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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. bestätigt dem Kloster Fulda (D. Würzburg) unter Abt Egbert (Echberto ... abbati ... monasterii Salvatoris D. nostri Jesu Christi et s. Bonifatii, quod situm est in loco qui vocatur Bochonia, iuxta ripam fluminis qui vocatur Fulda) wunschgemäß (vgl. n. 564) den gesamten Besitz, namentlich das römische Andreaskloster Exaiulum bei S. Maria Maggiore mit allem Zubehör (monasterium s. Andreee apostoli, quod vocatur Exaiulum, situm Rome iuxta eccl. s. Dei genitricis Marie ... quae vocatur ad Presepe), die Exemtion (prohibemus ... omnem ... sacerdotem in idem ... monasterium quamlibet dicionem habere ... preter nostram apostolicam sedem, specialiter episcopum in cuius diocesi constructum esse dinoscitur), das Zehnt und Oblationsrecht (oblationes decimasque ... confirmamus), die Abtswahl gemäß der Benediktsregel, das Seelsorgerecht (concedimus ... tibi ... predicare verbum Dei), den Gebrauch der Pontifikalien (usum ... dalmaticae et sandaliorum ... concedimus tam vobis quam successoribus vestris secundum quod in privilegiis predecessorum nostrorum habetur) (vgl. aber Clemens II. n. 355) und den Primat in Gallien und Germanien (ante alios abbates Galliae seu Germaniae primatum sedendi); er ordnet die Konsekration des Abts in Rom und dessen ausschließliche Judizierbarkeit durch den apostolischen Stuhl an (nonnisi a nostra apostolica sede), erlässt ein Placitumsverbot für das Kloster und all seine Besitzungen (ne quis ... placitum ibi habeat) und verbietet die Feier der Messe im Kloster ohne Erlaubnis des Abtes, den Zutritt von Frauen (ne femina ... ingredi presumat) sowie jede Alienation und Perturbation.

Originaldatierung:
Dat. id. Junii pm. Petri diac., bibl. et canc. SAS a. d. IX papae Leonis I, ind. II.
Incipit:
Convenit apostolico moderamini pia religione ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: ca. 47 x 71 cm, Marburg, StArch., R I a Fulda, Stiftsarch. 1049 Juni 13. Kop.: 1) 12. Jh., Marburg, StArch., Abt. Hss. K. 425 fol. 52 (p. 103); 2) Ende 13. Jh., Marburg, StArch., Abt. Hss. K. 427 fol. 37; 3) 18./19. Jh., Marburg, StArch., Abt. Hss. K. 428 p. 51; (vgl. n. 570). Erw.: 1064/1068 Elencus privilegiorum n. XXIV (Stengel, Reichsabtei Fulda 231); Urkunden Innozenz' II. (1131 April 1) (JL 7462; GP IV 391 n. 100) (Migne, PL 179, 85), (1133 Juni 5) (JL 7631; GP IV 392 n. 102) (Migne, PL 179, 187), (1137 Juni 21) (JL 7844; GP IV 392 n. 104) (Migne, PL 179, 327), (1142 Nov. 15) (JL 8244; GP IV 394 n. 108) (Migne, PL 179, 602); Eugens III. (1151 Jan. 13) (JL 9439; GP IV 399 n. 121) (Migne, PL 180, 1442). Faks.: Schannat, Vindiciae tab. 2; Pflugk-Harttung, Specimina I Tafel 17 und II Tafel 114 (fragm.); Jakobs, Fuldaer PUU 72; Peter Rück, Die Urkunde als Kunstwerk (Kaiserin Theophanu. Begegnung des Ostens und Westens um die Wende des ersten Jahrtausends, hg. von Anton von Euw/Peter Schreiner [Köln 1991] II 311-333) 325; Gudrun Bromm, Die Entwicklung der Großbuchstaben im Kontext hochmittelalterlicher PUU (Elementa diplomatica 3 [Marburg 1995]) Abb. 30; Rück, PU