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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

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König Heinrich (III.) empfängt im Verlauf seines Italienzuges Papst Gregor VI. ehrenvoll (und geht eine Gebetsverbrüderung mit ihm ein) (vgl. n. 313).

Überlieferung/Literatur

Erw.: Necrologium s. Savini (Piacenza, Bibl. com., Cod. Nr. 16 fol. 41, Faks. bei: KarlSchmid, Heinrich III. und Gregor VI. im Gebetsgedächtnis von Piacenza des Jahre 1046. Bericht über einen Quellenfund [Ders., Gebetsgedenken und adliges Selbstverständnis im Mittelalter, Sigmaringen 1983, 598-619] 605); Hermann von Reichenau, Chr. 1046 (MG SS V 126); Arnulf von Mailand, Liber gestorum III 2 (Zey, MG SS rer. Germ 67/1994, 169); Bonizo von Sutri, Liber ad amicum V (Dümmler, MG Ldl I 585); Bernold von Konstanz, Chr. 1046 (MG SS V 425); Theodor, Ann. Palidenses (MG SS XVI 98); Sächs. Weltchr. (MG DChr. II 272); Dietrich Engelshus, Chr. (Leibniz, SS rer. Brunswic. II 1083).  Reg.: J p. 363; JL I p. 525.  Lit.: Steindorff, Heinrich I 311f.; Hauck, Kirchengeschichte III 587; Sackur, Schreiben Odilos 732; Griessinger, Römerzug 9; Müller, Itinerar 60; Pflugk-Harttung, Papstwahlen 280f.; Kromayer, Vorgänge 180, 182; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2, 985f.; Mathis, Benedetto 292f.; Borino, Elezione 309f.; Messina, Benedetto 107; Mann, Popes V 258; Kehr, Vier Kapitel 604; Fliche, Réforme I 108; Borino, Invitus 7, 10; Morghen, L'origine del programma 24; Zimmermann, Papstabsetzungen 126; Partner, Lands of St. Peter 108; Schmale, Sutri 88, 95ff.; Ghirardini, Benedetto 48; Neiske, Konvents- und Totenlisten 242, 249;Schmid, Erschließung neuer Quellen 10; Schmid, Heinrich III. und Gregor VI. passim; Wolter, Synoden 380f.; Schwarzmaier, Von Speyer nach Rom 97f.;Thomas Frank, Studien zu italienischen Memorialzeugnissen (Berlin - New York 1991) 23ff.; Vacca, Prima Sedes 157; Hoffmann, Anmerkungen zu den Libri memoriales 448ff.; Cowdrey, Gregory 23; Engelbert, Heinrich III. und Sutri 239ff.; Blumenthal, Gregor 61; Schieffer, Sutrilied 83, 88.

