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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo (IX.) weiht Abt Richer von Montecassino.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Leo Marsicanus, Chr. Casinensis II 79 (MG SS XXXIV 325). Reg.: – . Lit.: Klewitz, Montecassino in Rom 38 (ND 467); Klewitz, Petrus Diaconus 451 (ND 462); Wühr, Wiedergeburt Montecassinos 425; Hoffmann, Abtslisten 316; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 72.

Kommentar

In der ältesten Version der Cassinenser Chronik findet sich im Anschluss an den Bericht von der ersten Süditalienreise Leos IX., eingeordnet 1049, aber korrekterweise 1050 zu datieren (vgl. n. 740), der Hinweis, dass, als der Papst wieder nach Rom zurückgekehrt sei, ad quem [Leonem papam] abbas [Richerius] profectus sei. Eine gestrichene Passage besagte weiter et consecrationem ab illo ... adeptus est. Nam usque ad illud tempus suam sacrationem distulerat, was jedoch in Konkurrenz zur Behauptung der Weihe durch Benedikt IX. steht (n. 209). Nahm man früher an, Petrus Diaconus habe bei seiner Überarbeitung der Quelle die Worte getilgt, um zu vertuschen, dass Abt Richer so lange ohne Weihe blieb, und um das Ansehen des Tuskulanerpapsttums zu heben, so konnte Hoffmann zeigen, dass bereits Leo Marsicanus die Korrekturen vorgenommen hat. Demnach hat dieser zuerst behauptet, Richer sei erst von Leo IX. geweiht worden, was er (nach besserer Information ?) wieder strich. Während Hoffmann nun einfach einen später korrigierten Irrtum des Autors annimmt, geht Herrmann davon aus, dass in der zuerst wiedergegebenen Nachricht von der Weihe durch Leo IX. durchaus ein wahrer Kern steckt. Er nimmt an, der Abt von Montecassino habe sich durch Leo IX. erneut weihen lassen, nachdem Benedikt IX. als Schismatiker verurteilt worden war (n. 540.10) und Leo IX. die Reinigung aller von Simonisten Geweihten verlangt hatte (n. 540.7), und verweist dabei auf andere Reordinationen (vgl. nn. 751, 803.11). Da in späterer Zeit die dogmatische Fragwürdigkeit solcher Reordinationen geklärt war, wäre die Streichung der Nachricht einer solchen am Abt von Montecassino in der Montecasssiner Chronik durchaus verständlich. Zur Frage des Zeitpunktes sind verschiedene Aspekte zu beachten; die Quelle vermeldet die Weihe im Anschluss an die erste Reise Leos IX. nach Süditalien, welche sie irrtümlich zu 1049 berichtet. Da die Reise aber 1050 stattfand, sollte aufgrund dieses Zeugnisses angenommen werden, dass die Abtskonsekration nach der Reise, also 1050, vorgenommen wurde. Dagegen ist jedoch einzuwenden, dass Leo IX. Abt Richer bereits 1049 ein Privileg verliehen hat (n. 553), dem zwar die Datumszeile fehlt, das aufgrund der Eschatokollzeichen von Dahlhaus, Rota aber schlüssig ins Frühjahr 1049 datiert werden kann. Wegen dieses Kontaktes Leos IX. mit Abt Richer sollte die Weihe – falls tatsächlich durchgeführt – ebenfalls im Jahr 1049 eingeordnet werden und zwar im zeitlichen Umfeld der Urkunde für Montecassino.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 551, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-04-22_2_0_3_5_2_223_551
(Abgerufen am 23.08.2017).