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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst (Leo IX.) informiert (König Heinrich I. von Frankreich) über die in Rom erfolgte Absolution der französischen Bischöfe, welche wegen ihrer Unterstützung der inzestuösen Ehe seines Vaters, König Roberts (II.), mit Berta, der Mutter Graf Odos (II. von Blois und Champagne), zusammen mit diesen der Exkommunikation verfallen waren (Pater tuus Robertus ... Bertam matrem Odonis comitis sibi duxit uxorem ... [episcopi itaque] excommunicati, post ad sedem apostolicam venientes ... sumpta poenitentia redierunt).

Incipit:
Pater tuus Robertus, laude et ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: . Kop.: . Insert: Ivo von Chartres, Decretum IX 8 (fragm.) (Migne, PL 161, 659). Drucke: Duchesne, Hist. Francorum SS (Paris 1636) IV 145; Bouquet, Recueil des Hist. X 492; Migne, PL 143, 736. Reg.: J 3270; JL 4307. Lit.: Fournier, Collections attribuées à Yves 57 (ND Ders.: Mélanges I 536); Robert Fawtier, The Capetian Kings of France (London 1960) 50f.; Jean Dhondt, Sept femmes et un trio de rois (Contributions à l'histoire économique et sociale 3/1965, 35-70) 45ff., 57f.; Corbet, Burchard de Worms 263f.; Bur, Léon IX et la France 243; Corbet, In multis 347, 351; Ubl, Inzestverbot 462f.; McLoughlin, Sex 29f.; vgl. Marie-Bernadette Bruguière, Canon Law and Royal Weddings, Theory and Practice: The French Example, 987-1215 (Proceedings of the Eighth International Congress of Medieval Canon Law, hg. von Stanley Chodorow [Vatikan 1992] 473-496) 477ff., 494f.

Kommentar

Das nur über Ivos Dekret erhaltene Fragment ist beachtlich. Weder der Aussteller noch der Empfänger sind in dem Bruchstück genannt. Allerdings wird aus dem Inhalt deutlich, dass König Heinrich I. von Frankreich der Adressat sein muss, da dieser einerseits als König bezeichnet wird (episcoporum regni tui), andererseits die inzestuöse Ehe seines Vaters Robert (II.) mit Berta von Burgund, der Mutter Odos von Champagne, als Ursache für die Exkommunikation französischer Bischöfe angeführt wird. Diese Strafe wurde jedoch schon im Jahr 999 von einer römischen Synode unter Gregor V. (Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. 846) verhängt. Dennoch nennt die Rubrik Leo IX. als Aussteller des Stückes, der damit einen sehr weit zurückliegenden Vorgang abschließt, der allerdings auch noch in den Briefen des Petrus Damiani Aufmerksamkeit fand (Brief 102, Reindel, Briefe des Petrus Damiani, MG Briefe IV/3 118-138, 132; vgl. Guillotel, Comte d'Anjou I 24, 26, 32). Der Adressat Heinrich I. wurde erst 1031 König, so dass eine erhebliche Distanz des Briefes von der 999 durchgeführten Exkommunikation von vornherein angenommen werden muss, und somit auch Leo IX. als Absender des Stückes durchaus möglich ist. Die Frage des Datums der Ausstellung lässt sich jedoch nur annäherungsweise beantworten. Falls das Schreiben Leos IX. sich überwiegend mit dem im Fragment erhaltenen Inhalt befasste, ist eine Ausstellung im Jahr 1049 anzunehmen, da der Papst wohl vor allem damals, vor der Feier der Synode in Reims nn. 601, 604, 622, 623, 626, 627, an einer guten politischen Verbindung zu Frankreich interessiert war. Andererseits haben die im Fragment erwähnten Vorgänge in der Amtszeit Leos IX. keine Rechtswirkung mehr, da damals alle 999 an den Ereignissen beteiligten Personen verstorben waren. Daher stammt das Fragment vermutlich aus einem Schreiben mit ganz anderem Gesamtinhalt, das nur in die Jahre 1049-1054 zu datieren ist. Nach Ubls Vermutung steht der Brief in Bezug zu der inzestuösen Ehe Roberts von Burgund, des Bruders König Heinrichs I., und das Verfahren gegen den Vater ist im Zusammenhang mit dessen Prozess erläutert. Nach Ubls weiteren Überlegungen diente der Brief zur Stützung der Ehe Heinrichs I. mit Anna von Kiew. Vgl. allgemein zum kirchlichen Eherecht Pierre Daudet, Études sur l'histoire de la juridiction matrimoniale (Paris 1933). – Einen Brief Heinrichs I. von Frankreich an den Papst, in welchem er mitteilt, dass er den Mönchen von Marmoutier die Kirche St-Martinau-Val de Chartres übertragen habe, erwähnt Jacques Soyer, Les actes des souverains antérieurs au XIVe siècle conservés dans les archives départementales du Loire IV: Fonds du prioré de Saint-Martinau-Val de Chartres (Bibliographie moderne 136.138/1926. 1927, 170-214) 181. Der Brief wird von Jean Dufour, Recueil des actes de Louis VI roi de France (1108-1137) II (Paris 1992) 66 n. 267 jedoch als Schreiben Ludwigs VI. von Frankreich an Papst Honorius II. identifiziert.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 480, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-00-00_58_0_3_5_2_152_480
(Abgerufen am 26.03.2017).