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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Clemens (II.) gibt allgemein bekannt (omnibus s. eccl. filiis), dass bei der Synode, welche er um den 5. Januar (1047) feierte (in synodo ... circa nonas ianuarias celebrantes) (vgl. n. 357) ein Streit zwischen den Erzbischöfen (Hunfried) von Ravenna und (Guido von) Mailand sowie dem Patriarchen (Eberhard) von Aquileia um den Vorrang in der Sitzordnung ausgebrochen sei (iurgium ... inter Ravennatem et Mediolanensem archiepiscopos ... etiam ... Aquilegensis patriarcha mussitabat ... quisque ... sibi iusta nos dexteri lateris locum vindicabat), woraufhin er die römischen Bischöfe und den römischen Klerus sowie anschließend alle anderen Synodalen befragt habe, und Bischof Johannes von Porto, der päpstliche Kanzler Petrus Diaconus sowie der Brixener Bischof Poppo die Seite des Ravennater Erzbischofs ergriffen hätten; gemäß deren Ratschlag und mit Zustimmung der ganzen Synode erklärt er, dass der Platz zur Rechten des Papstes dem Erzbischof von Ravenna zustehe; nur in Anwesenheit des Kaisers soll dieser zur Rechten des Papstes sitzen, der Erzbischof zur Linken; dem Erzbischof von Mailand und dem Patriarchen von Aquileia verbietet er unter Androhung von Interdikt, Bann, Exkommunikation und Anathem (interdicti nostri ... bannum s. Petri ... nostrae quoque excommunicationis et anathematis) ein nochmaliges Aufwerfen des Streits. Scr. pm. Johannis scrin. et not. sacri nostri palacii.

Incipit:
Quod propulsi ab apostolica sede ...
Schreiber:
Scr. pm. Johannis scrin. et not. sacri nostri palacii.

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 12. Jh., Ravenna, Arch. Arcivescovile, Perg. F. 1983v; 2) 1413, Modena, Bibl. Estense, Cod. lat. 371 fol. 44; 3) 16. Jh., Rom, Arch. Vat., Arm. XXXII t. 15 fol. 134; 4) 16. Jh., Rom, Bibl. Vat., Cod. vat. lat. 12154 (olim: Arch. Vat., Misc. Arm. XI t. 77) fol. 110v; 5) 16. Jh., Ravenna, Arch. arcivescovile, Diversorum, prot. XXXVIII fol. 583; 6) und 7) 17. Jh., Ravenna, Arch. arcivescovile, Diversorum, prot. XXXVI fol. 92 und 97. Erw.: Bonizo von Sutri, Liber ad amicum VI (Dümmler, MG Ldl I 600). Drucke: Labbe/Cossart, Conc. IX 1251; Ughelli, Italia sacra II 361; Hardouin, Acta conc. VI/1 923; Tesco Francesco Dal Corno, Ravenna dominante, sede d'imperadori, r'e et esacchi (Ravenna 1715) 233; Muratori, SS rer. Ital. I/2 583 (Clemens III.); Coleti, Conc. XI 1313; Cocquelines, Bull. Rom. I 357; Mansi, Conc. XIX 625; Mansi, Conc. XX 594 (Clemens III.); Cappelletti, Chiese d'Italia II 108; Tomassetti, Bull. Rom. I 574; Migne, PL 142, 581; Migne, PL 148, 828 (Clemens III.); Girolamo Zattoni, Il diritto storico degli arcivescovi Ravennati di sedere alla destra del papa (secolo XI) e la bolla di Clemente II (Ravenna 1904) 7 (ND Ders., Scritti storici e Ravennati [Ravenna 1975] 61-73, 66); Rivista di scienze storiche 1/1904, 215; Gresser, Clemens II. 166; 167 (deutsche Übersetzung); Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 204. Reg.: Rubeus, Historiarum Ravennatum libri X 283; Fabri, Le sagre Memorie di Ravenna 478; Benedetto Bacchini, De ecclesiasticae hierarchiae originibus dissertatio (Modena 1703) II 283; Montfaucon, Bibliotheca I 436; Georgisch, Regesta I 369 n. 15; Höfler, Deutsche Päpste I 339 n. 3; J 3147; J 3995 (Wibert Clemens III.); Mas Latrie, Trésor