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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,2

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Papst Johannes (??)[Clemens II. ??] gibt allgemein bekannt, dass er Abt Ruthard von Corvey (omnibus ... suggero, quod ven. abbas Rudthardus monasterii quod vocatur Nova Corbeya) (D. Paderborn) wunschgemäß und auf Intervention Kaiser Heinrichs (III.) (per interventum ... imp. ... Heinrici) entsprechend den Privilegien der Päpste Hadrian (II.), Stephan (V.), Johannes (XV.) und Benedikt (VIII.?) (a nostris praedecessoribus Adriano, Stephano, Johanne atque Benedicto) den Besitz der Klöster Corvey und Herford (D. Paderborn) (Corbeiense ... monachorum atque Hervordense sanctimonialium) bestätigt und gemäß den Urkunden der Päpste Gregor (IV.) und Nikolaus (I.) (Gregorium ... Nicolaum) deren Exemtion von der Jurisdiktion des Bischofs von Paderborn (Patherbrunnensis) und jeder anderen Gewalt verliehen habe; befiehlt allen Bischöfen und besonders jenem von Paderborn die unentgeltliche Spendung von Weihen, gewährt dem Abt das Predigtrecht, dem Konvent jenes der freien Abtwahl, verbietet die Vergabe der Klöster an Laien und Kanoniker, erlaubt die Absetzung von Abt und Äbtissin nur nach kanonischem Kriminalprozess und bedroht Besitzstörungen mit dem Anathem sowie einer Strafsumme von tausend Goldpfund, die zur Hälfte an die Klöster und zur Hälfte an den eintreibenden Fürsten fallen sollen. Scr. pm. Johannis primi scrinii s. nostrae Romanae eccl. mense Jan.

Originaldatierung:
Dat. IV kal. Jan. pm. Petri dyac. bibl. item canc. SAS, a. D. nostri Jesu Christi MXLVI, d. Johannis papae I, ind. XV.
Incipit:
Omnibus sanctae Dei aecclesiae fidelibus ...
Schreiber:
Scr. pm. Johannis primi scrinii s. nostrae Romanae eccl. mense Jan.

Überlieferung/Literatur

Orig.: – . Kop.: 1) 13. Jh., Münster, StArch., Msc. VII 5208; 2) 1348 Aug. 23, Münster, StArch., Herford 19. Druck: – . fragm.: Finke, PUU Westfalens 9 mit Diekamp, Westfälisches UB Suppl. 85. Reg.: Roger Wilmans, Ergänzungen zu den Regesta Pontificum Romanorum (Archivalische ZS 3/ 1878, 31-60) 36; Santifaller, Elenco 348; GP V/1 89 n. †19 und 149 n. †7; JL †4132. Lit.: Harttung, Dipl.hist. Forschungen 143f.; Diekamp, Neuere Literatur zur päpstlichen Diplomatik 229; Santifaller, Elenco 143, 146; Reitzenstein, Papst Clemens II. 12; Kaminsky, Corvey 67; Timmel/Zimmermann, Suidger 12; Hans Jürgen Brandt/Karl Hengst, Das Erzbistum Paderborn (Paderborn 1989) 66; Fürstenberg, "Ordinaria loci" 56f.; Karl Heinrich Krüger, Studien zur Corveyer Gründungsüberlieferung (Münster 2001) 230.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Wilmans, Santifaller und GP. Die bisher nicht edierte Urkunde ist Nachurkunde zu derjenigen Johannes' XV. (989 Juni 26) (JL 3832; Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. 673; GP V/1 87 n 16) (Zimmermann, PUU I 578) und wiederholt diese weitgehend wörtlich, weshalb Finke nur die Abweichungen verbatim abdruckt. Beide Dokumente stellen eine Wiederholung einer Mainzer Synodalurkunde aus dem Jahr 888 dar (Heinrich Büttner, Erzbischof Liutbert von Mainz und die Rechtsstellung der Klöster, in: Landschaft und Geschichte, FS F. Petri [Bonn 1970] 104-115, Edition 113ff.); Abweichungen bestehen nur am Anfang und im Eschatokoll. Zu Beginn ist in vorliegendem Privileg gegenüber demjenigen Johannes' XV. die Arenga Convenit episcopali auctoritati entfallen, wodurch unmittelbar auf die trinitarische Verbalinvokation die Intitulatio Ego Johannes etc. mit einer Wortumstellung folgt. Verändert sind gegenüber der Vorurkunde weiterhin die Namen des Adressaten und der Intervenienten, in die Papstreihe sind ein Johannes und ein Benedictus eingefügt. Liegt es nahe, den Johannes-Papst aufgrund der Vorurkunde mit Johannes XV. zu identifizieren, so sollte sich der zweite Name auf die Urkunde Benedikts VII. (981 April 2) (JL 3806; Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. 589; GP V/1 86 n. 15) (Zimmermann, PUU I 519) beziehen; allerdings wäre in diesem Fall die Reihenfolge verdreht, so dass u. U. auch Johannes XIII. gemeint sein könnte (972 Mitte April) (JL –; Böhmer/Zimmermann, Papstregesten n. 493). Weitere Unterschiede ergeben sich im Eschatokoll; dieses stimmt fast völlig mit der Urkunde Clemens' II. für Fulda n. 353 vom selben Tag überein. Die Differenzen zum Privileg Clemens' II. erklären sich zum einen aus Schwierigkeiten beim Lesen der Kuriale, zum andern aus dem Versuch des Fälschers, das Eschatokoll mit der Vorurkunde auszugleichen. Die fast kanzleimäßige Form des Eschatokolls könnte aber auch aufgrund einer Urkunde Clemens' II. für Corvey zu erklären sein, doch ist dann unverständlich, weshalb der Fälscher zwischen 1262-1348 (Finke) dieses zugunsten der Johannes-Vorlage zerstörte; wahrscheinlicher scheint, dass die der Text des Privilegs Johannes' XV. mit Hilfe der Urkunde (bzw. einer Kopie) Clemens' II. für Fulda überarbeitet wurde. Kontakte zwischen Corvey-Herford und Fulda waren sicher vorhanden. Allerdings deutet auch manches auf Kontakte Clemens' II. mit Corvey (Kaminsky).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,2 n. †354, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1046-12-29_2_0_3_5_2_26_354
(Abgerufen am 25.05.2017).