Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

Sie sehen den Datensatz 204 von insgesamt 328.

Papst Benedikt (IX.) bestätigt (concedimus ... confirmamus) dem Bischof Petrus von Silva Candida (Petro ... episcopo s. Silue Candide eccl.) wunschgemäß (in teilweise wörtlicher Wiederholung der Urkunde Johannes' XIX. n. 72) die bischöfliche Würde samt allen Kirchen, Kapellen und Besitzungen, mit Leuten, Rechten sowie allem anderen Zubehör, insbesondere namentlich genannte Güter in exakt beschriebenen Grenzen, darunter Boccea mit der Kathedrale der hl. Rufina und Secunda (fundum … qui vocatur Buxus, in quo basilica sanctarum Rufine et Secunde), sowie Güter in und bei Nepi, Silva Candida, Sutri und Velletri (in territorio Nepesino ... Silue Candide ... Subtrinense ... Uelleterno), das Mühlenrecht am Fluss Galeria, konfirmiert alle Pfarrkirchen des Bistums mit sämtlichem Zubehör (omnes plebes et ecclesias parrochiasque), in Rom das Gebiet der domus maior (infra ... civitatem Romanam terram, ubi olim fuit domus maior), die Kirche der hl. Rufina und Secunda beim Lateran samt einem Cellarium oder Lardirium genannten Ort, die Kirche der hl. Maria beim Augustusmausoleum mit allem Zubehör sowie den Besitz der Kirche der hl. Adalbert und Paulinus auf der Tiberinsel als Wohnung sowie die fünf Klöster am Vatikan: S. Stephanus maior, S. Stephanus minor, S. Johannes und Paul, S. Martin (de Portico) und Jerusalem (ecclesiam s. ... Rufine et Secunde ... iuxta palatium nostrum et locum qui vocatur Cellarium sive Lardirium ... s. Marie ... positam Rome prope montem qui dicitur Augustus ... ecclesiam ss. Adelberti et Paulini ... in insula Licaonia ... monasteria quinque, s. Stephani maioris et minoris sanctorumque Johannis et Pauli et b. Martini atque Jerusalem ... iuxta magnam ecclesiam s. Petri) und die Nikolauskirche in Galeria samt einem von ihm selbst verliehenen Haus, in welches der Bischof im Auftrag des Papstes bereits durch den päpstlichen Oblationar Benedikt investiert wurde, bestätigt die Immunität des Klerus im Bistum Silva Candida von jeder laikalen Jurisdiktion sowie dessen alleinige Unterstellung unter den Bischof und seine Amtsträger (immunes sint) sowie die Erbansprüche des Bischofs auf die Hinterlassenschaft erbenlos und intestat Verstorbener (vgl. n. 64) und ein Drittel aller Einkünfte von Klerus und Kirchen in Galeria (vgl. n. 70, n. 71); <der Papst überlässt und reserviert dem Bischof weiterhin sämtliche Weihen in der Peterskirche und der gesamten Leostadt, die Feier der Taufe und der gesamten Liturgie des Karsamstages am Hochaltar von St. Peter sowie alle in der Zeit zwischen der dritten Stunde des Karsamstages, als Zeitpunkt des Beginns der Liturgie, und dem Ende der Ostermesse dem hl. Petrus dargebrachten Oblationen (omnemque consecrationem ... in ... ecclesia s. Petri ... tota civitate Leonina); beauftragt ihn entsprechend dem Statut seines Vorgängers Johannes (XIX.) (vgl. n. 72), bis zu dessen Pontifikat im Vatikan an den betreffenden Tagen eine abweichende Liturgie gefeiert worden sei, jährlich am Palmsonntag eine Palmprozession von S. Maria in Turre (im Vatikan) zum Hochaltar von St. Peter durchzuführen und dort Messe zu feiern, jährlich am Gründonnerstag am Hochaltar von St. Peter Messe zu feiern mit Gloria und Chrisamweihe sowie zur Feier der Liturgie am Karfreitag, überlässt ihm die während dieser Feierlichkeiten anfallenden Oblationen; er verleiht ihm die kirchliche Gerichtsbarkeit über die Leostadt (potestatem ... tocius civitatis Leoniane), das Recht, den neuen Papst zu inthronisieren (inthronizare et incathedrare pontificem Romanum), das Privileg des ersten Platzes bei der Kaiserkrönung und jenes der liturgischen Vertretung des Papstes in der Leostadt; schließlich legt der Papst die dem Bischof zu entrichtenden Kosten für die Beleuchtung der Peterskirche an einzelnen Tagen fest, verleiht dem Bischof und seinen Nachfolgern, welche immer Bibliothekare der römischen Kirche sein sollen, das Recht, liturgische Handschuhe (cirothecas) zu tragen>, und erlässt ein Alienationsverbot. – Convenit apostolico moderamini pia religione ...Scr. pm. Sergii scrin et not. SNP mense Nov., ind. ... VI.

