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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Clemens (II.) informiert Kaiser H(einrich III.) (prius domino, inde filio ... H. invectissimo imp.) über seinen baldigen Tod; macht ihn, der ihn gegen seinen Willen zum Papst gemacht habe (me ... cui nuper dedisti papatum; invitissimus ad tantum culmen ascendi) (vgl. n. 329), zu seinem Erben (mihi supervivens haerede credo), erbittet das Gebet insbesondere der Brüder, auf deren Veranlassung seine Erhebung zum Papst stattfand (orent pro me fratres, qui me ad hoc invitabant, immo cogebant), ordnet die Überführung seines Leichnams in die Heimat (Bamberg) an (in patriam corruptibilem meum iam corruptum ... revehi volui) (vgl. n. 384), empfiehlt seine Begleiter der Gunst des Kaisers (quos me reducentes mecum reduco tuae fidei ... commendo) und übersendet diesem seinen Ring zur Erinnerung an ihn (anulum digiti mei digito tuo devovi, ut ... Clementis recorderis).

Incipit:
Karissime, karissime, signis non lingua ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 13. Jh., München, StBibl., Cod. lat. 4625 fol. 161v. Drucke: Pflugk-Harttung, Briefe aus den Jahren 1047-1146 (NA 6/1881, 626); Gresser, Clemens II. 190 (fragm.). Reg.: Gresser, Clemens II. 190 A †18; JL †4152, vgl. II p. 709. Lit.: Diekamp, Neuere Literatur zur päpstlichen Diplomatik 230; Michael, Formen unmittelbaren Verkehrs 87f.; Pflugk-Harttung, Papstwahlen I 282; Mann, Popes V 283; Kehr, Vier Kapitel 52 (ND Ders., Ausgewählte Schriften 1246); Lombardi, Vita e morte di Clemente II 79f.; Gresser, Clemens II. 106ff.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Pflugk-Harttung, Briefe. Der Brief ist, wie bereits das Incipit zeigt, in sehr persönlicher, und z. T. liturgischer Sprache gehalten, die bisweilen an die Formulierungen im Brief des Papstes nach Bamberg (n. 380) erinnert. Aufgrund dieses persönlichen Aspekts ist die Echtheit nicht sicher zu entscheiden; evtl. sind Abweichungen vom Kanzleiformular darin begründet. Dennoch ist der Verdacht Pflugk-Harttungs und Jaffé/Löwenfelds nicht von der Hand zu weisen, dass es sich bei dem Brief um eine Stilübung handelt. Sie könnte im Umfeld der Bestattung des Papstes in Bamberg (vgl. n. 384) entstanden sein. Im Unterschied zu den Briefen nn. 368, 380 und 381, in denen der Papst seine Wahl und Erhebung als Ausfluss der divina dignatio verstand, als von göttlicher Vorhersehung verursacht, wenngleich von Heinrich III. durchgeführt, wird hier der König als derjenige bezeichnet, der Clemens das Papstamt gab: recipe me nunc exanimatum, cui animato nuper dedisti papatum. In die Klage über den bevorstehenden Tod (ecce corpus meum ... ecce corpus meum) mischen sich theologische Aussagen über das Sterben (me non obiisse sed abiisse) und Selbstzweifel über die eigene moralische Integrität und die Berechtigung der eigenen Papstwahl (quia vere indignus fui, ideo forsitan tam cito rui ... ego tamen obedivi et obedientiam, licet sine fructu, finivi.). Somit kommt in dem Brief ein anderes Verständnis der Situation vor Weihnachten 1046 zum Ausdruck, als der Papst es ansonsten zeigt; sollte das Stück ein echter Abschiedsbrief Clemens' II. sein, dann ließe sich beim Papst selbst dieselbe ambivalente Position zu seiner Erhebung feststellen, die in den historiographischen Quellen hervortritt: korrekte Wahl (in einer Notsituation) oder gewaltsame Erhebung durch den König (vgl. n. 329, 384). Vor diesem Hintergrund ist die Annahme einer Stilübung vorzuziehen.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †383, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1047-10-00_1_0_3_5_2_55_383
(Abgerufen am 26.05.2017).