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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

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Papst (Gregor VI.) erhält von König Heinrich (III.) die ungarische Königslanze als Insignie seines Sieges über König Samuel Aba.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Bonizo von Sutri, Liber ad amicum V (Dümmler, MG Ldl I 583f.); Arnulf von Mailand, Liber gestorum III 4 (Zey, MG SS rer. Germ. 67/1994, 171f.); Brief Gregors VII. an König Salomo von Ungarn von 1074 Oktober 28 (JL 4886; Erich Caspar, Das Register Gregors VII. = MG Epistolae selectae II, Berlin 1920, II 144 n. 13; György Györffy, Dipl. Hungariae antiquissima I, Budapest 1992, 194 n. 68).  Reg.: –; vgl. Zombori, Magyarország és a szentszék 295 zu 1044. Lit.: Steindorff, Heinrich I 204ff., 233ff., 464; Kölmel, Rom 84; Erdmann, Kreuzzugsgedanke 43f.; Hóman, Geschichte des ungarischen Mittelalters I 252ff.; Schramm, Herrschaftszeichen II 519ff., 652f.; Schramm, Herrschaftszeichen: gestiftet 178f.; Jäger, Rechtliche Abhängigkeitsverhältnisse 104ff.; Baethgen, Kurie und Osten 61f.; Uhlirz, Handbuch der Geschichte Österreich-Ungarns I 236ff.; Deér, Krone Ungarns 199f.; Partner, Lands of St. Peter 109; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 45; Boshof, Reich und Ungarn in der Zeit der Salier 182f., 186f.; Boshof, Reich und Ungarn 49f.; Kovács/Lovag, Ungarische Krönungsinsignien 8; Fried, Otto III. 134f.; Swinarski, Herrschen 294ff.; Gerics/Ladányi, Szentszék és magyar állam 14.

Kommentar

Die Ann. Altahenses (Oefele, MG SS rer. Germ. 4/1891, 37) berichten über die Schlacht von Menfö von 1044 Juli 5, dort sei die lancea regis deaureata capitur, d. h. die ungarische Königslanze, Heinrich III. bzw. dessen Schützling, dem ungarischen König Peter, der die Schlacht gegen seinen Gegenspieler Samuel Aba gewonnen hat, in die Hände gefallen. Weiterhin berichtet dieselbe Quelle (p. 40), an Pfingsten, dem 26. Mai 1045, sei beim Akt der Belehnung Peters mit Ungarn durch Heinrich III. vom ungarischen König ebenfalls eine vergoldete Lanze an den deutschen Herrscher übergeben worden. Da die Bezeichnung in beiden Fällen lancea deaureata lautet, dürfte beim zweiten Akt die erbeutete Insignie verwendet worden sein. Dasselbe berichten in gekürzter Form auch die Ann. Leodienses 1043 (MG SS IV 19) und Sigebert von Gembloux, Chr. 1043 (MG SS VI 358). Bonizo teilt nun mit, Heinrich III. habe die ungarische Königslanze durch päpstliche Gesandte, die ihn aufgesucht hatten (vgl. n. 246, n. †303, n. †304), nach Rom geschickt: Ungarici regis lancea, quae per eosdem nuncios Rome delata est et usque hodie ob signum victorie ante confessionem b. Petri apostoli apparet. Von der Rome in apostolorum templo ausgestellten insigne tropheum aureata ... lancea Ungarorum regis violenter extorta weiß auch Arnulf von Mailand, was vermutlich auf die selben Zusammenhänge zurückzuführen ist. Gregor VII. schließlich nennt als Übersender der Lanze König Henricus; allerdings behauptet der Papst, nicht nur die Lanze, sondern auch die Krone sei als Zeichen der Kommendation Ungarns an den Hl. Stuhl geschickt worden. Dieser Bericht mag als Bestätigung für die Übersendung einer Lanze nach Rom durch Heinrich III. gelten, die weiteren Aussagen sind sicherlich überzogen; die Überlassung einer Krone ist – mangels anderer Quellen – ebenso unwahrscheinlich wie die Übertragung des Landes an den Papst. Steindorff hielt die ganze Erzählung Bonizos für frei erfunden, doch sprechen die Hinweise der anderen Quellen dafür, dass der Bericht zutrifft. Der Papst, welcher die Lanze erhielt, ist freilich in keiner Quelle genannt; da aber die Insignie noch im Mai 1045 beim Belehnungsakt eine Rolle spielte, kann sie erst danach nach Rom gekommen sein. Andererseits ist auch eine gewisse zeitliche Nähe zur Schlacht von Menfö anzunehmen und ebenso muss der Schützling Heinrichs III., König Peter, zum Zeitpunkt der Übergabe noch König gewesen sein. Bereits 1046 wurde Peter von Andreas wieder vertrieben; als empfangender Papst wäre demnach Gregor VI. anzunehmen. Von Heinrich III. wurde die Übersendung der Lanze vermutlich als Antwort auf die Zusendung des Vexillum s. Petri (vgl. n. 246) verstanden, unter dem er den Sieg von Menfö errungen hatte. Überbringer des Siegeszeichens nach Rom waren, laut Bonizo, die römischen Gesandten, welche zuvor die Petersfahne nach Deutschland gebracht hatten (per eosdem nuncios) (vgl. n. 246; siehe auch n. 179, n. 321).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. 298, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1045-06-00_1_0_3_5_1_298_298
(Abgerufen am 28.03.2017).