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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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In Anwesenheit Papst Leos IX., Kaiser Heinrichs (III.), des Markgrafen Bonifaz von Tuszien und von 50 Bischöfen gräbt ein Blinder namens Adilbert (Adalbero/Adilbero) die Reliquie vom Blut Jesu an dem ihm offenbarten Platz aus.

Überlieferung/Literatur

Erw.: De Inventione (MG SS XV/2 921f.; Kruse 104); De Translatione (MG SS XV/2 922; Kruse 106; Inclytus martyr (Kruse 111f.); Gerhard von Köln, Tractatus de sanguine Domini (Berg 472); Buonamente Aliprandi, Cronaca di Mantova 4423ff. (Begani, SS rer. Ital. XXIV/13, 77); vgl. auch den Weingartener Bilderzyklus (Jensch, Das hl. Blut in der Kunst 210f., Text 213, 215 und Rudolf, Heilig-Blut-Verehrung 25). Reg.: Falce, Bonifacio di Canossa II 118 n. 58. Lit.: Amadei, Difesa 28, 75; Cappelletti, Chiese d'Italia XII 30ff.; Brucker, L'Alsace II 275; Amadei, Cronaca universale di Mantova I 183ff.; Mazzoldi, Mantova II 17; Schwineköper, Christus-Reliquien 269; Brakel, Heiligenkulte 273; Golinelli, Città e culto 50f.; Golinelli, Indiscreta Sanctitas 22f., 83ff.; Poull, Maison de Bar 38; Rudolf, Übergabe der Heilig-Blut-Reliquie 55; Kruse, Weg des hl. Bluts 57ff.; Kruse, Historische Heilig-Blut-Schriften 77ff., 89; Schneidmüller, Welf IV. 18; Morris, Sepulchre of Christ 147f.

Kommentar

Die Erzählung von der Auffindung der Reliquie vom Blut Christi 1048 (am 12. März) ist in einigen Aspekten problematisch. So berichtet die älteste Quelle, Hermann von Reichenau (MG SS V 127), den Fund zum Jahr 1048. Von einer Beteiligung von Papst oder Kaiser ist dabei nicht die Rede; der in den Erzählungen von der Auffindung ansonsten genannte Leo IX. war damals auch noch nicht im Amt (vgl. n. 401). Den Darstellungen zufolge erhielten Kaiser, Papst und Markgraf bei einem gemeinsamen Aufenthalt in Bayern (Regensburg) Kunde von der an den Blinden Adilbert/Adilbero ergangenen Offenbarung des Ortes, wo das Heiligtum sich befindet (n. †494). Daraufhin seien sie zusammen und in großer Begleitung in die norditalische Stadt gezogen (n. †495). In ihrer Gegenwart habe nun der Blinde die Reliquie ausgegraben; dabei nennen De Translatione und Gerhard den Papst auch mit seiner Ordnungszahl. Die Zahl von 50 anwesenden Bischöfen bringen Inclytus martyr und Gerhard ins Spiel, wobei die erste dieser Quellen diese hohe Zahl durch die Tatsache begründet, dass plures ... ut cum summo pontifice de disponendis eccl. suarum rebus acesserant. Darin liegt wohl ein Hinweis auf die Mantuaner Synode (n. 1035) versteckt. Dieser Erzählung nach war der Papst mit eigenen Händen an der Auffindung beteiligt: apostolicus Leo ... descendit in fossam ... propriis elevaret manibus [sanguinem Domini]. Wegen der Wunder und ausufernden Verehrung für das Blut Christi habe der Papst danach um die Position Roms in der Christenheit gefürchtet und versucht, die Reliquie gewaltsam an sich zu bringen und nach Rom zu transferieren, was allerdings gescheitert sei (n. †498). Auf der Rückkehr von einer nochmaligen Reise nach Deutschland, wohin er von Mantua aus gezogen sei, habe er auf Bitten von Kaiser und Markgraf erneut Mantua aufgesucht, dort auf deren Vermittlung einen Teil des hl. Blutes erhalten (n. †499) und die Kapelle, wo ein weiterer Teil aufbewahrt wurde, eingeweiht (n. †1036). Soweit die weithin mit fabulösen Zügen versetzte Geschichte vom Reliquienfund (nn. †494-†496, †498-†501). Unkorrekt ist diese Darstellung hinsichtlich der Auffindung in Gegenwart von Kaiser und Papst, der mehrfachen Aufenthalte von Kaiser und Papst in Mantua sowie der mehrfachen Reisen des Papstes zwischen Mantua und Deutschland. Als richtiger Kern der Erzählung lässt sich dagegen der Fund der Blutreliquie als solcher, der Aufenthalt des Papstes in Regensburg (n. 995), seine Reise von Deutschland nach Mantua (n. 1033) und ein bewaffneter Konflikt dort mit Stadtbewohnern bzw. Anhängern lombardischer Bischöfe (nn. 1035, 1037) herausschälen. Vermutlich erhielt der Papst bei diesem Aufenthalt auch einen Teil von der Reliquie (vgl. nn. †501, 1035). Die Verwicklung Leos IX. in den Fund trägt aber stark legendarische Züge, wie auch die gesamte Erzählung vermutlich zum Ruhm der Reliquie entstanden ist und an dem aus anderen Gründen entbrannten Handgemenge in Mantua aufgehängt wurde. Nicht genannt ist die päpstliche Beteiligung an dem Reliquienfund in einer anderen, nicht weniger legendarischen Version der Geschichte (MG SS XII 374, Fußnote n. 91). Möglicherweise steckt insofern ein echter Kern in der Geschichte, als der Reliquienfund im Zusammenhang mit der Anwesenheit Leos IX. in Mantua 1053 steht. Nach der Schilderung Amadeis, der von den Weingartener Blut-Legenden nichts weiß, kam Leo IX. 1053 nach Mantua, prüfte dort die Echtheit der Reliquie und bestätigte sie, feierte Messe auf der Piazza, weihte S. Andrea (vgl. n. †1036) und ordnete an, dass die Reliquie jährlich acht Tage vor und acht Tage nach Christi Himmelfahrt öffentlich ausgestellt werden sollte. Im Zusammenhang damit soll er Ablässe verliehen und eine Partikel der Reliquie mit sich nach Rom in den Lateran genommen haben. Zur chronologischen Einordnung vgl. n. †501.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †497, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-00-00_75_0_3_5_2_169_497
(Abgerufen am 22.01.2017).