de chronologie 1280; Pflugk-Harttung, Päpstliche Originalurkunden 564 n. 830; IP V 53 n. 170; IP VI/1 46 n. 89; IP VII/1 30 n. 58; Santifaller, Elenco 349; Santifaller, LD 120; Curradi, Fonti per la storia di Ravenna 761 n. 19; vgl. MG Const. I 95 n. 49; JL 4141. Lit.: Will, Restauration I 11; Delarc, Pape alsacien 78f.; Steindorff, Heinrich I 320f., 488; Savio, Vescovi d'Italia II 393f.; Kehr, Scrinium 79 (ND Ders., Ausgewählte Schriften 139); Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2 991; Lenel, Venezianischistrische Studien 92; Paschini, Vicende del Friuli 177f.; Mathis, Benedetto 539f.; Buzzi, Ricerche di Ravenna e Roma 185f., 189; Borino, Elezione 250; Giulio Buzzi, A proposito della bolla di Clemente II a favore della Chiesa di Ravenna (Felix Ravenna 26/1917, 1063-1072) passim; Tangl, Teilnehmer 139f.; Karl Brandi, Ravenna und Rom. Neue Beiträge zur Kenntnis der römischbyzantinischen Urkunde (AUF 9/1926, 1-38) 20f.; Kehr, Rom und Venedig 90 (ND Ders., Ausgewählte Schriften 500); Kehr, Vier Kapitel 52 (ND Ders., Ausgewählte Schriften 1246); Jordan, Kaisergedanke 88 (ND 24); Santifaller, Elenco 143, 146; Borino, Invitus 6, 13; Violante, Pataria 81ff.; Reitzenstein, Papst Clemens II. 12; Bianchi, Patriarca Domenico Marango 161; Capitani, Immunità 67f.; Cowdrey, Archbishop Aribert II 7; Samaritani, Gebeardo di Eichstätt 110, 122; Sparber, Brixener Fürstbischöfe 46; Marchal, Patriarchat Aquileja 117; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 84ff.; Zattoni, Diritto storico, passim; Laqua, Traditionen 173, 300f.; Schmale, Sutri 91f.; Fichtenau, Lebensordnungen I 23; Heidrich, Ravenna unter Wibert 39; Wolter, Synoden 398ff.; Trillmich, Konrad II. 227; Rabotti, Ravenna e la sua chiesa 144; Giampaolo Ropa, Agiografia e liturgia a Ravenna tra alto e basso Medioevo (Storia di Ravenna III, hg. von Augusto Vasina [Ravenna 1993] 341-393) 350; Ruggero Benericetti, Il pontificale di Ravenna. Studio critico (Faenza 1994) 11, 15; Scholz, Politik 425, 428; Gresser, Clemens II. 78, 85ff.; Benericetti, L'eremo 64.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Kehr, PUU in Pisa 188 (ND Ders., PUU in Italien I 46), Kehr, PUU in Rom 368, 388 (ND Ders., PUU in Italien II 521, 541), IP V, Zattoni 64f., Buzzi, Bolla di Clemente II 1064f., Benericetti und Jasper, Konzilien (MG Concilia VIII) 202f. Der Papst führt in der Urkunde über den Streit aus, am ersten Tag der Synode n. 357 sei der Mailänder Erzbischof erst zu vorgerückter Stunde bei der Versammlung erschienen und habe den dem Kaiser reservierten Platz rechts neben dem Papst für sich beansprucht. Zur Rechten des Papstes, neben dem für den Kaiser reservierten Stuhl, sei der Patriarch von Aquileia gesessen, links neben dem Papst aber der (neue) Erzbischof von Ravenna. Der Forderung des Mailänder Prälaten hätten die beiden anderen widersprochen und den Ehrenplatz rechts neben dem Papst ebenfalls für sich beansprucht. Zum Beweis seiner Rechtsauffassung habe der Mailänder Erzbischof eine Urkunde des Papstes Symmachus vorgewiesen, welche sein Vorgänger als erster unterschrieben hatte. Dagegen habe der Ravennater Prälat betont, nur wegen der Demut seines eigenen Vorgängers hätte der Mailänder in der vorgelegten Urkunde diese Position einnehmen können, und selbst eine Urkunde eines Papstes Johannes, Nachfolgers des Symmachus, vorgewiesen, derzufolge