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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

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Papst Gregor VI. lässt für die Erfüllung seiner kirchlichen Aufgaben einen Papst als seinen Vertreter wählen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Vinzenz von Beauvais, Speculum historiale XXV 23 (Douai 1624, 1010.); Flores Historiarum 1033 (Luard, SS rer. Brit. 95/1, 555); Martin von Troppau, Chr. (MG SS XXII 433); Flores temp. - pont. (MG SS XXIV 245); Ricobald von Ferrara, Hist. pont. Rom. 1032 (Muratori, SS rer. Ital. IX 174); Tholemäus von Lucca, Hist. eccl. XVIII 19, 24 (Muratori, SS rer. Ital. XI 1056, 1058); Paulinus Minorita, Speculum (Muratori, Antiquitates IV 961); Anon. Leobiensis 1035 (Pez, SS rer. Austr. I 767); Johann von Viktring, Liber Hist. (Schneider, MG SS rer. Germ. 36/1, 1909, 68, 69, 113); Andrea Dandolo, Chr. (Pastorello, SS rer. Ital. XII/1, 1937, 210); Amalricus Augerius, Chr. pont. (Muratori, SS rer. Ital. III/2, 340, 342); Eulogium Historiarum (Haydon, SS rer. Brit. 9/1, 259); Martin von Fulda, Chr. 1046 (Eckhart, Corp. Hist. I 1681); Österreichische Chr. (MG DChr. VI 88); Chr. belgicum (Pistorius/Struve, SS rer. Germ. III 112, 119); Jakob Twinger von Königshofen, Chr. (Hegel, Chr. der deutschen Städte IX 554); Johannes Rothe, Düringische Chr. 250 (Liliencron 194); Hermann Corner, Chr. novella (Eckhart, Corp. Hist. II 568); Edmund Dynter, Chr. ducum Lotharingiae (De RamII 34); Thomas Ebendorfer, Chr. pont. Rom. (Zimmermann, MG SS NS 16/1994, 324); Johannes Długosz, Ann. seu Chr. Poloniae III zu 1040 (Dąbrowski II 28); Werner Rolevinck, Fasciculus temp. 1034 (Pistorius/Struve, SS rer. Germ. II 539).  Reg.: – .  Lit.: – .

Kommentar

Erst Quellen des 13. Jahrhunderts berichten nach einer irrtümlich angenommenen zweiten Vertreibung Benedikts IX. von der Amtsübernahme Gregors VI., der es wegen seiner fehlenden Bildung nötig gehabt habe, sich für die Ausübungen seines priesterlich/bischöflichen Amtes einen "Nebenpapst" bzw. Stellvertreter zur Seite stellen zu lassen: cum esset rudis litterarum alterum papam ad vices ecclesiastici officii exequendas secum consecrari fecit (Martin). In der Bestellung eines solchen Stellvertreters stimmen alle angeführten Quellenzeugnisse überein, doch geht aus Johann von Viktring und der Österreichischen Chr. nicht unbedingt hervor, dass Gregor VI. gemeint ist; ebenso könnten sich deren Passagen auf Silvester III. beziehen, was jedoch auf dem Fehler des Abtes von Viktring beruht, der Gregor VI. irrig mit dem Bischof Johannes von der Sabina (also Silvester III.) identifiziert (vgl. n. 266). Wie man sich die Amtsteilung später vorstellte, schildert anschaulich Jakob Twinger: rihtete Gregorius lant und lüte us in weltlichen sachen und der ander in geistlichen sachen. Tholemäus von Lucca (1058), der diese Fabel über Gregor VI. aus anderen Quellen übernommen hat, sieht deren Unvereinbarkeit mit der positiven Einschätzung dieses Papstes und versucht eine Ehrenrettung Gregors: excusari potest, quia non papam sed episcopum coadiutorem [fecerit], ut accidit de b. Petro circa Linum et Cletum, dass demnach der "Zeremonialpapst" kein weiterer Papst, sondern ein mit dem kanonischen Recht vereinbarer Koadjutor gewesen wäre (so auch Martin von Fulda). Namentlich identifiziert wird der angebliche "Nebenpapst" nur von Paulinus Minorita und Andrea Dandolo, welche ihn für Clemens II. halten. Diese Ausführungen der Quellen zu dem "Nebenpapst" Gregors VI. sind ebenso abwegig wie dieselbe zu Benedikt IX. überlieferte Geschichte (n. †265, n. 274). Hinsichtlich Gregors VI. stehen sie in Zusammenhang mit der von Wilhelm von Malmesbury überlieferten Fabel von Gregor VI. als kriegerischem Papst (vgl. n. †283, n. †295, n. †299, n. †300, n. †301, n. †302, n. †328). Die Darstellungen erklären sich aus der Tatsache, dass bei den Synoden in Sutri und Rom 1046 drei Päpste, nämlich Benedikt IX., Silvester III. und Gregor VI., abgesetzt wurden, wovon die beiden ersten aber ihr Amt bereits zuvor aufgegeben hatten (vgl. n. 324, n. 327). Da in den Papstkatalogen diese Nachrichten und die Namen der Päpste vorlagen, versuchten die gen. Überlieferungen einen Ausgleich zwischen verschiedenen Traditionen zu schaffen und fügten den "Nebenpapst" Gregors VI. und den Nachfolger beider (n. †281, n. †282) als zusätzliche (und überzählige) Nachfolger Petri ein (vgl. n. 262).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. †280, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1045-05-00_3_0_3_5_1_280_D280
(Abgerufen am 22.01.2017).