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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. predigt vor der versammelten Synode über die Simonie, woraufhin (1) der Reimser Propst Ulrich und einige andere Kleriker aus Furcht vor göttlicher Strafe dem anwesenden Reimser Erzbischof Guido ihre Ämter zurückgeben; da der Papst weiß, dass der resignierte Propst kein Simonist ist, fordert er den Erzbischof auf, ihn wieder in sein Amt einzusetzen; im Verlauf der Verhandlungen tadelt der Papst (2) den Bischof Ivo (Ivoni) (von Sées), weil dieser seine eigene Kathedrale abgebrannt habe, worauf jener erwidert, er sei, um schlimmere Übergriffe zu verhindern, dazu gezwungen gewesen, und vom Papst unter Bußleistungen Vergebung erhält; während des Konzils resignieren (3) die Äbte Milo von Montier-en-Der (D. Châlons-en-Champagne) und (4) Aimo (Aymo) von Flavigny (D. Autun) wegen der mit ihrer Amtsübernahme verbundenen Simonie, ein (5) Gottfried und Leutald samt ihrem Anhang werden exkommuniziert, weil sie das der Besançoner Kirche gehörende Gut Maynal besetzt halten (Cortem de Mentenaco ... iniuste tenentes quosdam Goffrideum necnon Leutaldum complices quoque eorum in Remensi synode excommunicavimus et ... anathema nostrum superponimus); die (6) von Abt Fulco von Corbie (Fulco Corbeiensis) (D. Amiens) vorgelegten Privilegien seines Klosters werden verlesen und vom Papst mündlich bestätigt, der Abt zur Priesterweihe nach Rom bestellt (n. 574, vgl. auch n. 747). Leo IX. verleiht (7) im Verlauf des Konzils dem Erzbischof von Canterbury das Privileg, in Synoden neben dem Kardinalbischof von Silva Candida zu sitzen, dem Abt von St Augustine in Canterbury spricht er den Platz neben dem Abt von Montecassino zu und die Synode stimmt der Restauration dieses Klosters zu.

Überlieferung/Literatur

Erw.: vgl. Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 245f., 248; (1) Odalrich von Reims, Testamentum (Migne, PL 150, 1547).(2) Interpolation des Ordericus Vitalis in Wilhelm von Jumièges, Gesta Normannorum ducum VII 15 (Marx 168; Van Houts II 116f.).(3) Gesta ep. Tullensium 37 (MG SS VIII 643f.).(4) Hugo von Flavigny, Chr. (MG SS VIII 503). (5) n. 690. (6) n. 753; Fulco von Corbie, Brief an Erzbischof Gervasius von Reims (Falkenstein, Alexander III. und Corbie 188); Fulco von Corbie, Brief an Alexander II. (Delisle, Recueil des Hist. XIV 534ff.). (7) Goscelin von Canterbury, Hist. translationis s. Augustini II 3 (Migne, PL 155, 32); Guillelmus Thorne, De gestis abbatum s. Augustini Cantuariae 1056 (Twysden, Hist. Anglicanae SS X/2 1784); Thomas von Elmham, Hist. monasterii s. Augustini Cantuarensis I 16 (Hardwick, SS. rer. Brit. 8, 89). Reg.: (5) Gall. Pont. I 45 n. *24; Gall. Pont. I 345 n. *8.(6) Boye, Quellenkatalog 85; JL *4179.(7) J 3180; Boye, Quellenkatalog 84; Pontal, Conciles de la France 156ff.; JL *4178. Lit.: allgemein und zu (1) Höfler, Deutsche Päpste II 48f., 52, 54; Brucker, L'Alsace II 24ff.; Drehmann, Simonie 13; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2 1025f.; Vrégille, Hugues de Salins I 173f., 198, 377; Demouy, Genèse 89f.; Bur, Léon IX et la France 248f., 251, 253; Jasper, Synoden Papst Leos IX. 626f. (2) Hunkler, Leo IX. 140f.; Bouet/Dosdat, Évêques normands 34; Decaens, L'évêque Yves de Sées 125ff., 133f.