divinitas universalem ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 1656, Beauvais, Arch. dép., G 781; 2) 17. Jh., Paris, Bibl. nat., Ms. franç. 9499 p. 354bis; 3) 17. Jh., Paris, Bibl. nat., Ms. lat. 12663 fol. 221v (fragm.); 4) 18. Jh., Beauvais, Bibl. mun., Ms. Bucquet 42 p. 1126. Drucke: Pierre Louvet, Hist. du Beauvaisis I (Beauvais 1631) 568; Lohrmann, PUU in Frankreich NF VII 239. Reg.: Bréquigny, Table chronologique II 43; Höfler, Deutsche Päpste II 372; J 3184; JL 4183. Lit.: Dauphin, Richard de St-Vanne 227; Hourlier, Anselm von Reims, Hist. dedicationis 281; Lemarignier, Aspects politiques 29; Lemarignier, Gouvernement 94ff., 99f.; Didier, Hugues de Breteuil 289ff.; Lohrmann, Kirchengut 68f., 83, 183f., 310; Olivier Guyotjeannin, Breteuil-sur-Noye (LMA 2/1983, 629f.); Blumenthal, Conciliar Canons and Manuscripts 363f.; Scholz, Politik 433f., 437; Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 225f.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Ramackers, PUU in Frankreich NF IV 20 und Lohrmann, PUU in Frankreich NF VII 52f. Zwei weitere handschriftliche Überlieferungen, die aber – da im 19. Jahrhundert entstanden – weit jünger sind als die erste Druckausgabe, liegen vor in Paris, Bibl. nat., Ms. franç. 12020 (1822) und Amiens, Société des Antiquaires de Picardie, Ms. 145 fol. 269 (1842). Die Kopie 1) enthält Nachzeichnungen von Rota und Benevalete-Monogramm, die mit den in Originalen überlieferten Zeichen nicht völlig übereinstimmen (in der Rota fehlt die Umschrift, statt des P im vierten Quadranten steht als Endung für Leonis NIS) doch gehen die Abweichungen vermutlich auf den Kopisten zurück. Die Bulle am Original, das im 18. Jahrhundert noch vorlag, war nach Auskunft der Kopie 4) damals verloren. Das bei der Reimser Synode ausgestellte Privileg steht im Zusammenhang mit der Exkommunikation Bischof Drogos von Beauvais am selben Tag (vgl. n. 627.10), die erfolgte, weil der Bischof der Einladung zum Konzil von Reims nicht Folge geleistet hatte. Er tat das vermutlich wegen seiner Nähe zu König Heinrich I. von Frankreich, welcher versucht hatte, die Synode zu sabotieren (n. 604). Der in dieser Urkunde ausgesprochene Papstschutz steht gegen den königlichen. Ein weiterer Zusammenhang besteht mit der ebenfalls am selben Tag vollzogenen Exkommunikation des Bischofs Hugo von Langres (n. 627.4), der ein Sohn des Klostergründers und Intervenienten Gelduin, Graf von Breteuil und Vizegraf von Chartres, und Bruder des Reformabtes Waleran von St-Vanne war (zur Familie vgl. Iogna-Prat, Évrard de Breteuil mit Stammbaum 557). Gegen König und Bischof erfolgt die päpstliche Privilegierung auf Wunsch des Klostergründers, Graf Gelduins von Breteuil; dieser war ein Anhänger des Reformmönchtums. Interessant ist die präzise Aufzählung der wirtschaftlich wichtigen Besitzungen des Klosters, die Brauereien, Gasthäuser, Mühlen, Backhäuser (cambae, hospites, molendina, furna) neben landwirtschaftlichem Besitz, Rechten, Zehnt (theloneum, bannus, decima) und Kirchen sowie namentlich genannte Hörige umfasst. Die Rechte und Besitzungen umfassen die Orte Breteuil, Vendeuil, Bonneuil, Allonnes, Changy, Hautvillers, Changé und andere (Vendolium ... Bonolio ... Halone ... Patonis curte ... Amundi valle ... Cainiaco ... Altovillare ... Proveredum ... Monasteria ... Cambliaco). Aufmerksamkeit verdient auch der zweimalige Bezug auf den Primat in der Arenga: Sowohl Lk 22, 32 (confirma fratres tuos) als auch Mt 16, 18 (super hanc petram aedificabo eccl. meam), die beide den biblischen Ursprung des Primats aussagen, sind hier zitiert, woraus abgeleitet wird, dass die Kathedra Petri das Fundament der Kirche sei (cathedram, ubi ad sacratissimum eccl. fundamentum sedemus). In der Arenga bezieht Leo IX. sich in allgemeinen Wendungen auf seine Erhebung zum Papst (vgl. nn. 401, 402). Dies hängt wohl auch mit den bei der Reimser Synode verabschiedeten Primatsaussagen zusammen (vgl. nn. 540.10, 627.9). Zu Gelduin von Breteuil vgl. Iogna-Prat, Évrard de Breteuil, v. a. 546.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 630, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-10-05_4_0_3_5_2_302_630
(Abgerufen am 25.01.2017).