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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo (IX.) verleiht dem Kloster Redon in der Bretagne (D. Vannes) unter Abt Catvalon (Catvallono abbati monasterii s. Salvatoris constructi in loco qui dicitur Rothonensis, videlicet in Britannia) wunschgemäß die Romfreiheit gegen einen jährlichen Rekognitionszins von drei Golddenaren (quod iuris s. Romane eccl. esse dinoscitur, unde per singulos annos census trium denariorum aureorum sibi redditur), bestätigt (indulgemus, concedimus atque firmamus) den gesamten Besitz des Klosters, insbesondere die vom bretonischen Herzog Gottfried (I.) geschenkte und von dessen Sohn Alanus (III.) bestätigte Belle-Île (Bella Insula, quam Gaufridus dux Britannorum ... contulit), und erlässt ein Perturbations und Alienationsverbot.

Originaldatierung:
Dat. Laterani id. Aprilis.
Incipit:
Suscepti nos officii cura compellit ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 12. Jh., Rennes, Arch. hist. de l'archevéché, Cartulaire de l'abbaye de Redon fol. 182. Erw.: Chr. Kemperlegensis (Delisle, Recueil des Hist. XI) 371. Faks.: Cartulaire de l'abbaye de Redon (Dol – Saint-Malo 1998) fol. 182. Drucke: Morice, Mémoires de Bretagne I 396; Migne, PL 143, 596; Courson, Cart. de Redon 333. Reg.: Bréquigny, Table chronologique II 46; Höfler, Deutsche Päpste II 373 (1049), 374 (1050 April 13); J 3162; Santifaller, LD 121; Dahlhaus, Rota 74 n. 3; vgl. Pfaff, Liber Censuum 241 n. 537; JL 4159 (1049). Lit.: Gall. chr. XIV 947f.; Brucker, L'Alsace I 209; Duine, Métropole de Bretagne 13; Pocquet du Haute-Jussé, Papes et Bretagne 26f.; Klewitz, "Privilegienregister" Gregors VII. 415; Lemarignier, Exemtion 331; Fichtenau, Arenga 107; Robison, Humberti Cardinalis 75f.; Guillotel, Bretagne et papauté 270f.; Santifaller, Neugestaltung 30; Lohrmann, Kirchengut 69; Rathsack, Fuldaer Fälschungen II 445; Seibert, Abtserhebungen 92f.; Ziezulewicz, Sources of Reform 435; Davy, Duc et loi 208; Frech, Urkunden Leos IX. 175.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Ramackers, PUU in Frankreich NF V 52. Chronologisch muss die Urkunde mit JL zu 1049 eingeordnet werden, da 1050 (für welches Jahr Courson sie ediert: circa ann. 1050) bereits Perenesius als Abt von Redon an der römischen Synode teilnimmt (vgl. nn. 751, 761). Auffällig und vom üblichen Kanzleigebrauch abweichend ist die Form der Datierung. Die Gall. chr. betrachtet die Urkunde als Fälschung, weil Catvalon lt. Chr. Kemperlegensis bereits vor dem Amtsantritt Leos IX. gestorben sein soll. In dem Privileg selbst ist die Tatsache, dass die allgemeine Kontexteinleitung locis, que iuris s. Romane eccl. esse dinoscuntur et singulis annis sibi censum persolvunt im Kontext selbst fast wörtlich wiederholt wird, außergewöhnlich. Inhaltlich ist zu kritisieren, dass die Schenkung des Herzogs Gottfried an seinen Bruder Catvalon als Abt von Redon, die Belle-Île, von Graf Alanus Canhiart von Cornouaille an Quimperlé geschenkt worden sein soll. Allerdings ist die Ausstellung eines Privilegs Leos IX. für Redon im Chronicon Kemperlegensis verbürgt, die verwendete Formel suisque successoribus ibidem regulariter promovendis bei Leo IX. auch anderweitig bezeugt. Auch die Arenga Suscepti nos officii cura compellit kann möglicherweise auf einer echten Urkunde beruhen, da das Stück als eine der ersten Amtshandlungen Leos IX. in die erste Zeit seines Pontifikates einzureihen wäre. Der Kanzleigebrauch war zu jener Zeit nach Dahlhaus' Beobachtungen noch nicht völlig entwickelt. Die eigenartige Form der Datierung könnte auf die Ausstellung bei einer Synode hinweisen, welche zu jener Zeit tatsächlich stattgefunden hat (n. 540); eine ähnliche Datierweise findet sich auch in weiteren Briefen, etwa n. 954. Klewitz sieht in der Urkunde eine Fälschung aufgrund des späteren Privilegs Gregors VII. (1073-1085) (JL 5280) (Migne, PL 148, 715). – In einer von Guillaume Mollat, Études et documents sur l'histoire de Bretagne (Annales Bretagne 27/1912, 467-471) edierten Urkunde Gregors XI. (1372 März 31) für Redon, die wiederum ein Privileg Gregors X. (1275 April 5) vidimiert, werden Vorurkunden Clementis, Gregorii, Innocentii III et Honorii III angeführt. Sollte die Reihenfolge der Päpste hier aussagekräftig sein, dann kämen als Gregor nur der VII. (1073-1085) und VIII. (1187) in Frage. Da Clemens III. (1187-1191) nach Gregor VIII. regierte, müsste es sich bei Clemens um II. (1046-1047) oder (III.) – Wibert handeln. Von beiden sind allerdings keine Privilegien für Redon überliefert, dagegen ediert Courson, Cart. de Redon 400 eine Urkunde Clemens' VI. (1344 März 4), die jedoch nicht in einer Urkunde Gregors X. (dagegen schon in einer Gregors XI.) erwähnt sein kann.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †542, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-04-13_2_0_3_5_2_214_542
(Abgerufen am 23.05.2017).