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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Der ehemalige (nn. 154, 269) und abgesetzte (n. 327) Papst Benedikt IX. erlangt nochmals das Papstamt.

Überlieferung/Literatur

Erw.: De ordinando pontifice (Dümmler, MG Ldl I 9; Anton 76; Frauenknecht 77); Vita Leonis IX I 1 (Poncelet 276f.); Liber Pont. CL (Duchesne II 273); Ann. Romani (Duchesne II 332, 333); Ann. Farfenses 1048 (MG SS XI 589); Beno, Gesta II 8 (Francke, MG Ldl II 378); Gregor von Catino, Chr. Farfense (Balzani II, FSI 34/1903, 245); Leo Marsicanus, Chr. Casinensis II 79 (MG SS XXXIV 323f.); Hugo von Fleury, De regia potestate II 3 (Sackur, MG Ldl II 488); vgl. Adam von Bremen, Gesta III 31 (Schmeidler, MG SS rer. Germ. 2/19173 173f.); Thomas Ebendorfer, Chr. Pont. Rom. (Zimmermann, MG SS rer. Germ. NS 16/1994, 323). Reg.: J p. 362; Jung, Gottfried der Bärtige 94; Falce, Bonifacio di Canossa II 115f. n. 56; Graf, Widerstände 30f. nn. 62, 63; JL I p. 523. Lit.: Höfler, Deutsche Päpste II 12; Delarc, Pape alsacien 119, 121f.; Steindorff, Heinrich I 486, 489, II 28f.; Martens, Besetzung des päpstlichen Stuhls 39; Dupréel, Godefroid le Barbu 54; Martin, Saint Léon 30f.; Pflugk-Harttung, Papstwahlen II 18; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2 984, 992; Borino, Riforma della Chiesa 466; Guggenberger, Deutsche Päpste 39; Mathis, Benedetto 542f.; Borino, Elezione 206, 342ff., 367f., 384f.; Poole, Chronology 152; Bossi, Crescenzi 162; Messina, Benedetto 118f.; Falce, Bonifacio di Canossa I 189ff., 255ff.; Kölmel, Rom 159; Borino, Invitus 29, 31; Mikoletzky, Vorgeschichte 257; Brezzi, Roma e l'impero 216; Santifaller, Reichskirchensystem 97,2(200); Giovanelli, Cronologia di S. Bartolomeo 66; Brezzi, Aspetti della vita politica 124f.; Violante, Pataria 77; Morghen, Programma della riforma gregoriana 56f.; Giovanelli, S. Bartolomeo Iuniore 197; Halkin, Abdication de Benoît 231ff.; Zimmermann, Papstabsetzungen 134; Partner, Lands of St Peter 110; Anton, Bonifaz von Canossa 552f.; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 160ff., 166; Vrégille, Hugues de Salins I 152; Tomassetti/Chiumenti/Bilancia, Campagna IV 285, 383f.; Whitton, Papal Policy 33, 86, 240; Ghirardini, Benedetto 65ff., 85f.; Anton, De ordinando 30, 33, 45; Vrégille, Hugues 126; Laudage, Priesterbild 143f.; Sansterre, Rome et la papauté 538; Wolter, Synoden 396f.; Borgolte, Petrusnachfolge 142; De ordinando pontifice (Frauenknecht 49f.); Goez, Beatrix von Canossa 139f.; Engelbert, Heinrich III. und Sutri 250; Benericetti, Cronologia dei papi 66; Munier, Léon IX 105; Piazzoni, Riforma, Eigenkirche 1185; Parenti, Grottaferrata 120, 143f.; Gresser, Clemens II. 47; D'Agostino, Primato 79; McLoughlin, Sex 64ff.