die Erzbischöfe von Ravenna immer zur Rechten der Päpste sitzen sollten, außer in Anwesenheit des Kaisers; in diesem Fall sollen sie den Platz zur Linken des Papstes einnehmen (vgl. n. 357). IP V, Brandi und Wolter identifizieren den Johannes-Papst mit I. (IP V 22 n. †*12), während Violante, Pataria 81 annimmt, es handle sich um III., der Ravenna 568 Sept. 22 auch das Pallium verliehen hatte (JK 1041; IP V 23 n. 22) (Paul Ewald/Ludo M. Hartmann, Gregorii I papae Registrum epistolarum I [Berlin 1887-1891] 230). Der Patriarch von Aquileia habe aber eine Urkunde Johannes' XIX. vorgewiesen (vgl. n. 97), die ihm dieselben Rechte bestätigte. – Gegen die Echtheit der Urkunde spricht eine Behauptung Arnulfs und Landulfs von Mailand, der Erzbischof von Mailand habe bei den Synoden 1050 und 1059 den Platz zur Rechten des Papstes eingenommen (Arnulf III 13 [Zey 185] und Landulf III 4 [Cutolo 84f.]). Zum andern berichtet Landulf (III 3) zur Synode Leos IX. 1050 erneut von einem Rangstreit zwischen Mailand und Ravenna (vgl. n. 761). Neben diesen bereits von Zattoni beobachteten und widerlegten Kritikpunkten spricht gegen die Echtheit der Urkunde ihr schwerfälliges und holpriges Latein, das aber evtl. auf die Abschriften bzw. Editionen zurückgeführt werden kann, sowie der Verzicht auf die Verwendung des LD Formulars. Auffällig ist auch das Fehlen der Namen der streitenden Prälaten; dagegen sind als Synodalteilnehmer einige Prominente namentlich aufgeführt: Kaiser Heinrich (III.), Bischof Johannes von Porto, der päpstliche Kanzler Petrus Diaconus und der spätere Damasus II., Bischof Poppo von Brixen (filii nostri imp. Henrici ... Ioannes episcopus Portuensis et Petrus diac. nostrae apostolicae sedis canc. ... Poppo quoque Brixensis). Bei der Annahme einer Fälschung wäre leicht zu erklären, dass ausgerechnet der spätere Papst die Stellungnahme der Synode zugunsten Ravennas initiierte. Verdächtig ist auch der Titel für Erzbischof Hunfried von Ravenna, der als electus Ravennatensis bezeichnet wird, obwohl der Papst selbst ihn bereits an Weihnachten 1046 zum Bischof geweiht hatte (vgl. n. 331). Diese Titulierung ist allerdings evtl. damit zu erklären, dass der neue Erzbischof seiner Kirche noch nicht präsentiert und der Einsetzungsakt damit noch nicht abgeschlossen war. Weiterhin bedenklich ist die Erzählung über den Hergang des Streits; kann die Tatsache, dass der Mailänder Erzbischof den Tagungsort mit einer Unterschriftenliste betritt, die seinen Vorrang beweisen soll, angesichts der Vorgänge von 1027 (vgl. nn. 79, 80, 95, 96) noch plausibel sein, so ist die Antwort des Ravennater Erzbischofs, der eine gefälschte Urkunde bei sich führt, welche die exakte Antwort auf das Mailänder Beweismittel darstellt, nur schwer zu erklären. Sollte nicht die gesamte Darstellung des Streits als Fälschung aufzufassen sein, so müsste angenommen werden, dass Hunfried von Ravenna über die Pläne des Mailänder Erzbischofs und sogar dessen genaue Strategie im Voraus unterrichtet gewesen wäre. Kritisch zu werten ist auch die schon von Buzzi, Bolla di Clemente II 1067 beobachtete Häufung von Strafmaßnahmen in der Sanctio negativa, während die vom selben Autor gerügte mangelhafte Adresse omnibus s. eccl. filiis nicht außergewöhnlich ist und sich durch den synodalen Zusammenhang erklären lässt. – Für die Echtheit spricht dagegen die