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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Leo IX. findet beim abendlichen Spaziergang in seinem Palast einen Leprakranken und legt diesen in sein eigenes Bett; daraufhin zieht der Papst sich zum Gebet in eine Kapelle zurück, wonach er den Kranken nicht mehr im Bett findet. Nach einer Suche des Gastes im gesamten Palast gelangt der Papst am folgenden Morgen zu der Erkenntnis, in dem Leprosen Christus beherbergt zu haben.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Vita Leonis IX (Wibert-Vita) II 22 (13) (Krause, MG SS rer. Germ. 70/2007, 230); Sigebert von Gembloux, Chr. 1048 (MG SS VI 359); Rupert von Deutz, Chr. s. Laurentii Leodiensis 30 (MG SS VIII 272); Annalista Saxo 1048 (MG SS XXXVII 390); Ann. Magdeburgenses 1048 (MG SS XVI 172); Radulf von Diceto, Abbrev. Chr. 1048 (Stubbs, SS rer. Brit. 68/1, 188); Ann. Waverleienses 1048 (Luard, SS rer. Brit. 36/2 182); Eike von Repgow, Zeitbuch (Massmann 341); Sächs. Weltchr. (MG DChr. II 172); Vinzenz von Beauvais, Speculum hist. XXV 27 (Douai 1624, 1011); Balduin von Ninove, Chr. (De Smet, Recueil des Chr. de Flandre II 684); Tholemäus von Lucca, Hist. eccl. XVIII 33 (MG SS XXXIX 427); Helinand von Froidmont, Chr. 1048 (Migne, PL 212, 941); Paulinus Minorita, Speculum (Muratori, Ant. IV 963); Amalricus Augerius, Chr. pont. (Muratori, SS rer. Ital. III/2 345); Martin von Fulda, Chr. 1051 (Eckhart, Corp. Hist. I 1682); Johannes Longus, Chr. s. Bertini (Martène/Durand, Thesaurus III 576); Jacobus de Guisia, Ann. Hanonie (MG SS XXX 193); Dietrich Engelshus, Chr. (Leibniz, SS rer. Brunswic. II 1087); Hermann Corner, Chr. novella (Eckhart, Corp. Hist. II 586); Edmund Dynter, Chr. ducum Lotharingiae III 4 (De Ram I/2 532); Thomas Ebendorfer, Chr. pont. Rom. (Zimmermann, MG SS rer. Germ. NS 16/1994, 330); Chr. belgicum (Pistorius/Struve, SS rer. Germ. III 122); Platina, Liber de vita Christi (Gaida, SS. rer. Ital. III/1, 1932, 184); Johannes Długosz, Ann. seu Chr. Poloniae III 1054 (Dąbrowski II 68); Hartmann Schedel, Weltchr. fol. 188v; Werner Rolevinck, Fasciculus temp. (Pistorius/Struve, SS rer. Germ. II 540). Reg.: –, vgl. Catalogue de l'exposition Léon IX (1054) 10 n. 19. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 188; Brucker, L'Alsace II 361f.; Stieve, Vita s. Leonis 28f.; Stein, Deutsche Heilige 30f.; Günter, Psychologie der Legende 230; Barth, Kult Leos IX. 215, 217; Sittler/Stintzi, Léon IX dans la legende 230f.; Fuchs, Léon IX dans l'iconographie 127; Brakel, Heiligenkulte 279f.; Goullet, Vie de Léon IX 198; Munier, Léon IX 289.

Kommentar

Die Legende über den Papst, der in einem Leprakranken Christus aufgenommen habe, basiert auf der Erzählung in der genannten Papstvita. Durch die Darstellung im zweiten Buch derselben ist belegt, dass Leo IX. das Ereignis in seiner Zeit als Papst widerfahren sein soll. So beginnen spätere Quellen die Geschichte mit der Einleitung: Hic [scil. Leo papa] cum in papatu... (Sigebert; entsprechend auch Rupert, Johannes Longus, Vinzenz, Ann. Waverleienses, Radulf, Chr. belgicum, Tholemäus von Lucca). Dies legt auch der Ort der Handlung sui palatii spatium nahe, doch berichtet die Papst-Vita die Episode im Rahmen des Beneventaner Aufenthaltes Leos IX. (n. 1100). Die Vita schildert die Angelegenheit noch nicht als Wunder; dieser Darstellung zu Folge fand der Papst den Kranken abends nicht mehr in seinem Bett vor und ließ deshalb noch nachts den Palast durchsuchen, allerdings ohne ihn zu finden. Danach habe der Papst sich zu Bett begeben und am Morgen danach dem Diener, der die Vorfälle der Nacht miterlebt hatte, strengstens verboten, davon zu erzählen. Dieses Verbot interpretiert der Papstbiograph (credo) so, dass dem Papst im Schlaf Christus in den Gewändern des Kranken erschienen sein könnte (wie dem hl. Martin) oder er möglicherweise den Kranken in den Himmel habe auffahren sehen. Alle späteren Quellen (Jacob von Guisia berichtet nur allgemein von der Mildtätigkeit Leos gegenüber Aussätzigen) verstehen die Geschichte jedoch als Wunder, oder jedenfalls als Vorfall, den der Papst selbst als Wunder verstanden habe (in paupere se Christum suscepisse obstupuit). Die Legende wurde bereits im 11. Jahrhundert als Bild dargestellt im Zwiefaltener Passionale (Stuttgart, Württembergische LBibl., Cod. Bibl. fol. 57 fol. 234b; vgl. Albert Boeckler, Das Stuttgarter Passionale [Augsburg 1923] Abb. 16; Herrad Spilling/ Mechthild Pörnbacher, Das Zwiefaltener Passionale, Abb. 15 mit Kommentar: Spilling, Miniaturen 31 und Pörnbacher, Kommentar 29), und am Beginn der Neuzeit (1517) von Hans Brugkmeir (gedruckt in Sittler/Stintzi, Léon IX vor 49; Garreau, Saint Léon IX 32).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 435, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1049-00-00_13_0_3_5_2_107_435
(Abgerufen am 30.03.2017).