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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

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Papst Benedikt IX. wird von den Römern aus der Stadt vertrieben.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Ann. Rom. (Duchesne II 331); Rodulf Glaber, Hist. IV 17; 24, 25; V 26 (Prou 105f., 112, 135; France 196f., 210; Arnoux 252, 266, 310); Hermann von Reichenau, Chr. 1044 (MG SS V 125); Liber Pont. CXLVIIII (Duchesne II 270); Desiderius von Montecassino, Dialogi (MG SS XXX 1141f.); Vita Leonis IX papae I 1 (Poncelet275f.); Bernold von Konstanz, Chr. (MG SS V 399); Ann. Augustani 1044 (MG SS III 126); Gregor von Catino, Chr. Farfense (Balzani, FSI 34/1903, 244); Catal. s. Rom. pont. (Oefele, SS rer. Boicarum I 651); Leo Marsicanus, Chr. Casinensis II 77 (MG SS XXXIV 320); Ann. S. Blasii 1043 (MG SS XVII 276); Catal. pont. Rom. et imp. et regum Francorum (MG SS XXIV 87); Romuald von Salerno, Chr. (Garufi,SS rer. Ital. VII/1, 1935, 178); Anon. Zwettlensis, Hist. Rom. pont. (Migne, PL 213, 1030); Chr. regia Coloniensis 1032 (Waitz, MG SS rer. Germ. 18/1880, 35); Chr. pont. et imp. Tiburtina (MG SS XXXI 259); Chr. pont. et imp. Basileense 1033 (MG SS XXXI 289); Sicard von Cremona, Chr. (MG SS XXXI 159); Flores Historiarum 1033 (Luard, SS rer. Brit. 95/1, 555); Gilbert von Rom, Chr. pont. et imp. Rom. (MG SS XXIV 132); Ann. s. Trudperti 1041 (MG SS XVII 289); Albert Milioli, Liber de temp. (MG SS XXXI 424); Sächs. Weltchr. (MG DChr. II 272); Chr. universalis Mettensis 1033 (MG SS XXIV 511); Martin von Troppau, Chr. (MG SS XXII 433); Flores temp. - pont. (MG SS XXIV 245); Sozomenus von Pistoia, Hist. 1044 (Tartini, SS rer. Ital. I 11); Ricobald von Ferrara, Compilatio chr. (Muratori, SS rer. Ital. IX 241; Hankey 155); Ricobald von Ferrara, Hist. pont. Rom. 1032 (Muratori SS. rer. Ital. IX 174); Chr. pont. et imp. s. Bartholomaei in Insula Romani (MG SS XXXI 215); Catal. paparum secundus Argentoratensis (Pitra, Analecta Spicilegii Solesmensis I 330); Tholemäus von Lucca, Hist. eccl. XVIII 19, 20, 22, 28 (Muratori, SS rer. Ital. XI 1055, 1056, 1057, 1060); Anon. Leobiensis 1035 (Pez, SS rer. Austr. I 766); Chr. Schutterani monasterii II 22 (Mone 88); Johann von Viktring, Liber Hist. (Schneider, MG SS rer. Germ. 36/1, 1909, 69, 113); Paulinus Minorita, Speculum (Muratori, Antiquitates IV 961); Andrea Dandolo, Chr. (Pastorello, SS rer. Ital. XII/1, 1937, 210); Ranulf Higden, Polychr. (Lumby, SS rer. Brit. 41/7, 130); Amalricus Augerius, Chr. pont. (Muratori,SS rer. Ital. III/2, 340, 342); Eulogium Historiarum (Haydon, SS rer. Brit. 9/1, 259, 260); Konrad von Megenberg, Ökonomik (MG Staatsschriften III/2, 88); Liber Pont. (Přerovský, StudGrat 22/1978, 671; 23/1978, 472f.); Martin von Fulda, Chr. 1033 (Eckhart, Corp. Hist. I 1680); Henry Knighton, Chr. IV (Lumby, SS rer. Brit. 82/1, 18); Chr. belgicum (Pistorius/ Struve, SS rer. Germ. III 112); Jean des Preis (dit Outremeuse), Myreur II (Brognet IV 242, 249); Jakob Twinger von Königshofen, Chr. (Hegel, Chr. der deutschen Städte IX 554f.); Thomas Ebendorfer, Chr. pont. Rom. (Zimmermann, MG SS NS 16/1994, 323); Johannes Rothe, Düringische Chr. 250 (Liliencron 194); Hermann Corner, Chr. novella (Eckhart, Corp. Hist. II 574); Edmund Dynter, Chr. ducum Lotharingiae (De Ram II 34); Johannes Długosz, Ann. seu Chr. Poloniae III zu 1040, zu 1046 (Dąbrowski II 28, 56); Werner Rolevinck, Fasciculus temp. 1034 (Pistorius/Struve, SS rer. Germ. II 539); Platina, Liber de vita Christi (Gaida, SS rer. Ital. III/1, 1932, 181); Johannes Staindel, Chr. generale 1045 (Oefele, SS rer. Boicarum I 474); Lorenz Fries, Historie der Bischoffen zu Wirtzburg (Wagner/Ziegler I 233); Jean Lemaire, Traicté des schismes (Stecher III 326).  Reg.: J p. 361; JL I p. 521.  