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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst (Leo IX.) schickt (Kardinalbischof) Johannes (von Porto) als Gesandten nach Dalmatien, der Erzbischof Dabralis von Split wegen Verstoßes gegen das Zölibat aus dessen Amt entfernt.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Thomas Spalatensis, Historia Salonitanorum pontificum XV (Lucius, De regno Dalmatiae et Croatiae libri VI [Amsterdam 1656] 322; Racki, Thomas archidiaconus = Monumenta spectantia historiam Slavorum Meridionalium XXVI [Zagreb 1894] 46; Klaic 109f.; Thomae archidiaconi Spalatensis Historia Salonitanorum atque Spalatinorum Pontificum, Latin text by Olga Perić, Damir Karbić, Mirjana Matijević Sokol and James R. Sweeney [Budapest – New York 2006] 70). Reg.: F. Racki, Documenta historiae chroaticae periodum antiquam illustrantia (= Monumenta spectantia historiam Slavorum Meridionalium VII) (Zagreb 1877) 203 n. 153. Lit.: J. Lučić, Dalmatie (DHGE 14/1960, 28-38) 32; Sforza, Le relazioni 62; Harald Zimmermann, Die ersten Konzilien von Split im Rahmen der Geschichte ihrer Zeit (Vita religiosa, morale e sociale ed i concili di Split (Spalato) dei secc. X-XI. Atti del symposium internazionale di storia ecclesiastica, Split 26-30 settembre 1978, hg. von Atanazije G. Matanić [Padua 1982] 3-20) 18; Soldo, Historiographie der Spliter Konzile im X. und XI. Jahrhundert 62; Josip Delić, La disciplina del clero nei concili di Spalato nel X e XI secolo (Vita religiosa, morale e sociale ed i concili di Split (Spalato) dei secc. X-XI. Atti del symposium internazionale di storia ecclesiastica, Split 26-30 settembre 1978, hg. von Atanazije G. Matanić [Padua 1982] 220-235) 226ff.; Waldmüller, Synoden in Dalmatien 51ff.

Kommentar

Die Quelle führt aus, der Spalatenser Erzbischof habe wie ein Laienfürst gelebt: habebat ... mulierem et filios ..., quos secum in archiepiscopali palatio tenebat. Als aber das summo fuisset pontifici nuntiata habe der Papst statim misit quendam legatum, Joannem nomine, der congregata synodo inquisitionem cepit facere in capite et in membris. Der Erzbischof habe sich aus seinem Vergehen unter Hinweis auf die Praxis der Ostkirche herauszureden versucht, doch legatus excusationes Dabralis nullius fore momenti considerans auctoritate apostolica ... remouit eum ... ab administratione eccl. Spalatensis. Die Quelle macht weder den mit der Angelegenheit betrauten Papst namhaft, noch identifiziert sie den Legaten über seinen weitverbreiteten Namen hinaus näher, weshalb zur chronologischen Einordnung nur allgemeine Hinweise heranzuziehen sind: Dabralis war seit 1030 im Amt, sein zweiter Nachfolger 1060-1099, während sein unmittelbarer Nachfolger zu einem nicht bekannten Zeitpunkt altershalber resignierte. Demnach käme der Pontifikat Leos IX. in Frage. Dazu passt die Tatsache, dass dieser Papst auch sonst (vgl. etwa nn. 540.11, 622.6, 655.4,11) gegen verheiratete Prälaten und Priester vorging. Für ein entsprechendes Vorgehen im dalmatinischen Bereich kommt zudem eher Leo IX. als andere Päpste seiner Zeit in Betracht, weil er im Zusammenhang mit seiner Orientierung nach Byzanz (nn. 1038, 1040, 1042, 1112, 1131, 1132 etc.) mit der Kirchenprovinz am östlichen Adriaufer in Kontakt getreten sein kann und das überlieferte Eingreifen für die Vorgänger wegen deren Haltung zu der Problematik (Tuskulaner) bzw. deren kurzem Pontifikat (Gregor VI. – Damasus II.) nicht anzunehmen ist. Waldmüller 52 und 53f. hält auch die Zuordnung zu Viktor II. oder eher Stephan IX. für möglich. Der Zeitpunkt "um 1050" und die Identität des Legaten sind vor diesem Hintergrund mit der älteren Literatur erschlossen. Der Terminus inquisitionem ... in capite et in membris ist für den Zeitpunkt der Legation anachronistisch, fügt sich jedoch in die Entstehungszeit der Chronik im 13. Jahrhundert, vgl. Frech, Reform an Haupt und Gliedern 109ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 486, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-00-00_64_0_3_5_2_158_486
(Abgerufen am 27.05.2017).