Kommentar

Über das Treffen in Piacenza teilt Hermann von Reichenau im Anschluss an die vom König berufene Reformsynode von Pavia (MG Const. I n. 48, 94) mit, dass der König den Papst honorifice suscepit. Allerdings gibt dieser Autor dem Papst nur seinen Beinamen und erwähnt den Papstnamen an dieser Stelle nicht: Placentiam veniens Gratianum. Mit dieser Darstellung stimmen Arnulf von Mailand und Bernold von Konstanz überein, doch fügt Bernold den Papstnamen bei: Gratianus papa, nomine sextus Gregorius. All diese Quellen legen Wert auf die Bemerkung, dass Gregor VI.-Gratian zu dem Zeitpunkt nicht einziger Papst war, sondern laut Arnulf ein, laut Hermann und Bernold mehrere weitere Papstprätendenten noch lebten. Der Placentiner Nekrolog des Klosters S. Savino verzeichnet als erste Namen des Eintrages den D(omnus) apostolicus und den Domnus Enricus rex. Obwohl der Papstname nicht genannt ist, zeigt Schmid, dass der Eintrag im Zusammenhang mit dem Besuch von Papst und König in Piacenza steht und daher Gregor VI. gemeint sein muss. –  Als Termin bringt Schmid den 2. November ins Spiel, weil Odilo von Cluny als einer der Teilhaber des Gedächtnisses angeführt ist, damals wohl im Gefolge des Königs war und jenen Tag als Allerseelenfest propagiert hat, doch fehlen jegliche quellenmäßige Hinweise auf eine stärkere Einflussnahme des Großabtes und damit auch Beweise für jene Datierung. Da der König den 28. Oktober 1046 noch in Pavia feierte, ist als Zeitpunkt des Placentiner Aufenthaltes ein Datum um den 2. November aber wahrscheinlich. Aufgrund der Verbrüderung ist anzunehmen, dass der König zu diesem Zeitpunkt dem Papst unvoreingenommen gegenüberstand und die Ereignisse von Sutri (n. 324) königlicherseits nicht von vornherein intendiert waren. Allerdings vertritt Hoffmanndie Ansicht, dass es sich bei dem Eintrag nur um ein Verzeichnis der Klosterwohltäter und keine Gebetsverbrüderung handle, eine Aussage über das Verhältnis zwischen König und Papst demnach daraus nicht zu erschließen sei. Gegenstand der Verhandlungen dürften die Zustände in Rom und die geplante Kaiserkrönung gewesen sein. Aus dem Sachverhalt des Treffens zwischen König und Papst in Piacenza konstruieren die weiteren Quellen (Theodor, Eike von Repgow, Sächs. Weltchr., Dietrich Engelshus) eine – insgesamt wohl fiktive – Geschichte, laut der Heinrich III. unterwegs nach Rom mit allen drei Nachfolgern Petri zusammengetroffen sein soll (vgl. n. †316, n. †317). Einem davon sei der König dabei in der Lombardei begegnet (uno papa sibi occurrente in Longobardia), was eine zutreffende Reminiszenz an die Begegnung in Piacenza sein dürfte. Laut Eike von Repgow, Zeitbuch (Massmann 336) fand dieses Treffen in Ytalia statt. Eine ganze Reihe von späten Quellen versteht den Tod Papst Gregors VI. als Voraussetzung für das Eingreifen Heinrichs III. in die Schismawirren: Flores Historiarum 1033 (Luard, SS rer. Brit. 95/1, 555); Martin von Troppau, Chr. (MG SS XXII 433); Tholemäus von Lucca, Hist. eccl. XVIII 26 (Muratori, SS rer. Ital. XI 1059f.); Johann von Viktring, Liber Hist. (Schneider, MG SS rer. Germ. 36/1, 1909, 68); Anon. Leobiensis 1035 (Pez, SS rer. Austr. I 767); Eulogium Historiarum (Haydon, SS rer. Brit. 9/1, 260); Martin von Fulda, Chr. 1046 (Eckhart, Corp. Hist. I 1682); Johannes Rothe, Düringische Chr. 250 (Liliencron 194f.); Hermann Corner, Chr. novella (Eckhart, Corp. Hist. 584); Edmund Dynter, Chr. ducum Lotharingiae (De Ram II 35) und Johannes Długosz, Ann. seu Chr. Poloniae III zu 1040 (Dąbrowski II) 28 (vgl. Graf, Widerstände 30 n. 60). Diese irrtümliche Überlieferung ist verursacht durch die Absicht, die Rechtmäßigkeit späterer Päpste unter dem Gesichtspunkt der apostolische Sukzession zu wahren und den König vom Vorwurf des unerlaubten Einmischens in kirchliche Angelegenheiten frei zu halten. Thomas Ebendorfer, Chr. pont. Rom. (Zimmermann, MG SS NS 16/1994, 324) lässt genauso falsch das Eingreifen des deutschen Königs erst nach dem Tod Benedikts IX. und dann gegen die Schismapäpste Silvester III. und Gregor VI. stattfinden (vgl. n. †302). Zum weiteren Itinerar Gregors VI. vgl. n. †315, n. 319.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. 314, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1046-10-00_1_0_3_5_1_314_314
(Abgerufen am 27.07.2017).