Überlieferung/Literatur

Orig.: – .Kop.: 1) 1236 August 2, Rom, Arch. Vat., Reg. Vat. 18 fol. 248 (Insert in Urkunde P. Gregors IX.; Potthast –; Auvray, Registres de Grégoire IX, II 593 n. 3556); 2) 17. Jh., Rom, Bibl. Vat., Fondo Arch. S. Pietro, Cod. H. 61 fol. 155 (Insert in Urkunde P. Gregors IX.); 3) 16. Jh., Rom, Bibl. Vat., Cod. Vat. lat. 12535 fol. 137 (fragm.).  Drucke: Ughelli, Italia sacra I 116; ²I 100; Cocquelines, Bull. Rom. I 344; Moretti, Ritus dandi 67 (fragm.); Bull. Vat. I 20; Luigi Martorelli, Storia del clero Vaticano (Rom 1792) 93 (fragm.); Marini, Papiri dipl. 79; Tomassetti, Bull. Rom. I 552; Urlichs, Cod. urbis Romae 205 (fragm.); Migne, PL 141, 1347; Zimmermann, PUU II 1140 n. 608.  Reg.: Georgisch, Regesta I 351 n. 17; J 3125; Auvray, Registres de Grégoire IX, II 594 n. 3557; IP II 26 n. 5, IP I 139 n. 20; Kopczynski, Arengen 36; Santifaller, Elenco 345; Santifaller, Geschichte der Beschreibstoffe 35 n. 25e; Santifaller, LD 119; JL 4110.  Lit.: Cappelletti, Chiese d'Italia I 513; Pressutti, Regesta Honorii III., I LXII; Bresslau, Papyrus 28; Fabre, Offrandes 227; Pflugk-Harttung, Bullen 110; Julius vonPflugk-Harttung, Das Papstwahldekret des Jahres 1059 (MIÖG 27/1906, 11-53) 52f.; Schwartz, Bistümer Reichsitaliens 265, 294; Mathis, Benedetto 559; Borino, Elezione 234f.; Poole, Benedict 205; Kares, Chronologie 21, 24; IP I 144; Hülsen, Chiese 384; Klewitz, Kardinalskollegium 32; Santifaller, Elenco 142f., 136, 345; Kuttner, Cardinalis 196f.; Jordan, Päpstliche Verwaltung 131f.; Eichmann, Weihe und Krönung des Papstes 17f.; Bresslau, Urkundenlehre ³I 222; Lück, Kölner Erzbischöfe als Erzkanzler 6; Maccarrone, Storia della cattedra 12ff.; Toubert, Structures du Latium II 1316; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 23f., 84; Gussone, Thron und Inthronisation des Papstes 218; Whitton, Papal Policy 51, 228f.; Maccarrone, Primato Romano 687f.; Maccarrone, Cathedra S. Petri 1302f., 1327; Kortüm, Urkundensprache 172ff., 356; Johrendt, Papsttum und Landeskirchen 178.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. IP (dort weitere fragmentarische und inzwischen unleserliche Hss.) und Zimmermann, PUU. Die nur durch Insert in ein Privileg Gregors IX. überlieferte Urkunde war, wie daraus hervorgeht, im Original auf Papyrus ausgestellt. Bei Erstellung dieses Transsumpts war der Text bereits schwer zu lesen. Die Formulierung folgt weitgehend der Vorurkunde n. 72 Johannes' XIX. (vgl. auch n. 70, n. 71). Sie ist durch die Unterschriften des Bischofs Benedikt von Civita Castellana und der designierten Bischöfe Gregor von Todi und Bonizo von Tuscania, des Diakons Leo, des Oblationars Benedikt und des gleichnamigen Kardinals von SS Martino e Silvestro sowie des Subdiakons Crescentius bestätigt: Benedictus s. Fallaritane et Castellane ep. Ego Gregorius SRE designatus in regimen s. Tuterdine eccl. Ego Leo diac. SRE. Benedictus oblationarius. Benedictus card. tituli Equitii. Bonizo presbiter et vicedominus s. Rufine et designatus ... ep. Tuscanensis. Ego Crescentius subdiac. de Johanne de Romano. –  Gegenüber der Vorurkunde ist die Besitzliste noch erweitert, doch gehen v. a. das Recht, den Papst zu inthronisieren und die Verleihung der Pontifikalhandschuhe sowie der Wunsch auf Permanenz des Bibliothekarsamtes über das Privileg Johannes' XIX. hinaus. Letztere Kurialwürde hatte zuvor der Erzbischof von Köln inne; Herrmann sieht in dieser Verleihung an Silva Candida ein Indiz für ein gestörtes Verhältnis zwischen dem Papst und dem Kölner Metropoliten. In den Besitz eines Hauses in Galeria war der suburbikarische Bischof bereits in der Zeit vor der Ausstellung des Privilegs durch den Oblationar Benedikt investiert worden (confirmamus vobis terranea domus, ubi officiales commanebant ... posita Galeria secus ecclesiam b. Nicholai ... ante portam castelli ... de qua etiam domo per Benedictum oblationarium vos investire fecimus) (vgl. IP II 26 n. *4). –  Während Zimmermann, PUU an der Echtheit (abgesehen von Fehlern bei der Abschrift) keine Zweifel hatte, meldet Kortüm starke Bedenken an und hält die gekennzeichneten weiten Teile der Urkunde für interpoliert. Dies gilt über die aus der Urkunde Johannes' XIX. n. 72 übernommenen interpolierten Passagen hinaus nach Kortüms Darstellung für die Verleihung der Pontifikalhandschuhe, und die bereits in der Vorurkunde enthaltene Kritik an den ehemaligen Verhältnissen in der römischen Kirche in der Zeit von Johannes XIX. und die Passage über die Bibliothekarswürde. Obwohl die Argumentation Kortüms nicht in jeder Hinsicht schlüssig ist (etwa die Ablehnung der Pontifikalhandschue aufgrund der Formulierung servitii nostri, die als Genitivus objectivus durchaus korrekt sein kann) ist ihm aufgrund der ungewöhnlichen Formulierungen und logische Brüche im Dokument insgesamt sicher zuzustimmen. Zu den anderen Urkunden des Notars Sergius vgl. n. 190, n. 192, n. 200, n. 206, n. 210, n. 253).

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. 204, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1037-11-00_1_0_3_5_1_204_204
(Abgerufen am 27.03.2017).