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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

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Papst Benedikt IX. dispensiert unter genannten Bedingungen den Cluniazensermönch und Kronprinzen Kasimir von den Mönchsgelübden, um ihm die königliche Nachfolge in Polen zu ermöglichen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Ann. vetusti Cracovienses dicti S. Crucis 1025 (Bielowski, MPH III 64f.; MG SS XIX 679); Catal. ep. Cracoviensium (Szymański, MPH NS X/2, 84); Ann. principum Poloniae (als: Rodowód Xiążąt Polskich, ed. Bielowski, MPH III 281); Numerus regum Polonorum (als: Poczet królów Polskich, ed. Bielowski, MPH III 292); Vinzenz von Kielce, Vita minor Stanislai ep. Cracoviensis 24 (Kętrzyński, MPH IV 271f.); Vinzenz von Kielce, Vita maior Stanislai ep. Cracoviensis II 11ff. (Kętrzyński, MPH IV 381f.); Chr. Poloniae maioris 12 (Kürbis, MPH NS VIII 18f.); Chr. principum Poloniae (als Kronika książąt polskich, ed. Węclewski, MPH III 446); Ann. Masowienses (als: Rocznik Mazowiecki, ed. Bielowski, MPH III 203); Johannes Długosz, Liber beneficiorum dioecesis Cracoviensis III (Johannes Długosz, Opera omnia IX 181); Johannes Długosz, Catal. ep. Wratislaviensium (Johannes Długosz, Opera omnia I, Polkowski/Pauli 448); Johannes Długosz, Ann. seu Chr. Poloniae III zu 1040 (Turkowska II 21ff.); Johannes Staindel, Chr. generale 1046 (Oefele, SS rer. Boic. I 474); Acta notatu digna (als: Zdarzenia godne pamięci, ed. Lorkiewicz, MPH III 302).  Reg.: Sułkowska-Kuraś/Kuraś, Bull. Poloniae 4 n. 4 (zu 1034 ?); vgl. Lübke, Regesten der Slaven IV n. 638a.  Lit.: Roepell, Geschichte Polens I 176ff.; Steindorff, Heinrich I 113f.; Messina, Benedetto 73; Mann, Popes V 242f.; David, Casimir le Moine 16ff., 20ff., 23; Côte, St-Odilon 102f.; Kętrzyński, Polska 366ff.; Rhode, Kleine Geschichte Polens 22; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 43; Korta, Kraków 335; Maschke, Peterspfennig 24ff.; Lewald, Ezzonen 144; Schreiner, Benediktiner in Brauweiler 40.

Kommentar

Ausgangspunkt für die Berichte der späten Quellen ist der polnische Aufstand 1037/38, der – zusammen mit einer böhmischen Invasion (vgl. n. 215, n. 216, n. 217, n. 218, n. 219, n. 220) – in der Zerschlagung der kirchlichen Struktur und der Vertreibung der Fürstenfamilie (der Königin Richenza und deren Sohn, Herzog Kasimirs) gipfelte. In dem daraufhin entstandenen Chaos beschlossen die Großen des Landes, den vertriebenen Herrscher wieder zurückzuholen. Ihre Gesandtschaft fand den Gesuchten – so die Quellen – jedoch nicht am deutschen Königshof, sondern in Cluny, wo er bereits die monastischen Gelübde abgelegt hatte. Der dortige Abt (Odilo) schickte die Gesandten zum Papst, welcher allein den Thronfolger von seinem Gelübde dispensieren könne (vgl. n. †233). Entsprechend den Ausführungen soll schließlich Papst Benedikt IX. entschieden haben, dass das Wohlergehen des Christentums in Polen und des Landes selbst vor den Mönchsgelübden Kasimirs Vorrang habe, diesen zur Wiederaufnahme seines Regierungsamtes nach Polen zurückgeschickt und ihm die Ehe erlaubt haben. –  Die meisten Quellen stimmen darin überein, dass die Rückkehr des Herrschers um 1041 stattgefunden habe; den breitesten und eigenständig ausgemalten Bericht darüber bietet Johannes Długosz in seinen Ann., der sogar die angeblich von den polnischen Gesandten in Cluny und Rom gehaltenen Reden sowie die darauf antwortenden Ansprachen Abt Odilos und Papst Benedikts IX. ausformuliert. Allerdings verband der Papst seinen Dispens mit bestimmten Auflagen, die einerseits in dem jährlich von jedem Polen zur Finanzierung der Peterskirche nach Rom zu zahlenden Peterspfennig (ut pro alendo lumine ecclesie b. Petri Rome censum solverent, quod vocatur Swatopetre, id est sanctum beati Petri: Vinzenz von Kielce, Vita maior Stanislai) (auch: Chr. Poloniae maioris, Vita minor Stanislai, Chr. principum Poloniae, Catal. ep. Cracoviensium, Numerus regum Polonorum, Johannes Długosz, Ann., Acta notatu), andererseits in der Verpflichtung aller Polen zum Tragen der Tonsur (Vinzenz von Kielce, Vita minor Stanislai; Vinzenz von Kielce, Vita maior Stanislai; Catal. ep. Cracoviensium, Numerus regum Polonorum, Johannes Długosz, Ann.) und in bestimmten Kleidervorschriften (Catal. ep. Cracoviensium, Johannes Długosz, Ann.) sowie besonderen Fastenverpflichtungen (a dominica septuagesime usque [in] pascha ab esu carnium abstinentes: Chr. principum Poloniae) bestanden haben sollen. Einige der Quellen deuten eher eine – von den Acta notatu wörtlich betonte – eigene Verpflichtung der polnischen Fürsten und insbesondere Herzog Kasimirs des Erneuerers zu diesen Gegenleistungen an. Von den angeführten Quellen sind sich die Chr. principum Poloniae und Johannes Długosz, Ann. in ihrer Zuordnung der Vorgänge zu Benedikt IX. nicht völlig sicher und weisen darauf hin, dass andere Autoren (Chr. polonosilesiacum [Ćwikliński, MPH III 620]; Chr. Petri comitis Poloniae [als: Kronika o Piotrze Właście ed. Semkowicz, MPH III 764]), bzw. Johannes Długosz selbst an anderer Stelle (Ann. III zu 1040 [Turkowska II 21ff.]); auch Clemens II. als den dispensierenden Papst bezeichnen. –  In der Literatur wird die erst in späten Quellen (13. Jh.) auftauchende Erzählung überwiegend als Erfindung behandelt, die – wenn überhaupt – höchstens darin einen historischen Kern hat, dass der Herzogssohn Kasimir evtl. in einem Kloster seine Ausbildung erhalten habe. Die Erzählung diente als Erklärung für bestimmte polnische Landeseigenheiten sowie als Legitimierung für den polnischen Peterspfennig (vgl. auch noch: I. A. Caligarii Nuntii apostolici in Polonia epistolae et acta 1578-1581, ed. Ludovicus Boratynski, Monumenta Poloniae Vaticana IV, Krakau 1915, 414). Allein Korta geht anscheinend von der Zuverlässigkeit des Berichtes aus, allerdings nur, um dadurch ein Argument für seinen Beweis der Echtheit der falschen Urkunde Benedikts IX. für Polen (n. †307) zu gewinnen; vgl. auch n. †261.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. †234, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1041-00-00_3_0_3_5_1_234_D234
(Abgerufen am 19.10.2017).