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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. wird von Erzbischof Hermann (II.) in Köln empfangen, feiert gemeinsam mit diesem und Kaiser Heinrich (III.) dort das (Patrozinum der Kölner Kirche am) Fest der Apostel Peter und Paul, verleiht dem Erzbischof das Amt des Kanzlers der römischen Kirche zusammen mit dem Besitz der römischen Kirche S. Giovanni a Porta latina, sowie der Kölner Kirche das Privileg, dass am Petersaltar sieben Kardinalpresbyter täglich in Pontifikalgewändern die Messe feiern dürfen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: DHIII. n. 238 (Bresslau/Kehr, MG Dipl. V 316f.); Anselm von Reims, Hist. dedicationis 8 (Hourlier 214ff.); Vita Leonis IX (Wibert-Vita) II 11 (4) (Krause, MG SS rer. Germ. 70/2007, 194); Stephanus, De translatione s. Albini (MG SS XV/2 688); Ann. Brunwilarenses 1049 (MG SS XVI 725); Chr. regia Coloniensis 1049 (Waitz SS rer. Germ. 18/1880, 36); Johannes von Bayon, Hist. Mediani monasterii II 54 (Belhomme 247); Gelenius, De magnitudine Coloniae 225, 682. Reg.: J p. 368; Oediger, Regesten I n. 818; GP VII 55f. n. *141 und 136 n. *4; vgl. Höfler, Deutsche Päpste II 372; JL I p. 531. Lit.: Gall. chr. III 659f.; Höfler, Deutsche Päpste II 31f.; Grandidier, Oeuvres inédites II 56; Hüffer, Kirchenrecht 266ff., 291ff.; Delarc, Pape alsacien 168f.; Steindorff, Heinrich II 82f.; Brucker, L'Alsace I 269f.; Mühlbacher, Kaiserurkunde und PU 503; Müller, Itinerar 77; Paquay, Consécration de Tongers 527; Martin, Saint Léon 90, 137; Mann, Popes VI 53f.; Oppermann, Rheinische Urkundenstudien I 235ff.; Bloch, Klosterpolitik 195; Schulte, Deutsche Könige als Kanoniker 161; Santifaller, Elenco 148; Rieckenberg, Königsstraße und Königsgut 102; Kuttner, Cardinalis 166; Despy, Étienne IX 963f.; Burg, Rôle et place de Saint Léon 106; Stelzmann, Kaiser und Papst als Kanoniker am Kölner Dom 132ff.; Jordan, Reformpapsttum und abendländische Staatenwelt2160; Josef Fleckenstein, Rex canonicus. Über Entstehung und Bedeutung des mittelalterlichen Königskanonikates (FS Percy Ernst Schramm I [Wiesbaden 1964] 57-71) 68; Neuss/Oediger, Bistum Köln I 180ff., 248; Fleckenstein, Hofkapelle II 235f.; Fürst, "Geborene" Kardinäle 54; Fürst, Cardinalis 142; Lück, Kölner Erzbischöfe als Erzkanzler 3ff.; Fürst, Cardinalati non Romani 187; Vrégille, Hugues de Salins I 164; Beumann, Reformpäpste als Reichsbischöfe 36f.; Salmon, Mitra und Stab 41; Manfred Groten, Prioren und Domkapitel von Köln im Hohen Mittelalter (Rheinisches Archiv 109) (Bonn 1980) 180f.; Vrégille, Hugues 134; Manfred Groten, Von der Gebetsverbrüderung zum Königskanonikat. Zu Vorgeschichte und Entwicklung der Königskanonikate an den Dom und Stiftskirchen des deutschen Reiches (HJb 103/1983) 20f.; Horwege, Bruno von Egisheim 69; Wolter, Privileg Leos IX. 116ff.; Erkens, Trier 127; Müller, Vita s. Heriberti 53ff.; Coué, Bischofsviten 373ff.; Dahlhaus, Pfalz und Stift in Goslar 405; Kluger, Propter claritatem generis 223f.; Schieffer, Erzbischöfe und Bischofskirche von Köln 7; Beuckers, Ezzonen 28f., 213; Beumann, Pontifikalinsignien 19 (ND Ders., Kirche und Reich 339); Beuckers, Päpstliche Privilegienbestätigung 91; Storm, Metropolitangewalt 50f.; Müller, Heribert, Kanzler Ottos III. 19f.; Coué, Hagiographie 84ff., 91f., 95ff.; Bernhard Vogel, Das hagiographische Werk Lantberts von Deutz über Heribert von Köln (Hagiographie im Kontext, hg. von Dieter R. Bauer/Klaus Herbers [Stuttgart 2000] 117-129) 124f.; Haarländer, Vitae episcoporum 109f.; Blumenthal, Gregor VII. 65; Hehl, Mainzer Kirche in ottonischsalischer Zeit 276f.; Munier, Léon IX 123f.; Vogel, Visionen und Mirakel 230f., 243f.; Kleine, Gesta, Fama 79f., 83; Iogna-Prat, Léon pape consécrateur 368f.; Iogna-Prat, Maison de Dieu 371, 376; Gresser, Clemens II. 106; Dahlhaus, Urkunde, Itinerar und Festkalender 13, 15ff.

