Regestendatenbank - 174.569 Regesten im Volltext

RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

Sie sehen den Datensatz 210 von insgesamt 328.

Papst Benedikt (IX.) bestätigt dem von ihm geweihten (n. 209) Abt Richer von Montecassino (Richerio venerabili ... abbati a nobis consecrato et ordinato sacratissimi monasterii b. Benedicti confessoris ... in monte qui vocatur Castrum Casinum) wunschgemäß für das Kloster Montecassino, 〈dessen Abtweiherecht ihm selbst kürzlich durch die Kaiser Heinrich (II.) und Konrad (II.) (vgl. n. †167) übertragen worden war (cuius abbatis consecrationem nuper ex dono ... Henrici et Chonradi imperatorum Romanorum suscepimus)〉, und gemäß früheren Papstprivilegien alle Besitzungen seines Klosters mit sämtlichem Zubehör im Gebiet von Benevent, Apulien, Kalabrien, den Marken und im Marserland (tam in finibus Beneuentanis quam et in Apuliis et Calabritanis, etiam et in finibus Marchie ... Marsorum) und insbesondere die Klöster S. Salvatore in Piedimonte, S. Maria in Piumarola, S. Maria in Cingla in Capua und ebendort S. Benedetto und S. Giovanni, S. Sophia in Benevent, S. Maria in Canneto am Trigno (D. Trivento) 〈und das von ihm selbst geschenkte (S. Croce in) Gerusalemme in Rom〉 sowie weitere namentlich genannte (monasterium D. Saluatoris positum ad pedem ipsius montis ... s. Dei genitricis ... Marie quod vocatur Plumbariola ... s. Marie in Cingla ... infra Capuanam civitatem ... cellam s. Benedicti et monasterium s. Johannis puellarum, ... infra civitatem Beneuentanam monasterium s. Sophie ... s. Marie ... in loco qui dicitur Cannetum iuxta fluvium Trinium ...et etiam monasterium Jerusalem Rome situm, quod tibi ... concessimus〉), die Exemtion für das Kloster und dessen Besitzungen (pontificem ... dicionem ... habere preter sedem apostolicam prohibemus), verbietet die Ausübung geistlicher Funktionen im Kloster ohne Erlaubnis des Abtes, verleiht das Recht der freien Wahl des nur vom Papst zu weihenden Abtes, gestattet die Einholung der Weihen von beliebigen Bischöfen, das Recht, zu beliebigen Zeiten Glocken zu läuten, freien Zugang zum Kloster und dessen Dependenzen, Freiheit von jeglicher Exkommunikationsgewalt sowie Synodalverpflichtung und erlässt ein Alienationsverbot. – Si petita apostolica suffragia universis ...Scr. pm. Sergii scrin. et not. SNP kal. Julii, ind. VI.

