Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

Sie sehen den Datensatz 151 von insgesamt 1068.

Papst Leo (IX.) teilt dem Klerus Frankreichs und Dänemarks (dilectissimis filiis et fratribus, archiepiscopis et suffraganeis eorum, abbatibus et monachis in Francia, Dacia et ubique) mit, dass er für Verletzungen des Besitzes der heiligen Petrus und Laurentius sowie Raub allen anderen Kirchengutes die Exkommunikation verhängt (excommunicamus eos ..., qui furati sunt ... possessiones bb. Petri et Laurentii martirum ac omnium eccl.).

Incipit:
Indicatum est nobis, filii karissimi ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 1494, Stockholm, Riksarkivet, A 11 fol. 243. Erw.: Chr. Danicum 1036 (Langebek, SS rer. Danicarum V 627). Insert: Urkunde Erzbischof Peters von Lund (1336 Okt. 12) (Diplomatarium Suecanum IV 527). Drucke: Willibald Hauthaler, Litterae fictitiae (NA 29/ 1904, 473-475). Reg.: Regesta dipl. hist. Daniae II/1 41 n. 41; Diplomatarium Danicum I/1 196 n. 493; vgl. Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. 139. Lit.: Hans Olrik, Konge og Praestestand in den danske Middelalder I (Kopenhagen 1892) 211; Mayer, Fürsten und Staat 80; Skyum-Nielsen, Pavebulle, passim; Seegrün, Skandinavien 68; Lester Knox Little, La Morphologie des malédictions monastiques (Annales 34/1979, 43-60); Martin Brett, Marging and Afterthought: the Clavis in Action (Readers, Texts and Compilers in the Early Middle Ages. Studies in Medieval Canon Law in Honour of Linda Fowler-Magerl, hg. von Martin Brett/Kathleen G. Cushing [Farnham 2009] 137-163) 141f.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Brackmann, PUU des Nordens 97 (ND Ders., PUU in Deutschland 65); die Urkunde ist weithin identisch mit Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. †139; dort ist sie allerdings Leo (VII.) zugeordnet und zu (938) datiert. Über jene nach Frankreich erlassene und St-Martin in Tours (bzw. laut Böhmer/Zimmermann, Papstregesten St. Martin in Trier) betreffende Urkunde hinaus weist diese zusätzlich die dänische Adresse auf und befasst sich neben Kircheneigentum im Allgemeinen mit Besitz der Peterskirche und der Laurentiuskirche (in Lund), was der Urkunde einen anderen lokalen Bezug verleiht. Die Zuordnung zu Leo VII. wird dadurch unmöglich, dass zu seiner Zeit Dänemark noch Missionsgebiet war und kaum die dortige Besitzsicherung im Zentrum stand. In die Bischofsurkunde des 14. Jahrhunderts ist der Papstbrief inseriert als von sanctissimus Leo papa stammend, was evtl. Leo I., aber auch Leo IX. meinen kann. Auch die genannte Chronik nennt lediglich die Leonis papae censuram, welche Erzbischof Petrus von Lund 1336 verlesen ließ. Vor dem Hintergrund der allgemeinen skandinavischen Geschichte neigt die angeführte Literatur dazu, die überwiegend aus Verfluchungsformeln bestehende und im Stil eines Synodalbeschlusses abgefasste Urkunde als Fälschung auf Leo IX. zu betrachten, die in ähnlicher Weise auch in Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. †139 vorliegt. Der Versuch Skyum-Nielsens, die Echtheit der Urkunde und die Ausstellung durch Leo IX. in zwei parallelen Ausführungen für Frankreich und Dänemark zu beweisen, ist wenig überzeugend. Da der dänische Brief und jener nach Frankreich fast identisch sind und der französische auch nach Skyum-Nielsen das Vorbild darstellt, ist eine Fälschung der französischen Vorlage und Adaption für die dänischen Belange die wahrscheinlichste Lösung.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †479, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-00-00_57_0_3_5_2_151_479
(Abgerufen am 25.04.2017).