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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

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Papst Benedikt (IX.) verleiht dem (Erz-)Bischof Adalbert von Hamburg (-Bremen) (sanctissimo Adelberto s. Hammaburgensis ecclesie episcopo) (vgl. auch n. 244) Legation und Metropolitanwürde für die nordeuropäischen Reiche Dänemark, Schweden, Norwegen, Island und die Inseln (legationem ... et archiepiscopalem potestatem in omnia regna septentrionalia, regna Danorum ... Suenorum, Noruenorum, Hislandicorum et omnium insularum ... tibi et omnibus successoribus tuis ... concedimus) sowie das Pallium zum Gebrauch an genannten Tagen aufgrund des Privilegs Papst Gregors (IV.) und ermahnt zu einem der Würde angemessenen Lebenswandel. – Si pastores ovium solem geluque ...Dat. pm. Leonis canc. SRE in mense Martio, ind. III.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Chr. breve Bremense (MG SS VII 392); Adam von Bremen, Gesta III 1 (Schmeidler, MG SS rer. Germ. 2/1917³, 142; Pagani 290); vgl. n. 244.  Faks.: Curschmann, PUU des Erzbistums Hamburg, Anhang n. 21; Seegrün, Erzbistum Hamburg Tafel 14 nach Fotos.  Drucke: Lünig, Reichsarchiv XXI (Spicilegium ecclesiasticum III Continuatio) 946; Staphorst, Ecclesia Hamburgensis I/1, 393; Liljegren, Diplomatarium Suecanum I 34; Grönlands Historiske Mindesmaerker III 74 (fragm.); Diplomatarium Islandicum I 55; Migne, PL 141, 1368; Lappenberg, Hamburgisches UB I 71 (fragm.); Curschmann, PUU des Erzbistums Hamburg 45; Zimmermann, PUU II 1158 n. †617.  Reg.: Celse, Apparatus 20; Hempel, Inventarium dipl. I 50, 1045 n. 2; Regesta dipl. historiae Danicae I 23 n. 111; J CCCLXXXI; Rydberg, Sverges Traktater I 41 n. 21; Pflugk-Harttung, Bullen des Erzbistums Hamburg 202; Pflugk-Harttung, Originalurkunden 564 n. 829; Hasse, Schleswig-Holstein-Lauenburgische Regesten 40; Hacke, Palliumverleihungen 46 n. 82; Peitz, Urkundenfälschungen 184; May, Regesten der Bischöfe von Bremen n. 224; Santifaller, Elenco 347; Santifaller, Geschichte der Beschreibstoffe 90 n. 26; Santifaller, LD 120; Christensen/Nielsen, Diplomatarium Danicum I/1, 193 n. 484; Seegrün, Erzbistum Hamburg 11; GP VI 54 n. †74; JL †4119.  Lit.: Steindorff, Heinrich I 281; Pflugk-Harttung, Bullen des Erzbistums Hamburg 202ff.; Hacke, Palliumverleihungen 22, 29ff., 46; Curschmann, PUU des Erzbistums Hamburg 84ff.; Peitz, Urkundenfälschungen 179ff., 187ff., 204ff., 208ff.; Brackmann, Forschungen 69, 76ff.; Kehr, Vier Kapitel 603; Fuhrmann, Patriarchate III 136; Reincke, Hamburger Fälschungen 58; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 112; Martí Bonet, Roma y las iglesias 159f.; Seegrün, Erzbistum Hamburg 11, 45ff., 63ff., 73ff., 89, 106; Reinecke, Archiepiscopatus Hammaburgensis 30; Theuerkauf, Urkundenfälschungen des Erzbistums Hamburg-Bremen 108 und passim.