(3) Neiske, Konvents und Totenlisten 258f.; Kohnle, Abt Hugo 71; Bouchard, Cartulary of Montier 18; Bouchard, Forging Papal Authority 7; Falkenstein, Lettres de la chancellerie pontificale dans Montier-en-Der 266; Bur, Der face aux princes 534;2593; Morelle, Chartrier 224f.; Morelle, Concile de Reims et Montier 96ff., 109; Falkenstein, Weitere Fälschungen 115. (4) Gall. chr. XIV 998; J. Marilier, Flavigny (DHGE 17/1971, 400-405).(5) Gall. chr. XV 33; Vrégille, Léon IX et Bourgogne 333.(6) Bröcking, Französische Politik Leos IX. 29; Boye, Quellenkatalog 85; Henri Peltier, Corbie (DHGE 13/1956, 809-824, 815); Morelle, Formation d'une juridiction, 601; Falkenstein, Alexander III. und Corbie 96f.; Morelle, Moines de Corbie 201f.; Caron, Corbie 149; Falkenstein, Papauté et abbayes françaises 101; Van Meter, Eschatological Order 157.(7) Barlow, English Church 167; Fürst, "Geborene" Kardinäle 56; Kelly, Forgeries from St Augustine's 364; Gem, St Augustine's Abbey 49, 56, 110; D'Agostino, Primato 126.

Kommentar

Alle genannten Einzelhandlungen mit Ausnahme der Absetzung Abt Aimos von Flavigny (D. Autun) sind im Zusammenhang mit der Synode überliefert, doch ist der genaue Tag der Konzilsverhandlungen, auf den sie sich beziehen, nicht zu bestimmen, da sie bei Anselm von Reims, Hist. dedicationis nicht angeführt sind. Die Predigt des Papstes ist eventuell am dritten Konzilstag im Zusammenhang mit der Verabschiedung der Kanones (vgl. n. 627.11) anzusetzen, ebenso die Absetzungen und Exkommunikationen. (1) Nach der Resignation des Reimser Propsts Ulrich forderten ihn Papst und Erzbischof auf, sein Amt wieder anzunehmen und Leo IX. ermahnte ihn, es in Zukunft noch gewissenhafter auszuüben (papa Leo ... de symoniaca haeresi ... astantes ... admonuit ...; tunc ego cum quibusdam ... tanta comminatione iudicii perterriti, ... ministeria nostra reddidimus ... ; sed domnus papa ... rogavit Widonem archiepiscopum, ut mihi illud idem ministerium ... iniungeret, quod archiepiscopus libenter implevit, nec minus d. papa) (Testamentum Odalrici 28). (2) Bischof Ivo von Sées hatte seine Position bedrohende Festungen von Adligen in der Nähe der Kirche anbrennen lassen, woraufhin das Feuer auf die Kathedrale übergegriffen hatte. Der Bischof, welcher seine gute Absicht vortragen konnte, erhielt Absolution und hatte als Bußleistung wohl die Kirche wiederaufzubauen und eine Pilgerreise ins Heilige Land durchzuführen; verbürgt ist jedenfalls eine Reise zu den süditalichen Normannen, wo er vermutlich Geld für den Wiederaufbau seiner Kathedrale beschaffte, und ein Aufenthalt in Konstantinopel, von wo er eine Hl. Kreuz-Reliquie mitbrachte (vgl. auch: Marcel Lelégard, La cathedrale et la tombe de Geoffroi d'après le Livre Noir de Coutances [Les évêques normands, Caen 1995, 295-301] 296). (3) Abt Milo von Montier-en-Der (D. Châlons-en-Champagne) resignierte wie andere Äbte und Bischöfe während der Reimser Synode (papa Remis synodum ageret, idem Milo poenitudine motus ... coram d. apostolico satisfecit, donum abbatiae reddidit). Der Vorwurf gegen ihn lautete auf Simonie; allerdings war er als von Odo II. von Champagne eingesetzter Prälat möglicherweise auch politisch den Reichsinteressen hinderlich; er verlor jedenfalls wegen Simonie beim Konzil sein Amt. Bouchard, Cartulary of Montier bringt