Lit.: Steindorff, Heinrich I 257f.; Hauck, Kirchengeschichte III 569; Kromayer, Vorgänge 162; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2, 981f.; Borino, Riforma della Chiesa 469; Buzzi, Ricerche 187; Mathis, Benedetto 563ff.; Borino, Elezione 152, 154ff., 174ff., 180f., 188ff., 198ff.; Bossi,Crescenzi 159f.; Poole, Chronology 150; Poole, Benedict 189, 202f.; Messina,Benedetto 77ff., 87ff., 90ff.; Mann, Popes V 248f.; Vehse, Sabina 148; Kölmel, Rom 70, 159f.; Fliche, Réforme I 106; Schieffer, Heinrich und Konrad 425f., 432f.; Morghen, L'origine del programma 11ff.; Haller, Papsttum II 278f.; Giovanelli, Bartolomeo Juniore 179f.; Halkin, Abdication de Benoît 230; Zimmermann,Papstabsetzungen 119f.; Partner, Lands of St. Peter 107; Herrmann,Tuskulanerpapsttum 20f., 151ff.; Whitton, Papal Policy 160f.; Ghirardini, Benedetto 23ff., 29ff.; Wolter, Synoden 373; McLoughlin,Bridegroom 212; Cowdrey, Gregory 22; Sartori, S. Giovanni a Porta Latina 304; Engelbert, Heinrich III. und Sutri 234; Capitani, Benedetto IX (Enciclopedia dei papi 139, 144f.); Blumenthal, Gregor 59; Schieffer, Sutrilied 87; Piazzoni, Riforma, Eigenkirche 1182f.

Kommentar

Der Liber Pont. berichtet kurz wie die meisten anderen Quellen: Benedictus (IX.) ... eiectus est de pontificatu. Weitere Nachrichten bieten die Ann. Rom., welche die Absetzung des Papstes auf einen Aufstand der Römer zurückführen. Von der Vertreibung des Papstes durch die Menge des congregati in unum populi erzählt auch Desiderius, wohingegen die Vita Leonis IX nicht von einem einheitlichen Aufstand der Römer gegen den Papst spricht, sondern im Gegenteil von bürgerkriegsartigen Auseinandersetzung innerhalb der Stadtbevölkerung weiß. Dementsprechend teilt auch Rodulf Glaber mit, Benedikt IX. sei einer stadtrömischen Adelsclique zum Opfer gefallen, die sich im Petersdom verschworen habe: Eadem die, natale ... apostolorum, in ecclesia b. Petri quidam de principibus Romanorum conspirantes insurrexerunt in papam. Es ist anzunehmen, dass die Verschwörer nach dem Tod von Benedikts IX. Vater Alberich III. (der im Jahr 1044 angenommen wird) die Chance nutzen wollten, aus dem entstandenen Machtvakuum heraus die Situation in Rom grundlegend zu verändern. Ein gelegentlich behaupteter Konsens der Aufständischen mit dem Kaiserhof (Rodulf Glaber 135: ex praecepto imperatoris eiectus) ist sicherlich für den Zeitpunkt des Geschehens abzulehnen und wohl erst aufgrund der Ereignisse 1046 im Nachhinein zu erklären (v. a. n. 324, n. 327). –  Nur diese Quelle nennt als Datum der Verschwörung den 29. Juni (natale apostolorum) und ordnet den Vorfall auch chronologisch zu früh im Pontifikat Benedikts IX. ein (1033) (vgl. auch n. †175); diese Ausführungen von Rodulf Glaber führten im Zusammenspiel mit der anderen Aussage der Quelle, Benedikt IX. sei mehrfach vertrieben worden, dazu, dass in der Literatur gelegentlich eine frühere Vertreibung des Papstes angenommen und den Jahren 1033 oder 1035/36 zugeordnet wird. Weil alle anderen Quellen dahingehend gedeutet werden, dass der Aufstand und die Vertreibung des Papstes erst im Herbst des Jahres 1044 stattfanden, führte die Stelle bei Rodulf Glaber zur Annahme einer anderen, früheren Vertreibung Benedikts IX. aus Rom. Es ist jedoch auch die Möglichkeit einzuräumen, dass dieser Autor nur die beiden kosmischen Ereignisse der Sonnenfinsternisse von 1033 und 1044 verwechselt hat. Vielleicht fiel der Beginn der antipäpstlichen Verschwörung tatsächlich bereits auf den frühen Sommer 1044. Die Ann. Rom. geben zur Datierung des Aufruhrs einmal das Inkarnationsjahr 1046, dann auch die 13. Indiktion und das 12. Pontifikatsjahr an; die Jahresangabe weicht dabei von beiden anderen Datierungen ab, die beide auf das Jahr 1044 verweisen. Insbesondere aber spricht für diesen Zeitraum die im Anschluss daran erwähnte Sonnenfinsternis, welche