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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

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Papst Benedikt IX. wird von Gesandten des Erzbischofs Stephan (I.) von Gnesen über die Plünderung der polnischen Kirchen und insbesondere den Diebstahl der Adalbertsreliquien in Gnesen durch ein böhmisches Heer unterrichtet.

Überlieferung/Literatur

 Erw.: Cosmas, Chr. Bohemorum II 6 (Bretholz, MG SS NS II 91); Přibico Pulkawa, Chr. Boemorum 1039 (Groll, FRB V 42); Johannes Długosz, Ann. seu Chr. Poloniae III zu 1039 (Turkowska II 17).  Reg.: –; vgl. Lübke, Regesten der Slaven IV n. 638.  Lit.: Roepell, Geschichte Polens I 176ff.; Steindorff, Heinrich I 62ff., 68, 256; Borino, Elezione 162f.; Messina, Benedetto 72f.; Kuttner, Réserve papale 188f.; Violante, Politica italiana di Enrico 173; Kętrzyński,Polska 447ff.; Třeštík, Wenzelslegenden 78; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 42f.; Ghirardini, Benedetto 19f.; Boshof, Reich und Ungarn 46; Fried, Otto III. 99f.; Swinarski, Herrschen 182ff.; Hoensch, Geschichte Böhmens 53; Boshof, Mainz, Böhmen und das Reich 27f.; vgl. auch: Rhode, Kleine Geschichte Polens 22.

Verbesserungen und Zusätze (2011):

Reg.: GP V/3 n. *16.

 

Kommentar

Cosmas von Prag schildert die Vorgänge des böhmischen Überfalls auf Gnesen und den Reliquienraub aus böhmischer Sicht und versteht daher die Überführung der Reliquien nach Prag als Translation. Er überliefert nicht, wer den apostolischen Stuhl über die Vorgänge informiert hat, sondern redet nur von einem inprobus delator, der nach der feierlichen Translation der geraubten Reliquien nach Prag (1039 August 22) Maßnahmen gegen die Böhmen verlangt habe; entsprechend auch Přibico Pulkawa. Der viel später schreibende Johannes Długosz teilt dagegen mit, der Gnesener Erzbischof Stephan (I.) habe nach Beratung mit den anderen polnischen Bischöfen Gesandte an den Papst geschickt, die diesen über die Gräueltaten der böhmischen Eroberer, insbesondere den Raub der Adalberts-Reliquien aus Gnesen informieren sollten. Nach Schilderung der Quelle empfing Benedikt IX. die Gesandten und hörte ihre Beschwerde, welche sich vor allem gegen die Kirchenfrevel des Herzogs Bretislaw von Böhmen und des Bischofs Severus von Prag richteten. Herrmann u. a. interpretieren den von Cosmas angeführten inprobus delator dagegen als Gesandten des Mainzer Erzbischofs Bardo bzw. Heinrichs III., doch lässt die polnische Quelle eine durchaus plausible Identifizierung zu. Die böhmischen Quellen stimmen mit derjenigen des polnischen Chronisten (der vermutlich Cosmas benutzt hat) in der Sache überein; zum Fortgang vgl. n. 216, n. 217, evtl. auch n. 218, n. 219, n. 220, n. †306, n. †307. Zum Hintergrund der polnisch - böhmischen Spannungen vgl. Fried, Otto III. 81ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. 215, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1039-00-00_4_0_3_5_1_215_215
(Abgerufen am 27.07.2017).