Kommentar

Die prägnantesten und exaktesten Angaben zum erneuten (nach 1032 Okt. 21 [n. 154] und 1045 März 10 [n. 269] dritten) Pontifikat Benedikts IX. macht der Liber Pont. Während in dem Eintrag zur Amtszeit Benedikts IX. (CXLVIIII, Duchesne II 270) diese dritte Amtsperiode überhaupt keine Erwähnung findet, sind die genauen Daten des Amtsantritts, der Dauer und des Endes im Eintrag zu Clemens II. zu lesen: Benedictus ... iterum in pontificatum reversus est, et tenuit eum menses VIII dies IX. Dort wird die erneute Amtsübernahme auf das Fest s. Quatuor Coronatorum (8. November) datiert, während das Jahr sich aus dem Umstand ergibt, dass Clemens II. im Monat zuvor verstorben war (n. 384). Ohne die Daten zu nennen, erzählen die Ann. Romani die weiteren Zusammenhänge. Demnach hat Benedikt IX. nach dem Tod Clemens' II. von Tusculum aus beim römischen Volk durch Geld seine „Wiederwahl“ betrieben (n. 385) et sic reinvasit s. sedis apostolicae pontificium. Weitere Hinweise ergeben sich innerhalb derselben Quelle aus der stilisierten Rede Bonifaz' von Canossa gegenüber dem erwählten Damasus II. (n. 391), wonach die Römer den abgesetzten Papst zurückgeholt haben, der als unangefochtener Inhaber der Cathedra Petri nun herrsche (Romani papam reduxerunt, et potestatem, quam prius abuit, recepit et omnes pacivficavit in se). Anders stellt sich die Situation in derselben Quelle nach der stilisierten Antwort Kaiser Heinrichs III. an den Markgrafen (nn. 392, 393) dar. Der Kaiser wirft darin Bonifaz von Canossa vor, persönlich für die Rückkehr Benedikts IX. verantwortlich zu sein: Tu ... qui papam canonicum depositum in pontificium reduxisti et per praemii cupiditatem nostrum imperium contempsisti. Die Formulierung der Poncelet-Vita Leos IX. scheint die Angaben des Liber Pont. zu bestätigen: fecit collegia ille apostata qui antea fuit antistes et possessa est Romam ab omni parte. Romam vero nimium afflicta, restituerunt ipsum pessimum papa in sede apostolica unde inmeritus erat, doch schildert diese Quelle den erneuten Pontifikat Benedikts IX. im Anschluss an die Amtszeit Damasus' II. (n. 399). Nur Hugo von Fleury erklärt ausdrücklich, dass nach dem Tod Clemens' II. von den Römern ein junger Papst (Benedikt IX.) gewählt worden sei. Die Darstellung Hugos ist jedoch nicht korrekt. Er nennt nicht den Namen des neuen Papstes, sondern identifiziert ihn als quendam inutilem puerum, was mit der Charakteristik anderer Quellen für Benedikt IX. übereinstimmt. Allerdings kann diese Beschreibung, selbst wenn sie 1033 auf den Tuskulanerspross zutraf (n. 154), 1047 nicht mehr stimmen. Doch auch ansonsten ist Hugos Geschichte fehlerhaft; so lässt er diesen neuen Papst durch Heinrich III. absetzen, der ihm auch in Gregor VI. einen Nachfolger gegeben haben soll. Die Darstellung Hugos handelt somit über das Schisma von 1044-1046 (nn. 262-269ff.) und besitzt hinsichtlich der dritten Amtsperiode Benedikts IX. keine Aussagekraft. Borino, Elezione schließt aus der Datierung einer Farfenser Urkunde (Giorgi/Balzani, Regesto di Farfa n. 687: anno I. pontificatus, post recuperationem d. nostri Benedicti papae VIIII darauf, dass sehr wahrscheinlich eine neue Papstwahl stattgefunden habe, aufgrund welcher Benedikt IX. 1047/1048 als legitimer Papst gegolten habe (vgl. auch Borino, Invitus 29). Lässt sich die Frage der durchgeführten Wahl auch nicht entscheiden, da selbst die Farfenser Urkunde von einer solchen nicht ausdrücklich spricht, so belegt diese doch, dass Benedikt IX. Anerkennung gefunden hat. Dies kommt auch in den Aussagen des Liber Pont., der Stellungnahme des Bonifaz von Canossa in den Ann. Romani sowie in der Vita Leonis zum Ausdruck. Die Anerkennung war allerdings vermutlich auf Italien beschränkt, da keine ältere deutsche Quelle diese Amtszeit Benedikts überliefert. Auch entsteht aufgrund der Erzählung der Ann. Romani der Eindruck, dass die Gesandtschaft der Römer nach dem Tod Clemens' an den Kaiser mit großer Dringlichkeit den Wunsch nach einem 'kaiserlichen' Papst formulierte (precantes et obsecrantes, ut ... eis dirigeret ... s. Romane eccl. et universo orbi pastorem). Diese Bitte kann nur von einer tuskulanerfeindlichen römischen Fraktion vorgetragen worden sein, die eine erneute Amtszeit Benedikts IX. ablehnte. Daher ist anzunehmen, dass hinter der Erhebung Benedikts IX. der antideutsche römische Adel um die Familie der Tuskulaner stand, die wohl (laut Ann. Romani) bei Bonifaz von Canossa und vermutlich bei Waimar von Salerno Unterstützung fand (vgl. Pietro Fedele, Di alcune relazioni fra i conti del Tuscolo ed i principi di Salerno [ASRSP 28/1905, 5-21]). Bei Beno ist die Rückkehr Benedikts in das Amt eher angedeutet, in De ordinando pontifice seine Wiedereinsetzung. Die Ann. Farfenses ordnen die dritte Amtszeit in das Jahr 1048, die Chr. von Farfa und Leo von Ostia geben die Dauer mit menses VIII bzw. per VIII circiter menses an. Genaue Angaben zur Sedenzzeit macht jedoch der Liber Pont. mit acht Monaten und neun Tagen sowie der Nennung des Amtsantritts am 8. November und dem Amtsende am 17. Juli (pontificatum ... tenuit ... menses VIII dies VIIII, id est a festivitate s. Quatuor Coronatorum usque in festum s. Alexii).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 386, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1047-11-08_1_0_3_5_2_58_386
(Abgerufen am 20.10.2017).