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Zimmermann, PUU und GP. Das 1943 im HStArch. Hannover (samt einer Kopie von 1303) verbrannte angebliche Original ist durch zwei Fotos in Marburg, Lichtbildarchiv und Kopenhagen, Danske Sprog- og Litteraturselskabsarchiv erhalten, die für den Fälschungsnachweis herangezogen werden können. Die Schrift des angebl. Originals stammte aus der Mitte des 12. Jahrhunderts und war von der selben Hand geschrieben wie die ebenfalls gefälschten Urkunden der Päpste Marinus II. (JL †3630; Böhmer/Zimmermann,Papstregesten n. †175, Zimmermann, PUU I 178 n. †101) und Benedikt VIII. (JL †4038; Böhmer/Zimmermann,Papstregesten n. †1240; Zimmermann, PUU II 1016 n. †534). Fälschungsgrund waren die Legationsrechte. Als Fälschung erweist die Urkunde sich auch durch den ungewöhnlichen Papsttitel episcopus et servus servorum, die ungewöhnliche Anrede sanctissimo Adelberto und den in dieser Zeit nie genannten und hier in einer Lücke nachgetragenen Kanzler und Datar Leo. –  Die im Privileg genannte Vorurkunde ist jene Papst Gregors IV. (JE 2574; GP VI 25 n. 11; Curschmann, PUU des Erzbistums Hamburg 13). Das Dokument stellt eine weitgehend wörtliche Wiederholung der Vorurkunde Benedikts VIII. (JL †4038; Böhmer/Zimmermann,Papstregesten n. †1240; Zimmermann, PUU II 1016 n. †534) und Stephans V. (JL †3406; GP VI 36 n. †28; Curschmann, PUU des Erzbistums Hamburg 29) dar. Allerdings geschah diese Übernahme der Vorurkunde Stephans V. vermutlich über das Bindeglied des verlorenen echten Privilegs Benedikts VIII. (GP VI 53 n. *69), da der Schlusssatz aus der Bestätigung Stephans V. auch in die echte Urkunde Clemens' II. von 1047 April 24 (JL 4146; Migne, PL 142, 583) Eingang gefunden hat. –  Das Datum ergibt sich aus den Sedenzdaten Papst Benedikts IX. (bis 1045) und Erzbischof Adalberts (seit Mai 1043); in Frage kommen aufgrund der Angabe Martio die Jahre 1044 und 1045, wobei das näher am Amtsantritt des Erzbischofs liegende Datum das wahrscheinlichere ist. Die Angabe der III. Indiktion fällt in keines der beiden Jahre. Eine Palliumsverleihung an Adalbert ist auch anderweitig überliefert (vgl. n. 244), doch ist diese Urkunde davon vermutlich nicht beeinflusst. –  Die angeführten Pallientage sind Ostern, die Apostelfeste, S. Johannes (Baptista), Mariae Himmelfahrt, Weihnachten, Kirchweih und der Geburtstag des Erzbischofs (die ... resurrectionis D. nostri Jesu Christi ... nataliciis ss. apostolorum atque b. Baptiste Johannis ... assumptione s. Dei genitricis Marie ... D. nostri Jesu Christi nativitatis die ... in sollempnitatis ecclesie tue die et in natalicii tui die). Die nach den Forschungen Seegrüns in der Regierungszeit Erzbischof Hartwigs I. nach der Mitte des 12. Jahrhunderts entstandene Fälschung sollte eine Grundlage für die Verlegung des Bischofssitzes aus Bremen, das im Machtbereich Heinrichs d. Löwen lag, nach Hamburg bilden sowie dessen Vorrang und die Einheit des nordischen Legatenamtes und der erzbischöflichen Stellung garantieren. Gemeinsam mit der Fälschung auf Benedikt VIII. (JL †4038; Böhmer/Zimmermann,Papstregesten n. †1240; Zimmermann, PUU II 1016 n. †534) soll diese Urkunde ein verlorenes Dokument Benedikts VIII. (GP VI 53 n. *69) ersetzen. Ob Papst Benedikt IX. dem Bischof Sigebert von Minden (1022-1036) ein Rationale verliehen hat, mit welchem dieser auf mehreren Bildern geschmückt ist (Kunst und Kultur im Weserraum 800-1600, Münster 1966, I 96 und II Abb. 175), kann nicht entschieden werden (vgl. Ortmanns, Minden 42, 134 n. *18; GP IX 155 n. *23).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. †252, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1044-03-00_1_0_3_5_1_252_D252
(Abgerufen am 29.05.2017).