Litera elongata der ersten Zeile. Das Original soll nach Angaben des Archivprotokolls zu einer 1413 gefertigten und inzwischen verschollenen Abschrift, das Muratori, SS rer. Ital. I/2 583 und die Abschriften 6) und 7) wiedergeben, mit einer Bleibulle besiegelt gewesen sein: illud privilegium in autentico vidi et legi bullatum bulla plumbea apostolica, sed non more aliorum apostolicarum bullarum (Zattoni 65). Zattoni möchte selbst die Tatsache, dass diese Bulle eine ungewöhnliche Form hatte, zugunsten der Echtheit der Urkunde interpretieren, da die päpstlichen Siegel der Mitte des 11. Jahrhunderts sich von denjenigen des 15. Jahrhunderts unterschieden. Die Echtheit wird auch gestützt durch den Umstand, dass der Skriniar Johannes noch weitere Urkunden Clemens' II. (nn. 342, 353, 355, 363) sowie solche Benedikts IX. (nn. 256, 258) und Gregors VI. (nn. 293, 305, 308) geschrieben hat (Bresslau, Urkundenlehre3I 228; Santifaller, Elenco 146). Für die Echtheit lässt sich zudem die Arenga heranziehen, welche auf das Schisma und die Vorgänge von Sutri (vgl. nn. 324, 327) anspielt, der richtige Zeitpunkt für die Synode (vgl. n. 357) wie auch die genannten Teilnehmer. Als weitere Argumente führt Zattoni an, dass Petrus Damiani in der Adresse eines Briefes bereits 1043 den Ravennater Erzbischof als secundae per Italiam sedis antistiti (Brief 4, Reindel, Briefe des Petrus Damiani, MG Briefe IV/1 106) anredet; noch wichtiger als dieser pauschale Hinweis auf die entsprechende Denkweise ist die Behauptung Bonizos von Sutri, bei der Fastensynode 1074 sei der Ravennater Erzbischof entsprechend dem Privileg seiner Kirche neben dem Papst gesessen (ven. Ildebrando ... electo religiosus archiepiscopus [Guibertus] debitam subjectionem ... contulit, ut vocatus ad synodum veniret et in eadem synodo secundum privilegium suae eccl. destra ei sederet), womit nur die Urkunde Clemens' II. gemeint sein kann. Für die Echtheit lässt sich schließlich auch anführen, dass der Papst seine Unsicherheit bzgl. der Streitfrage in der Urkunde zum Ausdruck bringt, indem er schreibt: cui iuri deberetur nobis incertum erat; als kompetent erweist er dagegen die sodann befragten Romani episcopi, clerusque Romanus, quibus ... res ipsa nota erat. Die Unkenntnis in der Frage hätte ein Fälscher dem Papst wohl schwerlich in den Mund gelegt; der Umstand, dass der römische Klerus mit der Sache betraut war, ist vielleicht als Hinweis zu verstehen, dass es sich um eine Fortsetzung des Streitfalles von 1027 handelt (vgl. nn. 79, 80, 95, 96). – Tangls Annahme, der Hinweis auf die Befragung der episcopi Romani und des römischen Klerus sei ein Beweis für die Herausbildung der Kardinalbischöfe als Kollegium und deren Vorrecht in der Synode, wird von Wolter 402 durch die Annahme relativiert, ihre vorrangige Befragung hänge mit dem Ort der Versammlung zusammen. Allerdings wirft der Terminus Romani episcopi als Bezeichnung für die suburbikarischen Bischöfe Probleme auf; aus dem Satzgefüge universa synodus interrogatus [!] est a nobis primo ... Romani episcopi clerusque Romanus und insbesondere aus der Parallele zu clerusque Romanus geht klar hervor, dass die Wendung Nominativ Plural ist. Der Terminus Romanus episcopus dient allerdings ansonsten zur Bezeichnung des Papstes, während suburbikarische Bischöfe im Allgemeinen durch den Namen ihrer Titelkirche identifiziert