Kommentar

Die gleichzeitige Anwesenheit von Papst und Kaiser in Köln am Fest St. Peter und Paul 1049 ist durch die genannten Quellen bezeugt; lt. dem Diplom Heinrichs III. für Murbach vom 5. Juli 1049, welches den Papst als Intervenienten nennt, dauerte sie zumindest bis zu diesem Tag (vgl. GP II/2 279 n. *1; vgl. n. 581). Das hier von Leo IX. verliehene Privileg, ut ad altare s. Petri septem presb. card. quotidie divinum celebrarent officium in sandalis sowie die Verleihung des officium cancellarii s. Romanae sedis und der Kirche Iohannis ante portam Latinam an den Kölner Erzbischof erwähnt nur die Vita Leonis; allerdings handelt es sich bei dem Kurienamt um jenes des Erzkanzlers, wie spätere Datierungen des Kanzlers Friedrich zur Genüge zeigen. Da die urkundliche Verleihung der Erzkanzlerwürde erst am 7. Mai 1052 mit n. 958 erfolgte, Hermann aber schon in n. 879 von 1051 März 9 als Erzkanzler genannt ist, gewinnt die Überlegung, dass zuvor bereits 1049, wie in der Papstvita erklärt, die Würde faktisch verliehen wurde, einige Wahrscheinlichkeit. Der späte Gelenius interpretiert diese Verleihung als Vergabe des immerwährenden Kardinalats von S. Giovanni a Porta Latina an die Kölner Erzbischöfe. Eine schriftliche Ausstellung dieser Verleihungen, wie Lück 1-6 sie annimmt, ist nach Wolter 116ff. abzulehnen; es dürfte sich wie bei der gleichzeitigen Bestätigung Brauweilers (vgl. n. 575) um einen mündlichen Vorgang handeln, erst 1052 Mai 7 folgte eine Urkunde (n. 958). Die von Schulte erschlossene Aufnahme des Papstes in das Kölner Domkapitel an diesem Tag (welche auch Stelzmann, Fleckenstein und Groten, Prioren annehmen) (GP VII 136 n. †*5), ist in den Quellen nicht erwähnt und wurde von Groten, Gebetsverbrüderung als unhistorisch zurückgewiesen. Falls die Vermutung Vrégilles zutrifft, dass das Privileg Leos IX. für St-Maurice n. †814 seinen Ursprung in der ersten Reise des Papstes nach Deutschland hat, ist anzunehmen, dass die darin erwähnte Intervention Heinrichs III. für das Kloster im Rahmen dieses Kölner Aufenthalts stattfand. Coué macht plausibel, dass die Vita Heriberti eigens für den Besuch des Papstes in der rheinischen Metropole verfasst wurde, um mit Hilfe der darin ausgedrückten speziellen Affinität Kölns zu Rom eine besondere Privilegierung zu erhalten (vgl. nn. 958, 959).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 573, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-06-29_1_0_3_5_2_245_573
(Abgerufen am 28.03.2017).