als Medium der Ästhetik 17 Abb. 1; Weinfurter, Canossa 81; Fees/Roberg, DIGUB 2/I Frühe PUU Tafel 12; Krafft, Bene Valete 25 (fragm.), 249 (fragm.); Marburg, LBA; Hadis. Drucke: Schannat, Hist. Fuld. Cod. probationum 163; Cocquelines, Bull. Rom. I 387; Migne, PL 143, 609; Tomassetti, Bull. Rom. I 629; Harttung, Dipl.hist. Forschungen 467 (fragm.); Roller, Eberhard Beilage Abt. II n. 3; Meyer zu Ermgassen, Codex Eberhardi XLVIII 86. Reg.: Georgisch, Regesta I 374 n. 11; Höfler, Deutsche Päpste II 372; J 3172; Pflugk-Harttung, Päpstliche Originalurkunden 496 n. 36; Roller, Eberhard Beil. 8 n. 48; Kopczynski, Arengen 36; Santifaller, Elenco 352f.; Santifaller, Geschichte der Beschreibstoffe I 90 n. 31; Stengel, Reichsabtei Fulda 262; Santifaller, LD 121; GP IV 381 n. 70; Jakobs, Fuldaer PUU 71; Dahlhaus, Rota 64 n. 4; Rathsack, Fuldaer Fälschungen I 6, II 497; Bischoff, Urkundenformate 123 (1049 Juni 13); Hadis n. 100; JL 4170. Lit.: Harttung, Dipl.hist. Forschungen 306ff., 326ff., 344ff., 350, 459ff.; Ewald, Zwei Bullen 186, 189f.; Steindorff, Heinrich II 82; Diekamp, Päpstliches Urkundenwesen 572f.; Pflugk-Harttung, Komma 435f.; Brucker, L'Alsace I 269, II 59; Hauck, Kirchengeschichte III 607f.; Kehr, Scrinium 81 (ND Ders., Ausgewählte Schriften 141); Kehr, Privileg Leos IX. für Bremen 80f. (ND Ders., Ausgewählte Schriften 206f); Pflugk-Harttung, Bullen 97; Roller, Eberhard 40; Drehmann, Simonie 76, 82ff.; Stengel, Immunität 372f.; Lerche, Privilegierung 130, 171, 190f., 200; Fliche, Réforme I 157f.; Bloch, Klosterpolitik 215ff., 222; Goetting, Exemtion 131ff., 140f.; Lübeck, Exemtion 150ff.; Lübeck, Zehntrechte 155f.; Santifaller, Elenco 158; Lübeck, Diözesanbischof 25, 32ff.; Lübeck, Primat 292; Kuttner, Cardinalis 166; Lübeck, Fulda und die Päpste 470ff., 477f., 483f.; Lübeck, Kardinalsornat 46ff.; Wühr, Wiedergeburt Montecassinos 427; Lübeck, Klausur 15; Jörg, Würzburg und Fulda 52f., 59f.; Hack, Rechtsstreit 13ff.; Bresslau, Urkundenlehre ³I 225; Rabikauskas, Römische Kuriale 119; Stengel, Reichsabtei Fulda 212, 220f., 228, 320, 323; Hofmeister, Gefreite Abteien 179; Constable, Monastic Tithes 146; Wehlt, Reichsabtei 289; Santifaller, Neugestaltung 30; Maccarrone, Teologia del primato 42; Vrégille, Hugues de Salins I 163f.; Jakobs, Eugen III. 55; Jakobs, Zu neuen Thesen über die Fuldaer PUU 792ff.; Vrégille, Hugues 134; Hussong, Fulda I 154, 186, 189ff., 194, 225; II 233; Wolter, Synoden 414f.; Kölzer, Studien 91; Rathsack, Fuldaer Fälschungen I 15ff., 106, 118, 175, 352f., 365f., II 369, 414ff., 424ff., 445ff., 453f., 493, 527f.; Dahlhaus, Rota 17, 19f.; Jakobs, Fuldaer PUU 41ff., 58ff., 64ff.; Vogtherr, Reichsklöster 439; Hussong, Reichsabtei Fulda 127; Bischoff, Urkundenformate 46, 57; Heikkilä, Fulda und der Goslarer Rangstreit 78; Bromm, Entwicklung der Elongata 60; Munier, Léon IX 123, 185f.; Jürgensmeier/Büll, Benediktinische Mönchsklöster in Hessen 311; Frech, Urkunden Leos IX. 182; Gresser, Clemens II. 85; Dahlhaus, Urkunde, Itinerar und Festkalender 17.