sind, bzw. weniger eindeutig Romanae eccl. episcopi heißen. – Von der politisch/ kirchenpolitischen Situation her gesehen ist die Bevorzugung des Ravennater Erzbischofs durchaus plausibel. War der Mailänder Metropolit zusammen mit dem tuszischen Markgrafen eine Stütze der Italienpolitik Konrads II. gewesen, so hatte er diese Rolle spätestens seit 1038 verloren (vgl. nn. 208, 209); der zweite in den Rangstreit verwickelte Prälat, Patriarch Eberhard von Aquileia (1045-1049), hatte im Gefüge der Reichspolitik ebenfalls nicht mehr die politische Statur seines Vorgängers Poppo (vgl. nn. 45, 57, 95, 97, 101), seitdem sich ein Ausgleich Heinrichs III. mit Venedig auch in seiner Ungarnpolitik abzeichnete und Aquileia daher für die Italien und Ungarnpolitik an Bedeutung verlor. So wäre aus reichspolitischer Sicht die Annahme plausibel, dass Clemens II. den von ihm wenige Tage zuvor geweihten (n. 331), von Heinrich III. zum Erzbischof von Ravenna erhobenen Vertrauten, Hunfried von Mömpelgard in der genannten Weise auszeichnete. Fraglich bleibt aus dieser Perspektive jedoch, ob die römische Synode und insbesondere der römische Klerus und Bischof Poppo von Brixen als die namentlich genannten Wortführer, welche die Entscheidung gefällt haben sollen, sich politisch instrumentalisieren ließen. Spricht angesichts der Vorgänge um die Erhebung Clemens' II. (vgl. nn. 329, 331) nichts dagegen, so lassen sich auch kirchenpolitische Argumente für die Entscheidung gegen den Mailänder und gegen den Aquileier Prälaten anführen. Das Urteil der Synode von 1027 zugunsten Mailands betraf offenbar nur das Recht des oberitalischen Erzbischofs, dem Papst den zum Kaiser zu Krönenden zu präsentieren (vgl. n. 79, 80, 95, 96). Durch sein Auftreten 1047 versuchte Guido von Mailand vermutlich, aus diesem speziellen Vorrang einen allgemeinen zu machen. Der Patriarch von Aquileia, der ein Privileg Johannes' XIX. über exakt das Recht, zur Rechten des Papstes zu sitzen, vorweisen konnte (vgl. n. 97), hatte dagegen stärkere Argumente. Allerdings war dessen Privileg – falls es sich um ein eigenständiges handelte und die Wendung in der Urkunde Clemens' II. nicht einfach als der Ausfluss der sonstigen, den Vorrang dieses Patriarchen bestätigenden Urkunden zu verstehen ist – vermutlich wie die anderen Urkunden Johannes' XIX. zugunsten Aquileias auf kaiserlichen Druck hin entstanden (vgl nn. 95, 101). Es wäre denkbar, dass der Patriarch vor dieser neuen Synode das alte Vorrecht ebenso verlor, wie er schon zuvor den von Johannes XIX. (nn. 97, 101) verliehenen allgemeinen Vorrang durch Benedikt IX. (vgl. nn. 254, 255) verloren hatte und durch Leo IX. (vgl. nn. 1057, 1058) endgültig verlieren sollte. Allerdings büßte der von Clemens II. ausgezeichnete Hunfried von Ravenna wenige Jahre später, vermutlich wegen einer Besitzstreitigkeit mit der römischen Kirche, die Gunst Leos IX. ein und wurde von diesem exkommuniziert (vgl. n. 806.6), was aber nicht gegen eine Privilegierung durch Clemens II. sprechen muss; vielmehr kann gerade die von Clemens II. bestätigte Stellung des Erzbischofs als rangmäßig zweiter in Italien Hunfried für seinen Konflikt mit Leo IX. den Rücken gestärkt haben.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. 358, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1047-01-05_2_0_3_5_2_30_358
(Abgerufen am 30.03.2017).