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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo (IX.) weiht die Stiftskirche St. Simon und Juda in Goslar (D. Hildesheim) in Anwesenheit von 73 Bischöfen und Äbten, schenkt Reliquien, u. a. der Apostel Petrus und Paulus, verleiht mehrere Ablässe und ernennt Benno zum Propst.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Chr. ss. Simeonis et Judae Goslariense (MG DChr. II 605); Catal. reliquiarum ecclesiae collegiatae Goslariensis (Leibniz, SS rer. Brunsvicensium III 431-434) 433; Designatio sanctarum reliquiarum in Goslaria (Bode, UB Goslar II 519-522) 522; Narratio de basilica Goslariensi eiusque praepositis auctore monacho Hamerslebensis (Klewitz, Königtum, Hofkapelle und Domkapitel 140); Chr. breve principum Romanorum Goslariae (Leibniz, SS rer. Brunswicensium III 426); Chr. des Stiftes Simeon und Juda in Goslar (MG DChr. II 592f., 603; Bischoff, Schatzverzeichnisse I 129 n. 128); Dietrich Engelshus, Chr. (Leibniz, SS rer. Brunswic. II 1087). Reg.: GP V/2 150 n. *†1. Lit.: Steindorff, Heinrich II 116; Rothe, Goslar 36; Saxer, Culte de Marie Madeleine 1ff.; Meier, Domkapitel zu Goslar und Halberstadt 62, 132, 143, 191, 361f. und passim; Schwineköper, Christus-Reliquien 261; Dahlhaus, Pfalz und Stift in Goslar 404ff.; Black-Veldtrup, Kaiserin Agnes 102, 108, 227, 248, 330.

Kommentar

Das Datum der angeblichen Weihe ist gegeben durch den Festtag der Heiligen Processus und Martinianus, welchen Chr. ss. Simeonis et Judae 605 nennt (per beatissimum papam Leonem, cooperantibus sibi in numero card., archiepiscopis et pontificibus et abbatibus septuaginta tribus, in die bb. Processi et Martiniani ... consecrari procuravit), wie auch Chr. des Stiftes Simeon und Juda 592. Die Weihe fand tatsächlich statt im Jahr 1051; in den Chroniken ist der Zusammenhang mit dem (häufig falsch ins Jahr 1050 datierten) Konzil von Mainz (vgl n. 655) gegeben. Die Weihe wurde allerdings vom Kölner Erzbischof Hermann durchgeführt, wie der Annalista Saxo zu 1050 (MG SS XXXVII 391) berichtet. Echte Tradition könnte die Nachricht sein, dass der Papst dem Kaiser Reliquien für seine Stiftung geschenkt habe (papa Leo tulit imp. magnam partem reliquiarum apostolorum Petri et Pauli ... et diversas reliquias), wie Chr. ss. Simeonis et Judae 605 und Chr. breve principum Romanorum Goslariae 427 übereinstimmend berichten; glaubwürdig ist auch zumindest eine der beiden Leo IX. betreffenden Aussagen des Reliquienverzeichnisses (Designatio): de ligno Domini per papam Leonem data ... partem de clavo Domini in modum crucis per d. papam Leonem fabricatum; angesichts der bekannten Kreuzverehrung des Papstes ist die Überlassung einer Kreuzreliquie auch anderweitig bezeugt und in diesem Fall plausibel, während von einem Kreuznagel im Zusammenhang mit Leos IX. Namen sonst nichts überliefert ist, was die Korrektheit der Tradition aber nicht ausschließt. Die Ablassverleihungen dagegen, welche der Catal. reliquiarum ecclesiae collegiatae Goslariensis 433 erwähnt, sind als Erfindungen zu betrachten (hefft hir grote gnade und afflat gegeven to evvigen tyden to blivende). Ebenso ist die späte Nachricht des Monachus Hamerslebensis 140, Leo habe den (ehemaligen Reichenauer) Mönch Benno zum Propst bestimmt (Benno ... iubente ... Leone ... dictae Goslariensi eccl. ... spiritualis dux), mit den anderen Quellen unvereinbar, die zu Leos Zeit nur Rumold als Propst kennen; Benno war Dompropst in Hildesheim, Archipresbyter in Goslar und übte dort weltliche Funktionen als Vicedominus der Pfalz aus. Von seiner Protektion durch Leo IX. weiß die Vita Bennonis (MG SS XXX 869-892) nichts (vgl. n. †1259).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †579, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-07-02_2_0_3_5_2_251_579
(Abgerufen am 27.06.2017).