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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

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Papst Gregor (VI.) entschädigt die beiden rivalisierenden Päpste (Benedikt IX. und Silvester III.).

Überlieferung/Literatur

Erw.: De ordinando (Dümmler, MG Ldl I 10; Anton 78; Frauenknecht 82f.); Anon. Zwettlensis, Hist. Rom. pont. (Migne, PL 213, 1030f.).  Reg.: – . Lit.: Steindorff, Heinrich I 484f., 486f.; Hauck, Kirchengeschichte III 570f.; Mathis, Benedetto 287f., 566f.; Borino,Elezione 220ff.; Bossi, Crescenzi 160; Messina, Benedetto 106; Feytmans, Grégoire VI simoniaque? 130ff., 134ff.; Kölmel, Rom 70f.; Fliche, Réforme I 107; Tellenbach, Libertas 212ff.; Morghen, L'origine del programma 19f.; Haller, Papsttum II 279; Violante, Pataria 64f.; Zimmermann, Papstabsetzungen 122ff.; Partner, Lands of St. Peter 107; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 155f.; Schmale, Sutri 70f.; Ghirardini, Benedetto 43; Wolter, Synoden 373f.;Mc Loughlin, Bridegroom 212f.; Cowdrey,Gregory 22; Engelbert, Heinrich III. und Sutri 237f.; Schieffer, Sutrilied 90; Piazzoni, Riforma, Eigenkirche 1182f.

Kommentar

Der Anonymus von Zwettl gibt in seinem Eintrag zu Gregor (VI.) bzw. Gratianus unterschiedliche Versionen wieder, wie dieser zu seinem Papstamt gelangt sei, ohne diese gegen einander abzugrenzen. So erklärt er einerseits, Benedikt (IX.) habe ihn als seinen Nachfolger erhoben (vgl. n. 273, n. 276), behauptet aber andererseits auch, die Römer hätten ihn gegen seinen Willen gewählt (n. 274), weil er die beiden rivalisierenden Päpste (Benedikt IX. und Silvester III.) datis bonis suis, utrumque ab ambitione sedis amovit. Die Passage aus De ordinando ist schwer zu interpretieren, der Amtsverkauf jedoch auch hier angedeutet. Finanzielle Leistungen des Johannes Gratianus waren bei seinem Amtsantritt zweifellos im Spiel (n. 273, n. †279), ob er allerdings auch Entschädigungen an Silvester III. gezahlt hat, kann letztendlich nicht entschieden werden und ist eher so zu verstehen, dass er sich die Anerkennung durch die Stephanier mit der Duldung des abgesetzten Silvester III. auf dem Bischofsstuhl der Sabina "erkaufte"; die Entschädigung Silvesters hätte dann in seiner Duldung auf dem Bischofsstuhl der Sabina bestanden. Von ähnlichen Geldzahlungen Gregors VI. vor anderem Hintergrund berichten die Ann. Admuntenses (MG SS IX 574); Otto von Freising, Chr. (Hofmeister, MG SS rer. Germ. 45/1912, 299); Gottfried von Viterbo, Pantheon (MG SS XXII 247); Chr. breve fratris ordinis Teutonicorum (MG SS XXIV 151); Alberich von Troisfontaines, Chr. (MG SS XXIII 787); Chr. Garstense (Rauch, SS rer. Austr. I 11); Chr. universalis Mettensis 1024 (MG SS XXIV 512); Jacobus de Voragine, Chr. (MG SS XXIV 170); Sifridus de Balnhusin, Compendium (Pistorius/Struve, SS rer. Germ. I 1037); Ricobald von Ferrara, Compendium Rom. Hist. (Hankey,FSI 108/1984, 713); Ricobald von Ferrara, Hist. Imp. (Muratori, SS rer. Ital. IX 121); Johann von Viktring, Liber Hist. (Schneider, MG SS rer. Germ. 36/1, 1909, 55) und Thomas Ebendorfer, Chr. pont. Rom. (Zimmermann, MG SS NS 16/1994, 323). Otto von Freising erzählt aufgrund von mündlichen Mitteilungen während eines Aufenthaltes in Rom (wohl 1155), Gratian habe das Schisma dreier Päpste (vgl. n. 262, n. 274, n. †282) mit Schmerz gesehen (miserrimum ecclesiae statum ... videns zeloque pietatis ... compatiendo) und diese unter Einsatz von Geld überredet, ihr Amt aufzugeben (a sede s. cedere pecunia persuasit). Der Chronist vermag jedoch nur einen dieser drei angeblichen Päpste namentlich zu nennen, nämlich Benedikt (IX.) (vgl. n. 269), dem er den Lateran zuordnet, während die beiden anderen in S. Maria Maggiore und dem Vatikan ihren Sitz gehabt hätten (n. 262). Alberich von Troisfontaines fügt dem den genauen Titel des Johannes Gratianus (archipresbyter) sowie dessen Titelkirche bei. Die Tatsache, dass diese Darstellungen nicht dem wirklichen Ablauf der Dinge entsprechen können, geht schon daraus hervor, dass Johannes Gratian als Gregor VI. selbst der dritte der Schismapäpste war (n. 273) und es vor seinem Eingreifen daher nur zwei rivalisierende Nachfolger Petri gab. Ebenfalls unzutreffend berichtet die Chr. pont. et imp. Tiburtina (MG SS XXXI 259), der Archipresbyter Johannes (Gratianus) von S. Giovanni a Porta Latina sei der Nachfolger Silvesters III. nach dessen Absetzung geworden. Diese Quelle verkürzt offensichtlich den tatsächlichen Ablauf, indem sie den zweiten Pontifikat Benedikts IX. unterschlägt (vgl. n. 268, n. 269, n. 270, n. 271, n. 273). Die zeitliche Einordnung erfolgt aufgrund des Amtsantritts Gregors VI. (n. 271, n. 273).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. 275, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1045-05-01_6_0_3_5_1_275_275
(Abgerufen am 17.01.2017).