Überlieferung/Literatur

Orig.: – .  Kop.: 1) 12. Jh., Montecassino, Arch. abbaziale, Reg. 3 (Registrum Petri Diaconi) fol. 12v; 2) 16. Jh., Montecassino, Arch. abbaziale, Cod. 620 fol. 17.  Erw.: Leo Marsicanus, Chr. Casinensis I 59 und II 65 (MG SS XXXIV 148 und 295); Urkunde P. Innozenz' III. (1208) (Potthast n. 3588; Migne, PL 217, 185).  Faks.: Registrum di Pietro Diacono fol. 12v.  Drucke: Margarini, Bull. Casinense II 79; Ughelli/Lucenti, Italia sacra I 643; Cocquelines, Bull. Rom. I 348; Tomassetti, Bull. Rom. I 561; Migne, PL 141, 1357; Zimmermann, PUU II 1151 n. <611.  Reg.: J 3126; IP VIII 134 n. 64; IP VIII 134 n. *†63; Santifaller, Elenco 346; Russo, Regesto vaticano per Calabria n. 118; Santifaller, LD 120; Hoffmann, Chr. und Urkunde in Montecassino 99 und 154 n. 20; Bloch, Monte Cassino I 255 n. 12; JL 4111.  Lit.: Bresslau, Konrad II 312; Caspar, Petrus Diaconus 13, 160, 189; Menzer, Jahresmerkmale 60; Klewitz, Petrus Diaconus 451 (ND 462); Wühr, Wiedergeburt Montecassinos 408ff., 426; Lemarignier, Exemtion 330; Hofmeister, Gefreite Abteien 151; Cowdrey, Age of abbot Desiderius 57; Fabiani, Terra di S. Benedetto I 71; Hoffmann, Abtslisten 313ff.; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 71f.; Bloch, Monte Cassino II 645f., 651ff., 673; Kortüm, Urkundensprache 241.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. IP VIII 134, wo fünf weitere, heute verlorene und fragmentarische hsl. Überlieferungen vermerkt sind, sowie Zimmermann, PUU. Bei dem Privileg handelt es sich um eine Nachurkunde zum weitgehend wörtlich wiederholten Privileg Benedikts VIII. (JL 4045; Böhmer/Zimmermann,Papstregesten n. 1265; Zimmermann,PUU II 1034 n. 545), beide von Petrus Diaconus durch Interpolation erweitert (vgl. n. †167). Bei der erwähnten Urkunde Heinrichs II. handelt es sich um DHII. 531 (Bresslau/Bloch, MG Dipl. III 687; Böhmer/Graff, Regesten Heinrichs II. n. 2024) (vgl. Böhmer/Zimmermann,Papstregesten n. †1246). Zu der von Zimmermann, PUU als Interpolation angesehenen Passage über die Weihe Abt Richers (a nobis consecrato et ordinato) vgl. n. 209. Dagegen ist die Nachricht der Urkunde über die Verleihung des römischen Klosters S. Croce in Gerusalemme an Richer von Montecassino durch Benedikt IX. (monasterium Jerusalem Rome situm, quod tibi tuisque successoribus concessimus ) (IP VIII 134 n. *†63) als Interpolation des Petrus Diaconus anzusehen, denn erst Leo IX. (1049 April-Mai) (JL 4165; Migne, PL 143, 605) hat das römische Kloster an die Mönche von Montecassino vergeben. Der freie Zugang des Volkes zu den dem Kloster gehörenden Kirchen impliziert das Recht zur Predigt für das Volk. Der Besitz des Beneventaner Sophienklosters widerspricht zwar dem Rechtsstand dieses Klosters (wie er sich etwa in der Urkunde Leos IX. vom 21. Mai 1052 darstellt: JL 4276; Migne, PL 143, 692), ist jedoch bereits so in den Vorurkunden enthalten. Zweimal findet sich der Passus über Abtwahl und Abtweihe, doch auch das entspricht den Vorurkunden, so dass am Text selbst (abgesehen von den umfangreichen Interpolationen) keine Zweifel bestehen. Die von Wühr, Wiedergeburt 407 behauptete Teilnahme Benedikts IX. am Süditalienzug Konrads II. von 1038 lässt sich quellenmäßig nicht belegen und ist daher fraglich. Eine Beteiligung des Papstes am Hoftag in Capua und beim Besuch in Montecassino (Bresslau, Konrad II 308ff.; Wolfram, Konrad 152ff.) hätten die Quellen sicher nicht verschwiegen. Andererseits war der Kaiser Ende Juni bereits wieder in Norditalien. Abt Richer hat ihn entweder ein Stück weit begleitet oder gleichzeitig mit dem Rückmarsch des Kaisers seine Reise nach Rom angetreten und dort vermutlich Weihe (vgl. n. 209) und Privileg erwirkt. Zu den anderen Urkunden des Notars Sergius vgl. n. 190, n. 192, n. 200, n. 204, n. 206, n. 253).

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. 210, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1038-07-01_1_0_3_5_1_210_210
(Abgerufen am 20.01.2017).