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. GP, Rathsack II 414f. und 447ff. und Jakobs, Fuldaer PUU 41ff. Das Original der Urkunde ist von Petrus Diaconus, der es auch datiert hat, selbst mundiert. Das mit invokatorischem Kreuzzeichen beginnende Privileg umfasst die Summe aller vorher an Fulda verliehenen Rechte. Bei der Exemtionsklausel wird erstmals eine den Diözesanbischof speziell ausschließende Formel verwendet: specialiter episcopum in cuius diocesi constructum esse dinoscitur. Der Bischof ist mit Namen nicht genannt, weshalb beide Prälaten, die Ansprüche gegen das Kloster erheben konnten, der Mainzer Erzbischof und der Bischof von Würzburg, gemeint sein können. Im Zusammenhang mit den Vorgängen der Mainzer Synode von 1049 (vgl. n. 655) ist anzunehmen, dass sich das Jurisdiktionsverbot vorrangig gegen den Würzburger Bischof richtete. Der von Clemens II. in seiner Vorurkunde (n. 355) noch als juristische Aussage formulierte Primat Fuldas über die Klöster in Deutschland wird hier zu einem Ehrenprimat umgedeutet. Im Unterschied zu dem Vorgänger verleiht Leo IX. dem Kloster die von jenem untersagten (n. 355) Pontifikalien. Darin dürfte zugleich eine Kritik am Vorgänger enthalten sein, der allerdings mit seiner abweichenden Meinung nicht angeführt ist; zu seiner eigenen Absicherung bezieht Leo IX. sich auf Privilegien seiner (ungenannten) Vorgänger, sogar ohne Clemens II. (nn. 353, 355) zu erwähnen. Ausgestellt ist das Privileg während Leos IX. Reise nach Deutschland; ob er sich zum Ausstellungsdatum oder kurz zuvor in Fulda selbst aufhielt, lässt sich nicht positiv erweisen. Im späten Frühling überquerte er den St. Bernhard (vgl. n. 562), am 29. Juni war er zusammen mit Heinrich III. in Köln (vgl. n. 573), den er davor in Sachsen aufgesucht hatte (vgl. n. 571), so dass ein Fuldaer Aufenthalt um den genannten Termin jedenfalls möglich ist. In stark gekürzter Form kommt diese Urkunde im Codex Eberhards vor (Kopie 1), der auch ein Bild des Papstes bietet (Meyer zu Ermgassen, Codex Eberhardi IV 164); neben Auslassungen tragen vor allem Ergänzungen und Wortumstellungen dazu bei, dass die Urkunde in ihrer eberhardischen Abschrift kaum wiederzuerkennen ist. Schon nach der zugefügten Verbalinvokation weicht die Adresse von der Vorlage ab. Die Arenga entfiel bei der Abschrift, weshalb der Kontext hier mit Quia postulasti a nobis eingeleitet wird. Inhaltlich werden trotz der durchgeführten Kürzungen in Eberhards Version alle juridischen Rechte und Aussagen aus dem Original wieder aufgegriffen – mit Ausnahme des Rechts zur Verwendung der Pontifikalien; evtl. geht diese Auslassung auf einen Zusammenhang mit der Urkunde Clemens' II. zurück. Neben diesen beiden Fassungen der Urkunde gibt es noch weitere, die auch in einem angeblichen Original erhalten sind (vgl. n. †570). Aus diesem übernahm Eberhard – wieder unter Kürzungen – seine Datierung für die Urkunde. Mit anhängender Bleibulle nach Leos IX. erstem Stempel (wie Ewald, Zwei Bullen nach 192). An der Echtheit der Urkunde selbst besteht kein Zweifel.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 569, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-06-13_1_0_3_5_2_241_569
(Abgerufen am 25.05.2017).