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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo (IX.) verleiht dem Kloster St-Josse-sur-Mer (D. Amiens) unter Abt Warembald (Warembaldo abbati s. Iodoci supra littus maris) ein Privileg.

Originaldatierung:
Dat. et confirmatum II id. Iunii pm. Petri diac., bibl. et canc. SAS a. pont. Leonis papae I, ind. II.
Incipit:
Convenit apostolico moderamini pia religione ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 1650, Arras, Arch. dép., 8 H 2 p. 61; 2) 1674, Paris, Bibl. nat, Ms. lat. 11926 p. 160; 3) 18. Jh., Abbeville, Bibl. mun., Ms. 190 (nicht zugänglich); 4) 18. Jh., Paris, Bibl. nat. Ms. lat. 12889 fol. 34. Reg.: Julius Pflugk-Harttung, Beiträge zu Jaffé's Regestensammlung (NA 7/1882, 83-120) 86 n. 4 (Leo IX.); JE †2541 (Leo III.). Lit.: Simon Décobert, Vie de Saint Josse (Lille 1910) 155; Jost Trier, Der hl. Jodocus (Breslau 1924) 115.

Kommentar

Die mit einer trinitarischen Invokation beginnende Urkunde weist verschiedene Probleme auf. So ist die Datierung – abgesehen von der Beifügung confirmatum – in allen Punkten auf das obige Datum und Leo IX. zu beziehen, sowohl was den Kanzler, die Indiktion als auch das Pontifikatsjahr betrifft. Nicht vereinbaren lässt sich das Datum und die Zuordnung zu Leo IX. jedoch mit dem genannten Abt Warembald, der bereits im Jahr 804 sein Amt antrat. Demnach müsste die Urkunde statt Leo IX. seinem Vorgänger Leo III. zugeordnet werden (JE †2541). In der Kopie 1) wird denn auch in der Einleitung erklärt, es handle sich um eine Urkunde "Leonis papae primi", was am Rand korrigirt wird: "non Leonis I sed tertii viventis circa annum 804". Die Zuordnung zu Leo I. wurde vorgenommen aufgrund eines Lesefehlers in der Datierung, in welcher von den Kopisten primi statt (anno) primo gelesen und geschrieben wurde. Ein entsprechendes Problem liegt in der Überschrift des Privilegs in Handschrift 2) vor, wo eine Ordnungszahl (vermutlich primi) ausgestrichen und dafür III. eingefügt ist. Außerdem will diese Abschrift aus dem Original ("collatum originali") entnommen sein, das aber im Kommentar als "sed vetustate totum fere abrasum" beschrieben wird. So verwundert auch die Korrektur des Papstnamens und des Pontifikatsjahres in der Datierung nicht weiter. Die Korrektur aus I. zu III. schließlich wurde wiederum wegen der Amtsdaten des Abts Warembald vorgenommen. Allerdings lässt die Form der Datierung durch Petrus Diaconus, Bibliothekar und Kanzler, die Zuordnung zu keinem anderen Leo-Papst als Leo IX. zu. Demnach dürfte es sich bei der Urkunde um eine Fälschung handeln, der eine Datierung Leos IX. angehängt wurde, bzw. die auf einer Urkunde Leos IX. beruht, obwohl von diesem in den erhaltenen Handschriften nicht die Rede ist.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †568, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-06-12_1_0_3_5_2_240_568
(Abgerufen am 22.10.2017).