auch die Weihe durch den Bischof von Châlons als Grund für den Rücktritt des Abtes ins Spiel. Unklar bleibt, weshalb Anselm von Reims, Hist. dedicationis diese Absetzung nicht erwähnt, obwohl er zweimal auf die Frage des Besitzes von Montier-en-Der eingeht (nn. 626.3, 627.3). Zur Regelung der Nachfolge im Abbiat vgl. n. 768. (4) Abt Aimo von Flavigny legte sein Amt in die Hände Leos IX. nieder, nachdem er der Simonie beschuldigt worden war. Hugo von Flavigny berichtet allerdings nicht, wann dies geschah; im Anschluss an Marilier ist eine Einordnung in das Konzil von Reims allerdings wahrscheinlich, da nur zu diesem Zeitpunkt andere Resignationen in Frankreich belegt sind. Die Absetzung eines Bischofs Hamon soll nach Aussagen der Gall. chr. ebenfalls 1049 stattgefunden haben (ohne Angabe von Quellen); falls das zutrifft, ist auch in diesem Fall an die Reimser Synode als genauen Ort zu denken. Eine von Hunt, Cluny under St Hugh 88 genannte Absetzung des Bischofs von Embrun fand in Reims nach Aussage der Quellen nicht statt (vgl. nn. 1205, 1305, 1306). Bei Hunt liegt eine Verwechslung mit einer anderen Synode vor, bei welcher der Embruner Metropolit tatsächlich abgesetzt wurde (vgl. n. 1205), und zwar aufgrund eines vom Hl. Geist gewirkten Verstummungswunders, wie es auch Leo IX. in Reims zugeschrieben wurde (vgl. n. 626). (5) Die Exkommunikation Gottfrieds und Leutalds fand wohl mit derjenigen anderer weltlicher Großer in der letzten Konzilssitzung statt. Die beiden Gebannten standen vermutlich in verwandtschaftlichem Zusammenhang mit den Grafen von Mâcon; das Gut Maynal gelangte durch Bischof Hugo I. 1054 an St-Étienne in Besançon. (6) Die Bestätigung der von Fulco von Corbie vorgelegten Privilegien (Benedikts III. [855 Okt. 7] [JE 2663; Böhmer/Herbers, Papstregesten n. 374] [Clovis Brunel, Bulle sur papyrus de Benoît III pour l'abbaye de Corbie, Soc. des antiquaires de Picardie. Documents inédits sur l'abbaye, le comté et la ville de Corbie, Paris 1912, 7]; Nikolaus' I. [863 April 28] [JE 2717; Böhmer/Herbers, Papstregesten II n. 623] [Migne, PL 119, 815] und Christophorus' [903 Dez. 26] [JL 3532] [Cocquelines, Bull. Rom. I 236] erfolgte mündlich (Morelle), Übergriffe wurden verboten; dies richtete sich, wie aus dem weiteren Verlauf der Angelegenheit hervorgeht (nn. 747, 752-754, 803.12, 808, 809), auch gegen den Diözesanbischof Fulco II. von Amiens, der in Reims exkommuniziert wurde (n. 627.9). (7) Der Papst und die Synode zeigten sich von der englischen Kirche beeindruckt, da diese nach Mitteilung der englischen Gesandten von jeglicher Simonie frei war (vgl. n. 622.6). Das war nach Aussage des Guillelmus Thorne die Ursache dafür, dass der Papst der englischen Kirche verschiedene Privilegien ausstellte (multa confirmabat). Zwei davon zählen die Quellen auf: die Ehrenplätze für den englischen Primas und den Abt von Canterbury. Der Erzbischof von Canterbury erhielt (in Abwesenheit) das Vorrecht, in Synoden neben dem Kardinalbischof von Silva Candida zu sitzen; der Abt dagegen war anwesend und erhielt das Recht, für sich in Synoden den Platz neben dem Abt von Montecassino zu beanspruchen.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 623, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-10-03_2_0_3_5_2_295_623
(Abgerufen am 21.01.2017).