am 22. November 1044 stattfand. Somit ist die Jahresangabe dieser Quelle in 1044 zu korrigieren. Die Ann. Rom. erzählen von diesem kosmischen Ereignis in festivitate s. Cecilie im Anschluss an die Vertreibung Benedikts, welche demnach vor dem 22. November anzusetzen ist. Aus den weiteren zeitlichen Angaben in den Ann. Rom., der 13. Indiktion (nach September 1) und des 12. Amtsjahres, das am 21. Oktober 1044 (bei Annahme des Amtsantrittes aus n. 154) endet, ergibt sich als möglicher Zeitpunkt für den Aufstand die Spanne vom 1. September bis 21. Oktober. Weitere Hinweise zur chronologischen Einreihung könnten Tholemäus von Lucca, Hist. Eccl. (Muratori, SS rer. Ital. XI 1056) und Jean des Preis bieten, doch ist der Hinweis des ersteren, die Vertreibung Benedikts IX. sei post X annos et menses et dies nach dessen Amtsübernahme geschehen, wertlos, weil er von den anderen, z. T. zuverlässigeren Katalogen abweicht (Liber Pont.: 12 Jahre, 4 Monate, 20 Tage; Cavensis 14 Jahre, 4 Monate; Farfa [Giorgi/Balzani, Reg. II 9]: 12 Jahre, 4 Monate, 20 Tage; Ann. Rom.: im 12. Jahr). Eine exakte Tagesangabe für die Vertreibung Benedikts aus Rom bietet nur die allerdings sehr späte Quelle Jean des Preis, der das genaue Datum mit dem XVIII. jours en novembre angibt, was nicht allzu hoch zu bewerten wäre, würde der Zeitpunkt nicht auffallend mit der von den Ann. Rom. genannten Zeit vor der Sonnenfinsternis vom 22. November übereinstimmen; zudem verlegt Jean des Preis den Vorgang in das Jahr 1058. –  Einige der Quellen (Rodulf Glaber, Vita Leonis) behaupten, das Ziel der Verschwörer sei eigentlich die Ermordung des Papstes gewesen, doch sei diesem die Flucht gelungen (n. 264). Übereinstimmend sehen alle Quellen in einer unzureichenden Amtsführung und unmoralischen Lebensgestaltung Benedikts IX. die Ursachen für seine Vertreibung (vgl. n. 154, n. 249, n. 270, vgl. aber n. †265). Desiderius von Montecassino zufolge wurden Benedikt IX. rapinas, caedes aliaque nefanda vorgeworfen, laut Bernold verschiedene scelera. Allerdings werden diese Verfehlungen – abgesehen vom Wunsch zu heiraten (n. 249), evtl. simonistischen Vergehen (n. 154, n. 273) und dem besonders von Rodulf Glaber dem Papst zum Vorwurf gemachten jugendlichen Alter (n. 154) – nirgendwo explizit namhaft gemacht, so dass Herrmann vermutet, weniger moralische Kritik am Papst als die Möglichkeit, die Herrschaft der Tuskulaner in Rom abzuschütteln, sei bei der Vertreibung im Vordergrund gestanden. –  Wer bei der Vertreibung des Papstes und Stadtherrn aus Rom führend war, kommt in den Quellen nicht eindeutig zum Ausdruck. Den Ann. Rom. zufolge waren es die Römer (in unum omnes concertati), die den Papst verjagten, während die Bewohner von Trastevere sich auf seine Seite stellten. Nach der Darstellung Bonizos war der Graf Gerardus de Saxo im Bund mit der Familie der stephanischen Crescentier Urheber des Aufruhrs und Initiator der Neuwahl (n. 266) (Bonizo, Liber ad amicum V, MG Ldl I 584), doch widersprechen dem die Ann. Rom., die unter den Anhängern Benedikts IX. allein den mit diesem wohl identischen Grafen Gerardo Rainierii (vgl. Bossi, Crescenzi 161, Whitton, Papal Policy 160ff.) namentlich anführen. Jean de Preis behauptet, Benedikt IX. sei vertrieben worden mit Hilfe des argent que li evesque cardinals de Sabine donat, die Vertreibung sei also durch den späteren Silvester III. finanziert worden, was aber angesichts von n. 266, n. 268 sicher nicht korrekt ist, sondern vielmehr einem verbreiteten Erklärungsmuster für Schismen und simonistische Tatbestände entspricht. Zu einer falschen Einordnung der Vertreibung Benedikts IX. vgl. auch n. 153, zum Schisma n. 262.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. 263, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1044-09-01_1_0_3_5_1_263_263
(Abgerufen am 24.05.2017).