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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. erhält von König (Sven Estridson) von (Dänemark ?) (Dalamarciae) einen Papageien geschenkt, welcher unterwegs zum Papst ad papam vado gesagt haben soll und diesen mit Leo papa angesprochen habe.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Vita Leonis IX (Wibert-Vita) II 9 (4) (Krause, MG SS rer. Germ. 70/2007, 190); Thomas von Cantimpré, Liber de natura rerum V 109 (H. Boese [Berlin-New York 1973] 225); Dietrich Engelshus, Chr. (Leibniz, SS rer. Brunswicensium II 1087). Reg.: . Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 101f.; Hunkler, Leo IX. 107; Steindorff, Heinrich II 130; May, Kritik mittelalterlicher Geschichtsquellen 25; Brucker, L'Alsace I 205, II 249; Hauck, Kirchengeschichte III 617; Manitius, Lateinische Literatur II 384; Skyum-Nielsen, Pavebulle 173; Méras, Saint Léon 90; Michel, Ecbasis 41; Hermann Diener, Die "Camera Papagalli" im Palast des Papstes. Papageien als Hausgenossen der Päpste, Könige und Fürsten des Mittelalters und der Renaissance (ZKG 49/1967, 43-97) 94ff. und passim; Maccarrone, Fondamenti Petrini 73f.; Berschin, Biographie und Epochenstil IV/1 207; Haarländer, Vitae episcoporum 450f.; Goullet, Vie de Léon IX 198; Munier, Léon IX 82f.; Iogna-Prat, Maison de Dieu 371; Iogna-Prat, Léon pape consécrateur 361; Krause, Touler Vita 18.

Kommentar

Während die Papstvita als ältere und bessere Quelle den avem psitacum als Geschenk des Königs Dalamarciae bezeichnet, benennt Dietrich Engelshus den rex Dalmatiae (vgl. auch die Historia ep. Tullensium, Calmet, Hist. de Lorraine2I preuves 222 und die Varianten in der Edition der Papstvita in Migne, PL 143, 491 n. 33). Bereits in den verschiedenen Handschriften der Papst-Vita gibt es die beiden Tendenzen, den König von Dänemark oder jenen von Dalmatien mit dem Geschenk in Zusammenhang zu bringen. Krause tendiert eher dazu, Dalmatia zu lesen und identifiziert den König als Stephan I. von Kroatien und Dalmatien. Die Geschichte ist aufgrund der lautmalerischen Ähnlichkeit von Papageienstimmen und dem angeblichen Text zwar denkbar, muss aber wie alle anderen mit Tieren verbundenen Mirakelgeschichten (vgl. nn. 417, 438) hinterfragt werden. Der Topos der sprechenden Tiere beruht auf der Erzählung über Bileam (Num 22, 28). Da allerdings Diener die Existenz einer Camera Papagalli in den Papstpalästen vom 13.15. Jahrundert ebenso nachgewiesen hat wie die Tatsache, dass Päpste wie weltliche Fürsten Papageien als Haustiere hielten, ist die Zuverlässigkeit der Aussage möglich. Da im Jahr 1466 die goldene Rose vom Papst in der Camera Papagalli geweiht wurde (Diener 48) und von Leo IX. als erstem Papst die Haltung eines Papageien in secreto conclavi (Vita) ebenso überliefert ist wie die Tatsache, dass er eine goldene Rose einforderte (n. 699), könnte möglicherweise die Weihe der Rose in eben diesem Raum auf eine alte Tradition seit Leo IX. zurückzuführen sein.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 482, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-00-00_60_0_3_5_2_154_482
(Abgerufen am 27.03.2017).